April 26, 2016

»I would like to dedicate this last song tonight to all those who came before me and forged those emotional and aesthetic highways that I’ve traveled down so effortlessly. To those who have the guts to live life right on the edge. I dedicate this song to Apollonia, to Sheila E, to Vanity, to Lisa and Wendy on their own, to all that the glamorous life implies. But above all, I want to dedicate this song to the purple paisley God himself, to the little man who chooses to sit all alone, naked, under a cherry moon. Lovesexy. It’s the sign of the times, it’s the sign o’ the times, it’s the sign o’ the times…« (Sandra Bernhard, Without You I’m Nothing)

Prince’s death leaves me speechless. Literally. His music rocked my world ever since the late 1980s. »Controversy«, »Kiss«, »Dirty Mind«, »Soft and Wet«, »Nothing Compares 2 U« (even though my favourite version was Jimmy Smith’s from the late 1990s), »If I Was Your Girlfriend«, »Gett Off«, »Sexy M.F.«, »1999«, »Purple Rain« — the list is endless! »Little Red Corvette« and »I Would Die 4 U« have been theme songs of mine for about twenty years now. »NEWS« remains one of the most outstanding albums of all times…
I still don’t know what to write. This has left a big whole in my mind. In terms of artist deaths, 2016 sucks big time! The Berlin weather seems to be paying its very own Prince tribute: »Sometimes it snows in April«.
Love,

André

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Filmtipp #299 & #300: Die OSS 117-Filme

OSS 117 — Der Spion, der sich liebte

Originaltitel: OSS 117: Le Caire, nid d’espions; Regie: Michel Hazanavicius; Drehbuch: Michel Hazanavicius, Jean-François Halin; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Ludovic Bource, Kamel Ech Cheikh; Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, Aure Atika, Philippe Lefebvre, François Damiens. Frankreich 2006.

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OSS 117 — Er selbst ist sich genug

Originaltitel: OSS 117: Rio ne répond plus; Regie: Michel Hazanavicius; Drehbuch: Michel Hazanavicius, Jean-François Halin; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Ludovic Bource; Darsteller: Jean Dujardin, Louise Monot, Reem Kherici, Alex Lutz, Rüdiger Vogler. Frankreich 2009.

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Bereits gut und gerne sechs Jahre vor den ersten Bond-Abenteuern schickten die Franzosen ihren Geheimagenten Hubert Bonnisseur de la Bath alias OSS 117 auf die Kinoleinwand. Technisch bei weitem nicht so raffiniert und auch sonst nicht mit dem Schmelz der englischsprachigen Agententhriller gesegnet, wurden die sieben zwischen 1957 und 1970 entstandenen Streifen international auch längst nicht so berühmt. In Frankreich jedoch standen die Filme in der Gunst des Publikums ganz oben und konnten im Laufe der Zeit eine treue Fangemeinde aufbauen, die OSS 117 in ihr Herz geschlossen hatte. Der erste Film, »OSS 117 n’est pas mort« (Regie: Jean Sacha), war noch ein recht altbackener Agentenkrimi gewesen und hatte mit Ivan Desny einen Star, der die Geschmeidigkeit von Blei hatte. Später schlüpften nacheinander Kerwin Mathews, Frederick Stafford, John Gavin und Luc Merenda in die maßgeschneiderten Gentleman-Anzüge des Monsieur Bonnisseur de la Bath und bestanden unter anderem in Bangkok, Rio de Janeiro und Tokio haarsträubende Abenteuer. Dabei standen ihnen schmucke Frauen wie Elsa Martinelli, Margaret Lee, Luciana Paluzzi, Mylène Demongeot oder Pier Angeli zur Seite, wenn sie gegen Curd Jürgens, Robert Hossein oder Henri Attal kämpften. Bei den besten Filmen der Reihe führte André Hunebelle Regie, später übernahmen dann meist Italiener den Job. Im Grunde genommen hatten die OSS 117-Filme alles, was die Bond-Filme auch hatten, dem Rezept fehlte vielleicht einfach nur noch die letzte feine Zutat, um sich dauerhaft auf dem Markt zu behaupten? Hinzu kam, dass mit der Bond-Welle spätestens Mitte der 1960er Jahre ein unfassbarer Agentenfilmboom die Lichtspielhäuser heimsuchte und sich beim Zuschauer rasch ein Gefühl der Übersättigung einstellte.

