Rezept #17: Frühstücksideen für den Sommer

Müsli variabel

Müsli sollte, sozusagen als Grundausstattung, immer beinhalten: Haferflocken und/oder Vollweizenflocken, Rosinen (oder im Herbst frische Beeren), gehackte Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse oder auch Kürbiskerne), geraspelten Apfel, ein paar Tropfen Honig und Milch, Sauermilch oder mit Wasser verdünnte Sahne. Lassen Sie das Ganze mindestens 15 Minuten »einweichen«.

Je nach Jahreszeit mit frischem Obst oder Beeren ergänzen. (Verwenden Sie niemals Büchsenobst!)

Joghurt natur

Um da hundertprozentig sicher sein zu können, müssen Sie Ihren Joghurt selbst zubereiten. Das dazu nötige Ferment ist im Reformhaus in Pulverform erhältlich. 1 Teelöffel davon in ein gründlich gereinigtes (keimfrei ist Bedingung!), luftdicht verschließbares Einmachglas oder in eine Thermosflasche geben. Milch abkochen und auf 45 Grad (bitte mit dem Thermometer nachmessen) abkühlen lassen. Die Milch über das Pulver gießen und das Gefäß gut verschließen. In circa 18 Stunden haben Sie fertigen Hausmacher-Joghurt.

Achtung: Joghurt ist zwar gesund, aber nur (wie alle Dinge im Leben), wenn in Maßen genossen.

Bananen-Honig-Milch

Die in Scheiben geschnittene Banane nicht — wie sonst üblich — ganz, sondern nur halb zerdrücken und zusammen mit ein paar Tropfen Honig mit Milch verquirlen.

Hüttenkäse mit Ei im Glas

Ja, es ist so einfach, wie sich’s anhört: 1 Ei im Glas mit 2 Esslöffel Hüttenkäse mischen und den Geschmack mit frischem Schnittlauch oder gehackter Petersilie abrunden.

Joghurt-Frucht-Schnee

Vermengen Sie Joghurt zu gleichen Teilen (je 1 Tasse) mit frisch gepresstem Fruchtsaft, und geben Sie 1 Teelöffel Honig sowie ein paar Tropfen Zitronensaft zu. Schlagen Sie etwas Sahne steif, und ziehen Sie es vorsichtig unter die Joghurtmasse.

Waldorfsalat

Eine halbe gedünstete Sellerieknolle würfeln, kaltes Huhn kleinschneiden, geraspelte Äpfel, zerkleinerte Ananas oder Mandarinenspalten dazugeben. Mit kleingehackten Nüssen ergänzen. Mit einer Prise Salz und Zitronensaft würzen. Statt der sonst üblichen Mayonnaise nehme ich Quark oder Joghurt als Salatsoße (evtl. mit zwei Teelöffeln Sahne verfeinert). Sie können statt der Sellerieknolle auch Möhren, Blumenkohl oder Kohlrabi nehmen.

Porridge pikant

Die Hälfte einer kleinen Zwiebel hacken, in 1 Esslöffel Butter goldgelb glasig braten, 3 Esslöffel Haferflocken dazugeben und ca. 1-2 Minuten unter Wenden mitrösten. Mit 1 Tasse Gemüsebrühe ablöschen. Salz und gehackte Petersilie hinzufügen und bei milder Hitze ca. 5 Minuten garen lassen. Am Schluss mit 1 Teelöffel Sahne geschmacklich abrunden. Dasselbe können Sie mit wildem Reis – statt der Haferflocken – machen. Die Garzeit verlängert sich entsprechend.

Ei-Spinat

2 Handvoll frische Spinatblätter in etwas Wasser dünsten. Die Hälfte einer kleinen Zwiebel kleinhacken und goldgelb-glasig dünsten. Die fertig gekochten Spinatblätter dazugeben und mit dem Quirl passieren. Mit etwas Muskatnuss und Salz abschmecken. 1 Teelöffel Sahne und 1 Ei hinzufügen und ein paarmal kurz aufkochen lassen. Sie können das Ei auch weglassen und zum Spiegelei umfunktionieren.

