Filmtipp #592: Lady Macbeth

Lady Macbeth

Originaltitel: Lady Macbeth; Regie: William Oldroyd; Drehbuch: Alice Birch; Kamera: Ari Wegner; Musik: Dan Jones; Darsteller: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Paul Hilton, Naomi Ackie, Christopher Fairbank. GB 2016.

Nikolai Semjonowitsch Leskows 1865 erschienene Novelle »Die Lady Macbeth von Mzensk« bildete die Vorlage für dieses geradezu frostig-unterkühlte Thriller-Drama, das von William Oldroyd vom zaristischen Russland ins viktorianische England verlegt wurde. Oldroyd, Jahrgang 1979, ist eigentlich im Theater zu Hause. Am Young Vic inszenierte er Stücke von Beckett und Ibsen, bevor er 37jährig mit »Lady Macbeth« sein Filmdebüt gab.

Der alte Boris (Fairbank) hat die junge Katherine (Pugh) wie ein Stück Vieh gekauft, damit sie seinen Sohn (Hilton) heiratet und ihm einen Enkelsohn gebiert. Daraus macht er auch gar keinen Hehl. In einer der ersten Einstellungen von »Lady Macbeth« sehen wir Katherines püppchenhaft herzförmiges Gesicht hinter ihrem Brautschleier. Sie wirkt entrückt, teilnahmslos, als wohne sie der Zeremonie als unbeteiligte Zuschauerin bei. Im Laufe der Handlung wird sie immer wieder gefragt, ob ihr kalt sei. Sie verneint stets. Körperliche Kälte scheint ihr nichts auszumachen. Sie liebt das raue Klima des englischen Nordens und würde nur zu gern die ewig verschlossenen Fenster des düsteren Anwesens aufreißen, in dem sie nach ihrer Eheschließung wie eine Gefangene haust. Es ist keine Liebesheirat. Ihr Angetrauter begehrt Katherine mitnichten, pocht jedoch beständig darauf, dass sie gefälligst ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen habe. Als er ihr am Abend ihrer Hochzeit barsch befiehlt, sich nackt auszuziehen, vergeht ihm die Lust, und Katherine wird klar, dass diese Ehe für sie zu einem seelischen Grab werden wird. Unter ständiger Kontrolle und Bevormundung leidend, sitzt das schweigsame Mädchen mit den langen, in der Mitte gescheitelten schwarzen Haaren ihre Zeit ab. Sie lebt in einem pervertierten System, in dem die Kontrolle die Maske der Sorge trägt und dadurch noch perfider wirkt. Als ihr Mann verreist, entkommt sie ihrem Hausarrest für kurze Zeit und lernt einen attraktiven Landarbeiter namens Sebastian (Jarvis) kennen. Mit ihm entdeckt Katherine zum ersten Mal die Freuden ungestümer Leidenschaft. Die Rückkehr ihres Mannes allerdings bedroht ihr Glück, und so trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.

Patriarchale Strukturen, schneidende, glasklare Bilder, emotional verkrüppelte Charaktere: »Lady Macbeth« ist weiß Gott kein angenehmes Filmerlebnis — aber ein gelungenes. Es ist eine aseptisch-kraftvolle Studie über die Unbeugsamkeit der Macht und über die Spiralen der Gewalt. Katherines Mann, eindrucksvoll gespielt von Paul Hilton, wurde von einem Rezensenten als »ein Monster der Schwäche« bezeichnet, welches die ihm aufgezwungene Frau mit seiner Verachtung demütigt. Die Gewalt setzt sich innerhalb des Haushaltes fort. So, wie sie von Ehemann und Schwiegervater behandelt wird, springt Katherine mit Anna (Ackie), einer farbigen Dienerin, um. Auch ihre Affäre mit Sebastian ist weniger ein Akt der Befreiung als vielmehr ein Verschieben der Machtverhältnisse im Haus. Anders als die Shakespear’sche Lady Macbeth fällt Katherine nicht dem Wahnsinn anheim, sie ähnelt in ihrer kalten Methodik eher einer Psychopathin: »Ihre Morde haben Methode und sind im Rahmen der gesellschaftlichen Verhältnisse konsequent. Und genau diese tödliche Konsequenz, diese Pervertierung von Bertolt Brechts revolutionärer Einsicht ›Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht‹, macht sich Oldroyd zu eigen. Die rigiden Symmetrien der Einstellungen und die schon chirurgische Präzision der Filmschnitte, die die Gewalt auf der formalen Ebene erfahrbar macht, greifen die Mechanismen des zerstörerischen Systems auf, das ›Lady Macbeth‹ porträtiert. Die analytische Schärfe der Inszenierung und Florence Pughs Spiel, das Emotionen höchstens erahnen lässt, verleihen Oldroyds Debüt eine opake Brillanz, die einem Bewunderung abnötigt […].« (Sascha Westphal, »epd Film«)

