Rezept #39: Pikante Kürbissuppe

Ein weiteres schönes Herbstgericht für sechs Personen. Dank des frischen Ingwers ist diese Kürbissuppe leicht scharf. Wer mag, kann anstelle der normalen Kartoffel auch eine Süßkartoffel verwenden und auch eine oder zwei Möhrchen hinzufügen.

Zutaten:
1 kg Hokkaido-Kürbis
1 mittelgroße Kartoffel
1 Zwiebel
1 Stück frischer Ingwer
1 EL Olivenöl
750 ml Gemüsebrühe (evtl. bis zu 250 ml mehr)
150 ml Kochsahne
Salz, Pfeffer, Zimt
Koriander

Zubereitung:
Kürbis abspülen, halbieren, die Kerne entfernen, das »Stroh« mit einem Löffel herausschaben. Das Fruchtfleisch grob würfeln. Die Kartoffel schälen, die Zwiebel auch, dann beides würfeln. Den Ingwer schälen und fein hacken.

Das Öl in einem weiten Topf erhitzen. Kürbis, Kartoffel und Zwiebel darin anbraten, dann erst den Ingwer und die Gemüsebrühe zugeben und 20 Minuten im geschlossenen Topf weichkochen. Es kann sein, dass es ein paar Minuten länger dauert.

Mit einem Stabmixer das Gemüse in der Brühe fein pürieren, dann 100 ml Kochsahne zugießen und alles mit Zimt, Salz und Pfeffer abschmecken. Bei Belieben mehr Brühe zugießen. Die Suppe in vorgewärmte Suppenschüsseln geben. Etwas flüssige Sahne hineingeben und zu Schlieren verrühren. Am Ende mit etwas frischem Koriander servieren.

André Schneider

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Rezept #38: Pilz-Bruschetta

Ein kleiner, appetitlicher Snack für Zwischendurch. Geht schnell, unkompliziert und schmeckt einfach großartig. Eine herbstliche Alternative zur üblichen Bruschetta. Dieses Rezept ist für vier Personen berechnet.

Zutaten:
4 dicke Scheiben Brot
8 Scheiben Emmentaler oder Gruyère
200 Gramm Pilze (braune Champignons, Austernpilze oder Shiitake)
2 Knoblauchzehen
2 Stiele Thymian
1 unbehandelte Zitrone
Butter, Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Die Brotscheiben halbieren und im Toaster leicht rösten, bis die Schnittflächen etwas knusprig sind. Die Knoblauchzehen schneiden und die warmen Brotscheiben einreiben. Danach das Brot mit den Käsescheiben belegen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Den Backofen vorheizen.

Die Pilze putzen und achteln. Den Thymian waschen, abtrocknen und die kleinen Blätter abzupfen. Dabei einige Blätter zum Garnieren beiseite legen.

Die Zitrone heiß abwaschen, abtrocknen und etwa 3 TL von der Schale abreiben. Dazu noch etwa 1 TL zum Garnieren beiseite legen.

In einer Pfanne 2 EL Butter erhitzen. Die Pilze hinzugeben und bei großer Hitze kurz anbraten. Mit Salz, Pfeffer und dem restlichen Knoblauch (kleingehackt), dem Thymian und dem Zitronenabrieb würzen. Wer mag, kann auch noch eine kleine Zwiebel hinzufügen.

Parallel dazu die Brote im Backofengrill so lange rösten, bis der Käse goldgelb ist. Anschließend die heißen Pilze auf den Käsebroten verteilen. Mit Thymian, Zitronenabrieb und Pfeffer garnieren.

André Schneider

Filmtipp #541: Man liebt es unentschieden

Man liebt es unentschieden

Originaltitel: La confusion des genres; Regie: Ilan Duran Cohen; Drehbuch: Ilan Duran Cohen, Philippe Lasry; Kamera: Jeanne Lapoirie; Musik: Jay-Jay Johanson; Darsteller: Pascal Greggory, Nathalie Richard, Julie Gayet, Vincent Martinez, Cyrille Thouvenin. Frankreich 2000.

