30. November 2008

Jahres-Rückblick 2008

Ein wenig zu früh — ein Zwölftel des Jahres liegt immerhin noch vor uns —, aber da ich den Dezember über berufsbedingt viel unterwegs sein und daher nur wenig bzw. gar nicht bloggen werde, wollte ich meine Bilanz jetzt schon ziehen. Rekapitulierend kann und darf ich schon einmal sagen: Jeder muss mit seinen Enttäuschungen leben, ich musste mit meinen sogar schlafen.

Beste CD 2008: Oooooohhh! Reichlich! Tanja Ries’ neues Album, dann die Musik von Kyte, Manuela Sieber, Holden, Perry Blake. Größte Überraschung war Michel van Dykes Album »Bossa Nova«.
Schlechteste CD 2008: Gab’s auch, ich kaufte zum Glück nur wenige schlechte: Madonna, Annett Louisan, Stefan Gwildis.
Bester Film 2008: Weiße Lilien und Bienvenue chez les Ch’tis.
Schlechtester Film 2008: War so oft gar nicht im Kino und daher auch nicht oft enttäuscht.
Schönste Begegnung 2008: Es gab einige wunderschöne Begegnungen und vor allem Wiederbegegnungen, über die ich mich ganz besonders gefreut habe: Boris, Tanja, Udo, Antonio…
Schlimmste Begegnung 2008: D. M. Ohne ihn wäre ich um ca. 8.500 Euro schwerer und hätte mir (und meiner Umwelt) auch sonst einiges erspart. Ganz genau genommen war es die schlimmste Begegnung seit 1978.
Das größte Herzklopfen 2008: Meine Kontoauszüge.
Schönster Job 2008: Nach längerer Durststrecke gab’s ein paar schöne Herausforderungen.
Blödester Job 2008: Dieses Jahr gab’s keine blöden Jobs.
Coolste Anschaffung 2008: Selbst nach längerer Überlegung fällt mir hier nichts ein.
Überflüssigste Anschaffung 2008: Entfällt auch. Gut, der 3-Liter-Kakaobecher hätte nicht sein müssen, weil er etwas unpraktisch ist und einem außerdem ziemlich übel wird, wenn man ihn geleert hat, aber irgendwie dachte ich, ein so schöner großer Becher hätte was.
Bester Sex 2008: Immerhin: ab November wurde es okay.
Beste Entscheidung 2008: 10. November.
Blödeste Entscheidung 2008: 6. Oktober.
Wichtigste Gedanken 2008: Warum handle ich wider besseres Wissen? Warum lasse ich mir weh tun, obwohl ich das nicht möchte? Warum lasse ich es zu, mies behandelt zu werden?
Größter Schreck 2008: 25. Mai bis 28. September.
Schönster Ausflug 2008: Swakopmund und Kapstadt.
Größter Traum 2008: Glück in einer Partnerschaft finden.
Lieblingsbuch 2008: Carol Gilligan: »In a Different Voice«, Truman Capote: »Frühstück bei Tiffany« (mal wieder ausgegraben!), Cecelia Ahern: »PS, I Love You« (kitschig, trivial, aber wirklich wohltuend) und noch ein gutes Dutzend mehr.
Schönster Moment 2008: Die Auftritte in Manchester und Edinburgh.
Schlimmster Moment 2008: 1. April bis 27. Oktober. Wie ein ungewaschenes Geschlechtsteil im Gesicht.

Ich wünsche Euch eine wunderbare Vorweihnachtszeit. Kommt gut in und durch diesen Dezember, wir lesen uns mit frischen Kräften im neuen Jahr!

