26. Februar 2008

herzwärts, 1. Drehtag

im nichttun
im atemlauschen
im anvertrauen an die zeit
im guttun
im herzwärts tauchen
im fallen zu allem b e r e i t

im dasein
im weitergehen
in meinem allerschönsten kleid
im fortgehn
im zudirneigen
im frühling wenn es blüten s c h n e i t

im anschaun
im kurz verweilen
im glauben dass die zeit bereit

im trauern
im beisichbleiben
im augenblick der ewigkeit

(im schlafe)
im lebentrinken
in dem was dadurch in mir reift

im lieben
grundlos versinken
im wahren der unsagbarkeit

bin ich da bin ich da bin ich da …

auch wenn es blüten schneit
wenn nichts mehr möglich — doch nichts ist, nichts ist wie es scheint
selbst wenn der himmel weint
jede unsagbarkeit längst schon in worte verpackt steh ich immer noch in meinem
schönsten kleid
mit den füßen im sand und dem kopf in den wolken den regen empfangend als wärs ein
Gewand das sich sanft auf meinen Körper legt
gleich einer hand die stillliebend mich trägt
die sich stilliebend stillliebend stillliebend auf mich legt

ich bin da ich bin da ich bin …

im dasein
im herzwärts lauschen
im anvertrauen an die zeit

(Tanja Ries)

herzwärts markiert für mich einen Anfang. Als Tanja Ries während ihres Konzertes am 20. Januar den ersten Vers sang, bettete sie diese wunderschönen Worte in meinem Herzen ein. Ein Schwalbennest in mir. Noch immer überkommt mich eine Gänsehaut, wenn ich an dieses Konzert denke. Was seither alles passiert ist!
Gestern war der erste Drehtag zu dem herzwärts-Musikvideo, das ich mit dem lieben Stefan Preuhs als Kameramann mache. Machen darf, möchte ich sagen, denn Tanja war und ist sehr angetan von meiner Idee und unterstützt uns, wo sie nur kann. Das Lied allein! Eines, das ich als Offenbarung erfahre, das mich lächeln und weinen lässt, wenn ich es höre. Tjaaa, und gestern dann der erste Drehtag in Tanjas Wohnung in Mitte. Nina Bernards und Stefan Rosenthal in eleganter Abendgarderobe standen vor roten und orangen Vorhängen im Wintergarten mit Blick auf einen parkähnlichen Friedhof, sangen das Lied und liebkosten sich, dass uns — Stefan, Tanja und mir — die Gänsehaut heimsuchte. Die Atmosphäre war entspannt, der Dreh kurz und stressfrei, wir hatten nach dreieinhalb Stunden wirklich wunderschöne Bildfolgen zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass das Video in Sachen Schönheit dem Song »gewachsen« ist und eine Symbiose gelingen wird. Am Freitag werden wir mit Kerstin Linnartz und Zackes Brustik am Kreuzberg drehen. Kerstin in einem »Breakfast at Tiffany’s«-Abendkleid. Drückt uns die Däumchen, dass es trocken sein wird.

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18. Februar 2008

How to welcome a star…

Seit dem unschönen Intermezzo mit der Prinzessin — ein schlechter Mensch mit einem hässlichen Herzen, das muss ich heute mal sagen dürfen! — war ich nicht mehr in Hamburg gewesen. Dabei ist es eine so herrliche Stadt! Ich mag die Menschen dort. Ich glaube, dass das auch was mit der Meeresluft zu tun hat, die wirken alle so frisch und kernig und ausgeruht. Und das, obwohl sie statistisch gesehen mehr arbeiten als die Berliner. — Einladung sei Dank durften Chelito und ich zu den ersten Gästen gehören, die im am Valentinstag neu eröffneten Empire Riverside Hotel nächtigen durften. Was für ein Schuppen! Für den (immer seltener werdenden) alljährlichen Glamour-Exzess perfekt. (Menschen, die nur dafür da sind, im Lift für mich den Knopf zu drücken.)
Allein meine Ankunft war mal wieder ein Kapitel aus dem Buch »Underdressed und sexuell belästigt«, das ich 2020 veröffentlichen werde. Ich, nach einer dreistündigen Autofahrt und vorherigem Arbeitstag eher abgekämpft, mühte mich in Pulli und schwarzer Jeans mit Tasche und Hund ab, während die Prominenz um mich herum sturzbesoffen schwerst angetrunken über den roten Teppich stolperte. Man hatte mir nämlich nicht mitgeteilt, dass das Hotel Eröffnung feierte. Wenigstens durfte ich feststellen, dass Chelito ein ausnehmend gute Figur auf dem roten Teppich abgibt. Als ob er’s geübt hätte! Dieser stolze, souveräne, leicht tänzelnde Gang. Ein Bild für die Götter. Auch im Zimmer verhielt Señor sich standesgemäß, sprang aufs riesige Bett und gab den Pascha. Den süffisanten »So, und jetzt bedient mich!«-Blick beherrscht er aus dem Effeff. Die Bauchkraul-Position einnehmen und aus dem zwölften Stock über Hamburg schauen. Was für ein Lichtermeer! Tausend Lichter und mehr. Eine klare, kühle Nacht, leicht salzige Luft.