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Mit 21, 22, 23 litt ich darunter, dass so etwas wie eine »bisexuelle Szene« nicht existiert. Für die Schwulen ist man bestenfalls ein »Verräter«, meist aber ein »Schwuler, der sich nicht richtig traut«, für die Hetis bist du bestenfalls »exotisch«. Einen halbwegs würdigen Umgang findest du auf beiden Seiten kaum. Und ein Dazugehören ist ebenfalls auf beiden Seiten nicht drin. — In Berlin gab es damals, also Anfang der 2000er, lediglich das Bisexuelle Netzwerk (BiNe e.V.) und das Zentrum für bisexuelle Lebensweisen. Beide Vereine lagen in der Hand desselben Mannes, der einem ungefragt (!) Flugblätter ins Haus schickte, die man teuer bezahlen musste (18 Euro für 16 zusammengetackerte Seiten über »bisexuelle Beziehungsmodelle«). Ich war bei zwei Veranstaltungen. Da wurde »meditiert« — eigentlich handelte es sich mehr um autogenes Training —, und man wurde mehr oder weniger gezwungen, seine sexuellen Phantasien und/oder Erfahrungen mitzuteilen, und am Ende wurden einem 20 Euro berechnet. Das, was ich suchte — einen Austausch mit ähnlich gepolten Menschen —, fand nicht statt. Dieser Berliner »Chef« der Bisexuellengruppen veranstaltete hin und wieder auch so etwas wie eine »bisexuelle Woche«, wo es diverse Veranstaltungen gab. Zu 95% für Männer. Die Ehefrauen trafen in gesonderten Grüppchen zusammen und sprachen darüber, wie sich ihr Leben verändert hat, seit ihr Mann seiner Bisexualität nachgegeben hat. Mir war das alles immer sehr suspekt. Auch das erzwungene Ausbreiten intimster Details vor Fremden. Heute, mit 37, 38, 39, sehe ich alles wesentlich gelassener. Die gesunde Skepsis irgendwelcher »Szenen« gegenüber ist geblieben. — Was war noch? Ach ja! Im CCH gab oder gibt es jeden Mittwoch eine bisexuelle Sexparty. Neugierig besuchte ich diese auch ein paar wenige Male, als ich Anfang oder Mitte 20 war. Das sah dann so aus, dass die Männer wild am sexeln waren und die Frauen — ihre Ehefrauen? — barbusig an der Bar hockten und ihre Drinks kippten. Öde. Irgendwie fade. Wenig lustvoll jedenfalls. Vielleicht war ich auch nur an den falschen Tagen da, ich weiß es nicht. Gut, für einen jungen Homosexuellen — egal, ob weiblich oder männlich —, ist eine »Szene« wichtig. Nicht nur, um eine(n) potent(iell)e(n) Partner(in) kennen zu lernen, sondern um überhaupt erst einmal zu sehen und zu erfahren, dass es noch andere Menschen gibt, die dieselben Empfindungen und Polungen teilen. Schließlich leben wir in einer heterosexuell geprägten Gesellschaft, was auch okay ist. 99% von uns werden von heterosexuellen Eltern großgezogen.

Keine Angst, ich komme gleich zur Filmbesprechung, aber diese einleitenden Worte sind mir wichtig.

Kein noch so sensibler Hetero kann die komplexen und oft schmerzhaften Prozesse verstehen, die ein Coming Out — ein Begriff, den ich wirklich nicht mehr mag — in Gang setzt, und daher möchte ich an dieser Stelle darüber auch nicht schreiben. Kurzum, es war schwierig für mich, als Teenager ohne eine »Szene« — noch ein Wort, das ich hasse — zurechtzukommen. Literatur gab es ja auch kaum. Als Teenager las ich ein Buch von Ruth Kuntz-Brunner, »Bisexualität. Doppelte Sehnsucht, doppelte Scham«, und fand mich darin zumindest teilweise wieder. Klar, heute, nach der Hälfte meines Lebens, würde ich mich gar nicht mehr definieren oder auch nur definieren wollen, dazu schätze ich das Geheimnis der Grauzonen zu sehr, aber ich lebte nun einmal praktisch ausschließlich in schwulen Beziehungen. (Sexuell sah das phasenweise anders aus, weil ich Frauen eben in erotischer Hinsicht appetitanregend finde.) Als Teenie war das Kuntz-Brunner-Buch auf jeden Fall wichtig für mich. Später, viel später, als ich schon in Berlin lebte, erschien »Die Vielfalt des Begehrens« von Marjorie Garber. Ein ehrgeiziger Wälzer, rund 800 Seiten stark, an dem die Autorin über zehn Jahre geschustert hatte. Sie wollte wohl das Schlüsselwerk über Bisexualität schreiben, und man erfährt reichlich über Bisexualität in der bildenden und darstellenden Kunst, in der Literatur, in der Politik, in der Weltgeschichte. Aufschlussreich, aber doch irgendwie off the track, wie ich fand. (Vielleicht sollte ich mir das Buch noch einmal vornehmen, manchmal ändert sich die Wahrnehmung ja im Laufe der Jahre.) Mittlerweile gibt es sicher 20, 30 Bücher zum Thema Bisexualität, die mehr oder weniger hilfreich sind.