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26. November 2008

Hotelzimmergedanken

Kaum mehr fünf Wochen, dann ist 2008 aufgeraucht, abgeschmirgelt, verputzt, abgegrast, zerbröselt, kurzum: fertig!
Ein lehrreiches Jahr, fürwahr, aber insgesamt doch eines, auf das ich lieber verzichtet hätte. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass es beruflich eines der besseren war. Eine Zeit der Umbrüche, Wiedergeburten und Veränderungen. Klar ist das positiv zu werten, nur geschah alles so schnell, dass ich praktisch immer noch unter Schock stehe. Finanziell erlebe ich seit August, September eine Talfahrt sondergleichen. Das Nebenjob-Gehalt wurde ohne Vorankündigung quasi halbiert. (Die Arbeitszeit nicht.) Gagen von Sprecher- und anderen jobs trudeln bis heute nicht oder nur teilweise ein. (Kennt Ihr das, wenn der Auftraggeber Geld verspricht: »Die Überweisung ist gestern raus…«, und man immer wieder vergebens zum Geldautomaten latscht? Ich sage Euch, nach vier, fünf Wochen ist dieses Spiel mehr als zermürbend!) Nichtsdestotrotz hoffe ich, im Dezember die rund 900 Euro zusammen zu haben, die ich brauche, um Aus der Umarmung des Wassers zu veröffentlichen, ein Buch, das immerhin zwei Jahre Arbeit verschlang. Harte Arbeit.

Vor einigen Wochen besuchte ich mit einem Freund die Galerie Lumas in den Hackeschen Höfen. Er hatte dort ein Bild bestellt und bat mich, dabei zu sein, wenn er es abholte. Das Bild stammt von dem Fotografen Kai Stuht, und der Zufall (?) wollte es, dass dieser gerade eine Ausstellung bei Lumas hatte. Während mein Freund also sein Bild begutachtete, schlenderte ich durch die Galerie und bestaunte die aufregenden Arbeiten dieses Künstlers, wobei mir zwei seiner Bilder nachhaltig in die Glieder fuhren:

kai-stuht_01

kai-stuht_02

Die in diesen Bildern spürbare Mischung aus Unschuld, Verletzbarkeit, Einsamkeit, Neugier und Sehnsucht ließ mich weinen. Tagelang verließen sie mich nicht. Noch heute lese ich in diesem Gesicht. Es spricht zu mir. Es berührt den Punkt, an dem ich mich gerade befinde. Es wäre das erste Mal gewesen, dass ich ein Bild erstanden hätte, wäre nicht der Preis gewesen (439 bzw. 839 Euro!). Ich beherzigte also Barbaras Rat und speicherte die Bilder im Rechner ab. Kein würdiger Ersatz, ich weiß, aber immerhin.

Habe die Meditation als Heilmittel bzw. als lebenskraftunterstützende Maßnahme (wieder)entdeckt und seit Anfang Oktober zwölf Kilo abgenommen. Nach all den Diäten, die nichts gebracht haben, entdeckte ich, was wirklich wirkungsvoll ist: Gar nichts essen! Das geht erstaunlich lange. Einfach reichlich trinken. Und wenn einem schwindelig wird, einfach eine Scheibe Brot rein oder — wenn möglich — ein wenig schlafen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich »The Mighty Boosh« für mich entdeckt habe. Anfangs glaubt man, diese Mischung aus Monty Python, »Alice im Wunderland« auf LSD, Trash, Musical, BBC-Comedy, kruder Fantasy und new age philosophy sei die furchtbarste Show, die je gesendet wurde. Dann, wenn man drei, vier Folgen überstanden hat, kommt die Erleuchtung und man muss sich eingestehen, süchtig geworden zu sein. Dumm nur, dass man nicht erklären kann, worum genau es geht. Zwei Typen wohnen mit einem Schamanen und einem Gorilla in einer WG und erleben gar wundersame Dinge. Musical-Einlagen (u. a. mit Kobras, die zu drum’n’bass tanztechnisch abgehen wie Brandenburger Techno-Kids) wechseln sich ab mit philosophischen Exkursen über das Sein und Handeln. Grandios! Die Macher heißen Noel Fielding und Julian Barratt.