26. Mai 2010

Der Ertrinkende

Hier unten
                    nimmst du mir den Atem
 
 
Hier unten
                    fließt das Wasser über meinen Kopf
                    Ich kann die kleinen Fischlein hören
 
 
Hier unten
                    wie sie deinen wundersamen Namen flüstern
 
 
Hier unten
                    werden meine Augen zu Seesternen
                    und dein Kopf ist ein großer, roter Ballon
 
 
Hier unten
                    liegt deine große Pranke schwer auf meiner Brust und
 
 
Hier unten,
                    Schatz, zieht sich deine zauberhafte Stimme zurück
 
 
Und ja, du raubst mir meinen Atem.
 
 
 
                    Schau dir mein Haar an, wie es weht und weht
                    Schatz,
 
 
Hier unten
                    habe ich so schönes Haar –
                    es ist silbern und gefüllt mit silbernen Bläschen
                    Oh, und
 
 
Hier unten
                    wird mein Blut eine Wolke sein
 
 
Hier unten
                    sind meine Träume aus Wasser gemacht
 
 
Und ja, Schatz, du raubst mir den Atem.
 
 
Hier unten
                    ist mein schöner Körper aufgeschichtet
                    auf Steinen
                    und ich kann nicht atmen
                    und winzig kleine Fische treten in mich ein
 
 
Hier unten
                    werde ich bereit gemacht
 
 
Hier unten
                    werde ich rein sein
                    und ich erglühe mit der Größe meiner Liebe für dich

André Schneider

(Dieses Gedicht entstand im Mai 1999 in Hildesheim.)

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