25. März 2008

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte

Was für eine Woche! Der Montag fing noch normal an. Sogar schön. Wer hätte gedacht, dass Ämtergänge Spaß machen können? Ja! Und dann die lange Autofahrt. Und es kam wie angeflogen. Als ich nach 147 Minuten dem Auto entstieg, erbrach ich mich. Anschließend stürmte ich zur nächsten Toilette. Was die kommenden drei Tage mit mir passierte, war alles andere als spaßig. Brechdurchfälle, Fieberschübe, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle. Windeseilig die beiden Auftritte abgesagt bzw. verschoben und das Bett gehütet. Im 45-Minuten-Takt das Lager verlassen, um alternativ zu kotzen oder zu koten. Am End blieb nicht einmal mehr Wasser drin. »Viel trinken«, dachte ich. Flüssigkeitsausgleich. Kräutertees, warmes Wasser. Es blieb nichts drin. Insofern war auch die beherzte Medikamenteneinnahme zwecklos.
Der Arzt — jener, der mich seit meiner Grundschulzeit begleitet — spendete nur schwachen Trost: »Das ist eine Viruserkrankung. Harmloser, als es sich anfühlt.« Angefühlt hat es sich wie der leibhaftige Tod. Und dann, schließlich, am Donnerstag, konnte ich das Bett erstmals wieder für zwei Stündchen verlassen, ohne umzukippen. In der Nacht zum Freitag schlief ich sogar fast durch. Am Freitag konnte ich wieder trinken und gegen Abend sogar schon eine Brühe zu mir nehmen. Mit frischer Petersilie. Am Osterwochenende fand schlussendlich die Normalität zurück in den Leib.
Und jetzt? Ärgere ich mich über das, was mich die Krankheit nicht schaffen ließ. Dass ich Manchester, London und Donna absagen musste. Dass der herzwärts-Schnitt verschoben werden musste. Dass das Treffen mit dem Regisseur, der mir vor zweieinhalb Wochen diesen Film angeboten hatte, wieder nicht zustande kam. Dass ich nicht bloggen, kommentieren, E-mails schreiben konnte. Dass ich überhaupt nicht schreiben konnte.
In zwei Wochen bereits werde ich im Flugzeug nach Namibia hocken, die Knie in den Vordermann gepresst. Wenn ich zurück bin, ist’s bereits Mai. Das Jahr rast flugs dahin, und das, was es zu schaffen galt, bleibt wohl wieder auf der Strecke. Ich glaube, ich hatte schon Recht, als ich kotzen musste. Letzten Endes ist ja alles psychosomatisch.