André Schneider

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Filmtipp #116: Bullets over Broadway

Bullets over Broadway

Originaltitel: Bullets Over Broadway; Regie: Woody Allen; Drehbuch: Woody Allen, Douglas McGrath; Kamera: Carlo Di Palma; Darsteller: John Cusack, Chazz Palminteri, Dianne Wiest, Jennifer Tilly, Jack Warden. USA 1994.

Bullets Over Broadway

Irgendein Blogger schrieb unlängst, Woody Allens Filme seien »die Fusseln am Arsch der Filmgeschichte«. Nun, ganz so weit würde ich nicht gehen, aber ich sehe es ähnlich. Der letzte Allen-Film, der mir gefiel, war »Celebrity« (1998), weil die Schwarzweißbilder von Sven Nykvist und die Schauspieler (Melanie Griffith, Bebe Neuwirth, Judy Davis, Leonardo DiCaprio, Winona Ryder, Adrian Grenier) so erlesen waren. Mein Lieblingsfilm von ihm ist »Another Woman« (1989) mit Gena Rowlands — ein untypischer Film für Allen. »Radio Days« (1987), »The Purple Rose of Cairo« (1985), »Manhattan« (1979) und »Love and Death« (1974) gefielen mir auch. Grundsätzlich wird es immer schwierig für mich, wenn Woody Allen sich in seinen Filmen auch noch schauspielerisch betätigt; der intellektuell-neurotische New Yorker zersägt einem spätestens nach dem vierten Film gehörig die Nerven. Die einzigen Filme, bei denen ich in den letzten Jahren das Kino verließ, waren Allen-Filme. Vielleicht ist es sein straffes Arbeitspensum — er dreht jedes Jahr einen, manchmal sogar zwei Filme —, das wirkliche Kreativität verhindert, ich weiß es nicht. Im Grunde genommen variiert er immer wieder dieselbe Geschichte mit denselben Charakteren, lediglich die Schauplätze haben sich in den letzten Jahren immer wieder geändert. Irgendwann wollte der alte Mann Manhattan mal verlassen, nun dreht er in Barcelona, London, Paris und Rom einen schlechten Film nach dem anderen. Sein kommerziell erfolgreichstes Machwerk, »Midnight in Paris« (2011), habe ich als persönlichen Affront empfunden, eine Frechheit. (Hinzu kommt, dass Woody Allen für mich als Mensch ziemlicher Abschaum ist. Ihr wisst es noch? Die halbwüchsigen Adoptivtöchter seiner Lebensgefährtin jahrelang sexuell zu missbrauchen, ist kein feiner Zug. Dass er eine von ihnen dann heiratete, macht es nicht besser. So machte er seinen leiblichen Sohn, den er mit Mia Farrow hat, zu seinem Schwager.)
     Wie dem auch sei: 1994 kam mit »Bullets Over Broadway« sein großes Meisterwerk in die Lichtspielhäuser, einer jener raren Glücksfälle der Filmgeschichte, in denen wirklich alles stimmt. Wenn es die perfekte Komödie gibt, dann haben Woody Allen und sein Co-Autor Douglas McGrath sie hier geschaffen: »Bullets Over Broadway« rangiert für mich gemeinsam mit »Some Like It Hot« (Regie: Billy Wilder) auf Platz 1 der besten Komödien aller Zeiten.