Gut und gerne 36 Jahre war OSS 117 in der Versenkung verschwunden, ehe er 2006 mit Jean Dujardin ein neues, frisches Gesicht bekam und durch den jungen Filmemacher Michel Hazanavicius eine gründliche Imageüberarbeitung erfuhr. Bei beiden OSS 117-Filme, die 2006 und 2009 für klingelnde Kassen und überschwängliche Pressestimmen sorgten, wurden mit Preisen (u. a. insgesamt sieben César-Nominierungen) überhäuft und gehören zu den besten Komödien, die das neue Jahrtausend hervorgebracht hat. Hazanavicius nahm die Romane des 1963 bei einem Verkehrsunfall getöteten Jean Bruce und adaptierte sie in höchst humoristischer Weise, ohne den Kern der Figur zu verändern. Auch hier ist Hubert Bonnisseur de la Bath ein eitler Fatzke und nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Sexistisch, rassistisch, antisemitisch, homophob, nationalistisch und überheblich stolziert Dujardin durch die Welt, als sei er ein AfD-Politiker, ist dabei colgatezahnweißcharmant (und weiß das auch), überrumpelt eher zufällig die Schurken (Nazis in Kairo bzw. Rio) und gewinnt die Gunst der Schönen (Bérénice Bejo in Teil 1, Louise Monot in Teil 2). Garniert ist das Ganze mit den schönsten Postkartenaufnahmen aus Frankreich, Ägypten und Brasilien.
In Deutschland gab es für die beiden Filme groteskerweise keinen Kinostart, dafür übernahm kein Geringerer als Oliver Kalkofe die Aufgabe, für das DVD-Release die fulminant-witzigen Dialoge ins Deutsche zu übersetzen und Jean Dujardin zu synchronisieren. Ein Glanzlicht ist natürlich der von mir sehr geschätzte François Damiens in einer herrlichen Nebenrolle, und in Teil 2 spielt auch mein lieber Facebook-Freund Cirillo Luna mit. Wer Bond mag, sollte OSS 117 schauen. Wer Komödien mag, sollte auch OSS 117 schauen. Dasselbe gilt für alle, die Frauen und Urlaub in der Sonne mögen. Die Filme gehören einfach in jede Sammlung. Das Trio Hazanavicius/Dujardin/Béjo sorgte übrigens mit dem weitaus schwächeren »The Artist« (2011) weltweit für Furore und heimste diverse Oscars ein.

André Schneider

Filmtipp #298: Anna und die Wölfe

Anna und die Wölfe

Originaltitel: Ana y los lobos; Regie: Carlos Saura; Drehbuch: Carlos Saura, Rafael Azcona; Kamera: Luis Cuadrado; Musik: Luis de Pablo; Darsteller: Geraldine Chaplin, Fernando Fernán Gómez, José María Prada, José Vivo, Rafaela Aparicio. Spanien 1973.

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Die junge Engländerin Anna (Geraldine Chaplin) — hübsch, gebildet und weit gereist — übernimmt während eines Aufenthalts in Spanien die Funktion eines Kindermädchens bei einer hochherrschaftlichen Familie. Diese lebt in einem feudalen Landhaus mit drei Generationen unter einem Dach. Die drei kleinen Mädchen, auf die Anna aufpassen soll, machen ihr keine Schwierigkeiten, wohl aber die ewig zeternde Großmutter (Rafaela Aparicio) und deren drei erwachsene Söhne: Fernando (Fernando Fernán Gómez) ist geradezu krankhaft religiös und träumt davon, sich als Eremit im Dienste Gottes in eine Höhle zurückzuziehen; José (José María Prada) ist ein Militarist, der seine Waffen und Uniformen wie Fetische hortet; Juan (José Vivó) ist ein sexbesessener Perversling, der Verhältnisse mit dem weiblichen Personal unterhält und der Vater der drei Mädchen ist. Jeder der drei Brüder stellt Anna auf seine Weise nach und versucht, sie zu vereinnahmen. So steckt Juan ihr beispielsweise obszöne Briefe zu, und von José erhält sie die Aufgabe, ihm beim Abstauben seiner Militäruniformen zuzusehen. Zunächst ist Anna amüsiert über die Verrücktheiten der Brüder und macht sich über sie lustig. Als ihr das Treiben in der abgelegenen Villa doch langsam zu unheimlich und sie sich zunehmend bedrängt fühlt, will sie die Familie verlassen. Doch bei ihrer Abreise lauern ihr die drei unheiligen Brüder auf: sie schneiden ihr die Haare ab, vergewaltigen und ermorden sie.