Die karge Schönheit der Landschaft ist ein Höhepunkt des Films. Eine sich konstant verdüsternde Atmosphäre, nebelgrau und nachtschwarz, ein feiner Schleier aus Unterdrückung und Befreiung, nur scheinbar hermetisch fest in der Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts verankert. Tatsächlich gestaltet Oldroyd sein Werk so offen, dass es problemlos mit der Gegenwart kommuniziert. Die Kamera, meist starr und symmetrisch, offenbart berückend schöne Stillleben: Möbelstücke, Gemälde, Fensterrahmen sind stets perfekt arrangiert — nur eben nicht lebendig. Die Personen gehören praktisch zum Dekors, sind Traumwandler auf einer Bühne, die das Leben lediglich imitiert. Das Haus ist von außen nicht zu sehen, so dass Oldroyd Zeit und Raum in einer Art Niemandsland ansiedelt. Er vertraut der Kraft der Bilder so sehr, dass er keine Musik benötigt und auch im Dialog äußerst sparsam bleibt.

Sowohl Oldroyd als auch Pugh wurden mit Lob nur so überschüttet. Die junge Schauspielerin gehört jetzt schon zu den neuen shooting stars des britischen Kinos und wird in den kommenden Jahren noch viel von sich hören lassen. Was sie uns hier als Katherine bietet, zeugt von müheloser Brillanz. Ein Film, der auf jeden Fall einen Blick wert ist!

André Schneider

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Rezept #47: Kühle Sommergetränke (ohne Alkohol)

Kurz vor der Blog-Sommerpause habe ich Euch für die heißesten Tage des Jahres drei besonders köstliche Durstlöscher zusammengestellt, einfach zuzubereiten und nicht besonders preisintensiv, ohne Alkohol und herrlich erfrischend. Auf einen schönen Sommer, Ihr Süßen!

1.) Pfirsich-Cranberry-Rosmarin-Drink

Zutaten (für sechs Getränke):
200 ml Pfirsichnektar
600 ml Cranberrysaft
50 Gramm Cranberrys
6 lange Zweige Rosmarin
1 Liter Mineralwasser (mit oder ohne Kohlensäure)

Zubereitung:
Die Cranberrys gut waschen und abtropfen lassen. Den Pfirsichnektar und den Cranberrysaft verrühren und in sechs Gläser gießen. Dann die Cranberrys auf die Gläser verteilen. Den Rosmarin waschen und trocken schütteln. Die Zweige in die Gläser geben, diese dann mit Mineralwasser auffüllen und mit den Zweigen umrühren. Kurz ziehen lassen und dann gemeinsam anstoßen.

2.) Cucumber Refresher

Zutaten (pro Getränk):
Saft einer Limette
3 Minzzweige
Sodawasser
Gurke

Zubereitung:
Gurke längs in sehr, sehr dünne Streifen schneiden (am besten mit einer Küchenraspel). Die Minzblätter dreier Zweige sowie die Gurkenscheiben in ein Longdrinkglas tun, das Glas mit Eiswürfeln auffüllen und dann die restlichen Zutaten hinzufügen. Umrühren, mit Basilikum, Minze oder Rosmarin dekorieren und den gesunden, erfrischenden Drink genießen.

3.) Birne-Anis-Drink

Zutaten:
1 TL Anis
300 ml Wasser
300 ml Birnensaft
400 ml Sodawasser
5 TL frischer Basilikum
2 Erdbeeren (pro Glas)

Zubereitung:
Einen Teelöffel Anis mit 300 Gramm kochendem Wasser übergießen. Den Sud fünf Minuten ziehen lassen und abseihen. Sobald der Anisauszug abgekühlt ist, mit 300 ml Birnensaft und 400 ml Sodawasser vermischen. Dann die fünf Teelöffel Basilikum kleinhacken und unterrühren. Nach drei Minuten den Mix durch ein Sieb geben und kalt stellen. Schließlich und endlich in einem Glas mit den geschnittenen Erdbeeren servieren.

André Schneider