In seiner Presseerklärung zu »Bullets Over Broadway« schrieb Allen: »Eine Bitte an meine Freunde bei der Presse: Wäre es Ihnen möglich — vorausgesetzt, es erscheint Ihnen vernünftig —, in Ihren Besprechungen nicht zu verraten, was für Überraschungen die Handlung birgt? Ich bitte Sie nur darum, weil das Publikum dann mehr Spaß an der Sache hat, wenn es nicht genau weiß, wo die Handlung langgeht. Sollte dies jedoch zuviel verlangt sein, so habe ich dafür natürlich Verständnis. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie die Sache in Erwägung ziehen.«
     Ich meine, dass der Film so großartig ist, dass der Spaß nicht geschmälert wird, wenn ich die  Handlung verrate: John Cusack spielt einen erfolglosen, idealistischen Dramatiker aus Greenwich Village, David Shayne, der die Chance erhält, unter der Schirmherrschaft eines angesehenen Produzenten (Jack Warden) sein neuestes Stück am Broadway selbst zu inszenieren. Die Sache hat nur einen Haken: Er muss der Freundin eines gefürchteten Mafia-Bosses (Joe Viterelli), dem himmelschreiend unbegabten Showgirl Olive Neal (Jennifer Tilly wurde für den Oscar nominiert), in seinem Stück eine Rolle geben. David lässt sich auf den Pakt mit dem Teufel ein und nimmt das zweischneidige Angebot an, da der Gangster der alleinige Geldgeber der Produktion ist. Die gute Seite des Deals beinhaltet, dass David die anderen Rollen des Stückes mit namhaften Stars besetzen kann: die egozentrische, einem guten Tropfen nicht abgeneigte Broadway-Legende Helen Sinclair (Diane Wiest durfte den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle in Empfang nehmen), der fresssüchtige Warner Purcell (Jim Broadbent) und die quirlige Eden Brent (Tracey Ullman) sollen sein Stück trotz Olives Untalent zu einem Hit machen. David kompromittiert sich im Laufe der Geschichte derart, dass er sich überhaupt nicht mehr als den Künstler wahrnehmen kann, der er gerne wäre. Als eigentlicher Künstler entpuppt sich völlig unerwartet der ruppige Leibwächter Olives, Cheech (Chazz Palminteri, ebenfalls oscarnominiert), der am Ende das Stück des Dramatikers komplett umschreibt und zum Erfolg führt.

Wie will man die Perfektion in Worte fassen, die Brillanz der Dialoge (sogar in der deutschen Synchronisation, was selten ist!), das Zusammenspiel von Maske, Kostüm (Oscarnominierung), Bauten (Oscarnominierung) und Musik, die das New York der späten 1920er glaubhaft wiederauferstehen lässt, die phantastischen Schauspielerleistungen von Tilly, Wiest, Broadbent, Ullman, Cusack und Palminteri? Nie war ein simpler Satz wie »Nicht sprechen!« so lustig! In Nebenrollen sind Rob Reiner, Mary-Louise Parker und Harvey Fierstein (als Helen Sinclairs Agent) mit von der Partie. »Bullets Over Broadway« spielte zwar nur 13 Millionen US-Dollar ein, erhielt aber insgesamt 21 Auszeichnungen, unter anderem folgende: American Comedy Award (für Diane Wiest), Boston Society of Film Critics Award (Diane Wiest, Tracey Ullman), British Comedy Award (Bester Film), Casting Society of America Award, Chicago Film Critics Association Award (Diane Wiest), Chlotrudis Award (Diane Wiest), National Board of Review Award (Bester Film)…
     Gedreht wurde (natürlich!) vor Ort in New York City, in Brooklyn (u. a. in Williamsburg), im legendären Belasco Theater und in der 110th Street, und zwar vom 27. September bis zum 7. Dezember 1993. Piepsmaus Jennifer Tilly bekam als einzige Schauspielerin Allens Erlaubnis, ihren Dialog teilweise zu improvisieren und die anderen Schauspieler zu unterbrechen.
     Lange bevor ich den Film sah, durfte ich Ende der Neunziger im Theater am Kurfürstendamm die unvergleichliche Georgette Dee als Helen Sinclair in der Bühnenfassung, die dem Film getrost das Wasser reichen kann, bewundern.

André Schneider