Köstliches Frühstück! Theken voller Obst, Marmeladen, Quarkspeisen, Bacon und Rührei. Die verkaterten Promis nicht gesprächs- oder gar handlungsfähig. Eine TV-Moderatorin ungeschminkt, Tränensäcke wie Derrick. Erinnerte entfernt an die Berlinale, 2008 übrigens besonders enttäuschend. Die etwas kamelhöckerähnlichen Wangenknochenimplantate Madonnas waren diskussionswürdiger als ihr Film, der zwar brav und solide inszeniert, ansonsten jedoch bemerkenswert öde war.
Im opulent ausgestatteten Saturn erstand ich DVDs und CDs, die mich noch Wochen beschäftigen, begleiten und beglücken werden. Erwähnen möchte ich besonders das neue Album von Zazie, »Totem«. Ein brillant getextetes, komponiertes und arrangiertes Edelpop-Album, das unter die Haut geht. Besonders Track 10 jagt einem die Tränen übers Gesicht: »Les étoiles ont filé. Je fais le voeu qu’on serait. Heureux puisqu’on ne l’est pas. En vérité. Des lors que je dors en revanche. Je m’arrange, je fais de nous des anges. Plus belles sont mes nuits blanches.  Où l’on s’aime, où personne nous dérange. Et je ferme les yeux. Sur le Monde. Tu épouses mes ombres. L’espace d’une seconde. Nos rêves se confondent. And I. And I love you. Je me fous de ce qu’on en dit. Je rêve. Donc je suis…« — Ein Song wie ein schimmernder Traum in isländischen Gletscherspalten. Ein Song, der sich meinem derzeitigen Leben so kompromisslos anpasst. Und einen Earl Grey gab’s mit leichter Lavendel-Note. Es ist jetzt 01:01 Uhr. Ich wünsche allen NachtschwärmerInnen einen guten Flug durchs Traumland.

14. Februar 2008

Erntedankfest für die Liebe

bedecke mich
bedecke mich mit all deiner Liebe
ich bedecke dich mit allem was ich hab dafür
und für dich ist es dann Liebe
und mich traf es wie einen Schlag und ich ging durch diese unbekannte Tür

und nun bist du trunken
und ich wanke für dich
und bist du verwundet
so trag deinen Schmerz alleine ich
bist in mir versunken
und ich finde mich nicht
mal mehr in all den Stunden
da du mich nie vergißt

bedecke mich …

und nun bist du trunken
und ich wanke für dich
nun bist du gebunden
und die Fesseln trage ich
bist von der Welt verschwunden
doch du findest mich nicht
mal mehr in den Sekunden
da du mich küsst

bedecke mich …

und nun bin ich trunken
und erkenne dich nicht
hast mich doch gefunden
und ich dachte du erlöst mich
kann Liebe denn verwunden
ist es mein Herz dass so sticht
in all den dunklen Stunden
da ich mich so sehr vermisst

bedecke mich …

(Tanja Ries)

Valentinstag 2008. Tag der tanzenden Herzen, der Blumensträuße, der Musik. Zeit, der Liebe an sich zu gedenken und dankbar zu sein, dankbar, lieben zu können, zu dürfen. Die Freuden und das schmerzhafte Leid der Liebe zu kennen. Valentinstag = Erntedankfest für die Liebe. Welch süße Frucht!
Weil’s gut zum Thema passt: Seit dem 12. Dezember 2007 hat das Liquidrom wieder geöffnet. Fast drei Jahre waren seine Türen verschlossen, jetzt spielt die Musik wieder unter der Wasseroberfläche. Die Preise sind gestiegen — knapp 18 Euro für zwei Stunden —, aber es ist jeden Cent wert. Immer, wenn ich das Liquidrom verließ, fühlte ich mich komplett erholt. Wie ein Kurzurlaub. Das Gefühl hielt meist noch zwei, drei Tage an. Wer in Berlin weilt, sollte mal hin. Und zu zweit ist es am schönsten, dann kann man die Augen schließen, sich durchs Wasser ziehen lassen und das Gefühl für Raum und Zeit vergessen. Sich hingeben. Da das diesjährige Berlinale-Programm alles andere als befriedigend ist, sollte man als Tourist diese Woche für eine Visite im Liquidrom nutzen.

Die Vorbereitungen für das herzwärts-Video laufen so gut, dass wir am 25. Februar bereits mit den Aufnahmen beginnen können. Tanja findet Gefallen an meiner Idee, Stefan hat wunderbare Vorschläge gemacht — und ich habe einige wunderschöne Frauen und Männer gecastet, die uns helfen werden. (Kerstin ist auch dabei, was mich persönlich ganz besonders freut.) Ich bin sehr aufgeregt und froh über dieses Projekt.
Aus der Umarmung des Wassers kommt auch, die DVD von Der Mann im Keller ist auch soweit fertig, und heute fahre ich nach Hamburg. 2008 wird ein produktives, gutes und fröhliches Jahr. Prost!