18. Februar 2008

How to welcome a star…

Seit dem unschönen Intermezzo mit der Prinzessin — ein schlechter Mensch mit einem hässlichen Herzen, das muss ich heute mal sagen dürfen! — war ich nicht mehr in Hamburg gewesen. Dabei ist es eine so herrliche Stadt! Ich mag die Menschen dort. Ich glaube, dass das auch was mit der Meeresluft zu tun hat, die wirken alle so frisch und kernig und ausgeruht. Und das, obwohl sie statistisch gesehen mehr arbeiten als die Berliner. — Einladung sei Dank durften Chelito und ich zu den ersten Gästen gehören, die im am Valentinstag neu eröffneten Empire Riverside Hotel nächtigen durften. Was für ein Schuppen! Für den (immer seltener werdenden) alljährlichen Glamour-Exzess perfekt. (Menschen, die nur dafür da sind, im Lift für mich den Knopf zu drücken.)
Allein meine Ankunft war mal wieder ein Kapitel aus dem Buch »Underdressed und sexuell belästigt«, das ich 2020 veröffentlichen werde. Ich, nach einer dreistündigen Autofahrt und vorherigem Arbeitstag eher abgekämpft, mühte mich in Pulli und schwarzer Jeans mit Tasche und Hund ab, während die Prominenz um mich herum sturzbesoffen schwerst angetrunken über den roten Teppich stolperte. Man hatte mir nämlich nicht mitgeteilt, dass das Hotel Eröffnung feierte. Wenigstens durfte ich feststellen, dass Chelito ein ausnehmend gute Figur auf dem roten Teppich abgibt. Als ob er’s geübt hätte! Dieser stolze, souveräne, leicht tänzelnde Gang. Ein Bild für die Götter. Auch im Zimmer verhielt Señor sich standesgemäß, sprang aufs riesige Bett und gab den Pascha. Den süffisanten »So, und jetzt bedient mich!«-Blick beherrscht er aus dem Effeff. Die Bauchkraul-Position einnehmen und aus dem zwölften Stock über Hamburg schauen. Was für ein Lichtermeer! Tausend Lichter und mehr. Eine klare, kühle Nacht, leicht salzige Luft.

Köstliches Frühstück! Theken voller Obst, Marmeladen, Quarkspeisen, Bacon und Rührei. Die verkaterten Promis nicht gesprächs- oder gar handlungsfähig. Eine TV-Moderatorin ungeschminkt, Tränensäcke wie Derrick. Erinnerte entfernt an die Berlinale, 2008 übrigens besonders enttäuschend. Die etwas kamelhöckerähnlichen Wangenknochenimplantate Madonnas waren diskussionswürdiger als ihr Film, der zwar brav und solide inszeniert, ansonsten jedoch bemerkenswert öde war.
Im opulent ausgestatteten Saturn erstand ich DVDs und CDs, die mich noch Wochen beschäftigen, begleiten und beglücken werden. Erwähnen möchte ich besonders das neue Album von Zazie, »Totem«. Ein brillant getextetes, komponiertes und arrangiertes Edelpop-Album, das unter die Haut geht. Besonders Track 10 jagt einem die Tränen übers Gesicht: »Les étoiles ont filé. Je fais le voeu qu’on serait. Heureux puisqu’on ne l’est pas. En vérité. Des lors que je dors en revanche. Je m’arrange, je fais de nous des anges. Plus belles sont mes nuits blanches.  Où l’on s’aime, où personne nous dérange. Et je ferme les yeux. Sur le Monde. Tu épouses mes ombres. L’espace d’une seconde. Nos rêves se confondent. And I. And I love you. Je me fous de ce qu’on en dit. Je rêve. Donc je suis…« — Ein Song wie ein schimmernder Traum in isländischen Gletscherspalten. Ein Song, der sich meinem derzeitigen Leben so kompromisslos anpasst. Und einen Earl Grey gab’s mit leichter Lavendel-Note. Es ist jetzt 01:01 Uhr. Ich wünsche allen NachtschwärmerInnen einen guten Flug durchs Traumland.

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