Saura selbst zählte 1979 »Ana y los lobos« zu seinen aggressivsten Filmen: »Er entstand zu einer Zeit, als meine persönliche Aggression kulminierte und es nur die Möglichkeiten gab, a) zu explodieren oder b) Filme zu machen. Ich machte diesen Film, weil meine Mutter, wenn ich damals zu Hause von politischen, sexuellen oder religiösen Problemen reden wollte, immer sagte: Darüber spricht man nicht. Das gleiche sagte dann die spanische Zensur zu mir: Alles, was Sie wollen – außer Sex, Politik und Religion!«
»Ana y los lobos« ist, anders als beispielsweise Cría cuervos…, linear und betont realistisch erzählt — selbst die kühle und sachliche Darstellung des brutalen, nachhaltig verstörenden Schlusses wirkt ausgesprochen klar und ist von einer geradezu peinigenden Konsequenz. Die Handlung ist ausschließlich auf das Haus der Familie und den Garten beschränkt, was den Eindruck verstärkt, dass wir hier in einem hermetisch versiegelten Raum feststecken, der einem schmucken Gefängnis gleicht und einen eigenen Mikrokosmos darstellt. Viele Rezensenten behaupten nach wie vor, dass trotz der realistischen Darstellung am Ende offen bliebe, ob sich die Schlussszene bloß in einem Alptraum (von Anna) oder einem Wunschtraum (der Brüder) oder real abgespielt haben; eine Interpretation, die jeder für sich selbst treffen kann und sollte. Die abscheuliche Familie selbst ist eine Allegorie auf die spanische Gesellschaft. Die invalide, von Todesahnungen gequälte und pausenlos lamentierende Mutter stellt hierbei den spanischen Staat dar, während die Brüder die drei Eckpfeiler der spanischen Gesellschaft symbolisieren: Religion, polizeiliche (militärische, politische) Gewalt und Sexualität. Anna personifiziert in diesem Gefüge den Humanismus, der getötet werden muss — auch, weil sie die Brüder in ihrem Stolz verletzt. Dass sie Ausländerin ist, die sich über die Brüder (also Spanien) mokiert, ist hierbei ein nicht unerheblicher Faktor. Jahre später, 1979, drehte Saura die surreale Komödie »Mamá cumple 100 años« (sein neunter und letzter Film mit Geraldine Chaplin), in der Anna die Großmutter verkörpert, die auf die junge spanische Demokratie nach Franco den Schatten der düsteren Vergangenheit wirft.

Der fein nuancierte Film dürfte eine der schönsten spanischen Produktionen der letzten 50 Jahre sein. Darüber hinaus macht die gebotene Drastik aus »Ana y los lobos« eine der besten politischen Parabeln der Filmgeschichte. Mit der spanischen Zensur hatte Saura von jeher Schwierigkeiten gehabt, in dieser Hinsicht war »Ana y los lobos« keine Ausnahme. Die Behörden wollten den Film ursprünglich komplett verbieten. Kein Geringerer als Franco selbst traf am Ende die Entscheidung über die Zulassung des Films — und verfügte sogar, den Streifen ungeschnitten freizugeben: »Die Bilder sind exzellent und von seltener Schönheit, die Farben erlesen. Und was den Inhalt betrifft — den kann sowieso niemand verstehen.«

André Schneider