Die Darstellung sexueller Vielfalt im Film fand und finde ich seit jeher wichtig. Bisexuelle Lebensmodelle gab und gibt es wenige. Es gibt bis heute eigentlich keinen wirklich guten Film, der sich ernsthaft und mit gebotener Leichtigkeit mit der Materie befasst. »Threesome« (Regie: Andrew Fleming) war ein ambitioniert-beherzter und erotischer Versuch, eine vielschichtigere Form des Begehrens aufzuarbeiten, blieb aber letztlich auf Popcorn-Niveau stecken. Im Übrigen gab es hier keine bisexuelle Figur. (Josh Charles spielt einen Schwulen, der sich anfangs für bisexuell hält.) — Catherine Tramell aus »Basic Instinct« (Regie: Paul Verhoeven) war eine sexuell undefinierte Frau, die sich ihres Magnetismus bewusst war und diesen kalt berechnend einsetzte. Eine Soziopathin durch und durch. Ein brillanter Thriller, in dem die Bisexualität jedoch vor allem als plakativ-sensationsheischendes Element eingesetzt wurde. Im Vorgänger von »Basic Instinct«, De vierde man, verkörperte Jeroen Krabbé einen bisexuellen Schriftsteller, war aber nicht konform mit seinem Ich, er wurde von seinen Begierden wie von einer Naturgewalt überwältigt. — Ryan Reynolds gibt uns in »Deadpool« (Regie: Tim Miller) den ersten pansexuellen Superhelden der Filmgeschichte.

So, jetzt aber! Überleitung gelungen.

Vor zehn Jahren kam ich in den Genuss eines Films, der vieles von dem, was ich einen Großteil meines Lebens empfunden habe, aufgriff. Er hieß »La confusion des genres« und war als Import aus den USA erhältlich (Titel: »Confusion of Genders«). Offenbar nähern sich nur die Franzosen Herzensangelegenheiten mit einer solchen Voltkraft und Poesie. Erwähnte ich schon die Leichtigkeit? Eben, die ist prominenter Teil dieses Streifens, der auch humorvoll daherkommt. Schauspielerisch — Cyrille Thouvenin, Pascal Greggory, Nathalie Richard, Julie Gayet und Vincent Martinez sind als Ensemble spitzenklasse! — und visuell ein aufregend guter, tiefsinniger Film über männliche Bisexualität, ihre Freuden und ihre Probleme. Ja, der Durchschnittsschwule hasst den Film nach Kräften, die schwule Presse war seinerzeit ungnädig. Der Mainstream indes, zumindest in Frankreich, feierte den kleinen Film. Es gab zwei Nominierungen für den César, eine für Greggory und eine für Thouvenin. Kurzfassung der Story: Alain (Greggory) ist Anwalt, rund um die 40 und genießt ein die Freiheit eines ungezügelt promisken Sexuallebens. Er hat auch nicht den Wunsch, sich zu binden. Unbeabsichtigt schwängert er seine Chefin (Richard). Verliebt ist er in Marc (Martinez), der allerdings wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Marcs Freundin, die Friseurin Babette (Gayet) ihrerseits ist scharf auf Alain. Der Jüngling Christophe (Thouvenin) indes verknallt sich ernsthaft in den Anwalt und bestärkt ihn in der Annahme, dass er alles haben könne. Das emotionale Chaos kommt vollends zum Ausbruch, als Alain sich schließlich unter Druck gesetzt fühlt und beschließt, seine Chefin zu heiraten.
Ein zuweilen bissig-zynischer Film über eine Generation, die nicht erwachsen werden will, aber auch eine Hymne an das Leben und die Lust, angereichert mit allerhand spitzer Randnotizen. In Deutschland lief »La confusion des genres« nicht im Kino, sondern feierte 2004 seine TV-Premiere.

Ja, ich wollte hier nie so ausführlich über »sexuelle Orientierungen« — ein dritter Begriff, der mir eigentlich zuwider ist — schreiben. Ich finde es anstrengend genug, sexuell zu sein, da möchte man sich doch nicht noch um Vorsilben kümmern müssen. (Ich dachte und denke, dass es immer natürlich ist, wenn sich zwei attraktive, intelligente, gutherzige Menschen ineinander verlieben. Das hat doch eigentlich nur sekundär etwas mit Geschlecht zu tun. Klar, klingt etwas verkopft, theoretisch, idealistisch und so weiter, trifft aber doch den Kern.) Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.

André Schneider