29. Dezember 2006

Die vorletzten Worte des Jahres

Lang und breit waren meine Überlegungen, was ich zur bevorstehenden Jahreswende schreiben soll. Gehaltvoll sollte es sein. Ein Rückblick auf 2006, ein paar Vorsätze für 2007. Wünsche an alle BloggerInnen, die ich im letzten halben Jahr online kennen lernen durfte. Es war schwer, einen Anfang, gute Worte zu finden. Und dann fiel mein Blick in Vaters (Mittwochs-)Ausgabe der »Bild«…

Quälende Blähungen?
Das hilft jetzt schnell & effektiv!

Kaum zu glauben, über 6 Millionen Deutsche leiden unter Blähungen. Jetzt, wo wieder viel und fetthaltig gegessen wird, treten diese quälenden und schmerzhaften Beschwerden auf. Hier hilft jetzt das höchstdosierte Imogas.
Blähungen können viele Ursachen haben. Häufig sind es schwer verdauliches Essen, zu wenig Bewegung oder Stress. Allesamt sind Blähungen ungemein quälend und peinlich dazu.
Dagegen gibt es aber eine Therapie: Imogas (rezeptfrei in der Apotheke) ist das Produkt mit der höchsten Dosis und hoch wirksam. Die flüssige Füllung der kleinen Kapsel verteilt sich schnell im Darm. Quälender Druck lässt innerhalb kurzer Zeit nach. Imogas ist so verträglich, dass es auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden kann. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Tipp: Gerade im Winter wird oft deftig und fetthaltig gegessen. Daher sollte Imogas in keiner Hausapotheke fehlen. Damit Sie die leckeren Mahlzeiten auch genießen können.

(Quelle: Bild.)

Schönere Worte hätte auch ich nicht finden können, und dem ist wohl auch nichts hinzuzufügen, außer, dass ich das Jahresende ruhig und friedvoll begehen werde, glücklich, meine Familie nicht sehen zu müssen (die letzten Tage waren der pure Horror). Hiermit wünsche ich Euch allen jetzt schon eine geruchsneutrale und gesunde Rutschpartie ins Neue Jahr.

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27. Dezember 2006

Desiderata

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast, und sei des Friedens eingedenk, den
die Stille bergen kann. Vertrage Dich mit allen Menschen, möglichst ohne Dich ihnen
auszuliefern. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar, und höre anderen zu, auch den
Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Für den Geist sind sie eine Qual. Wenn Du
Dich mit anderen vergleichst, könntest Du bitter werden und Dir nichtig vorkommen,
denn es wird immer Menschen geben, die größer oder geringer sind als Du. Freue
Dich Deiner Leistungen, wie auch Deiner Pläne.

Bleibe weiter an Deinem eigenen Weg interessiert, wie bescheiden er auch sei. Im
wechselnden Glück der Zeiten ist er ein echter Besitz. In Deinen geschäftlichen
Angelegenheiten lasse Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Doch soll das
Dich nicht blind machen für vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen
bemühen sich, hohen Idealen zu folgen, und überall ist das Leben voller Heldenmut.

Sei Du selbst. Vor allem heuchle nicht Zuneigung. Und sei, was die Liebe anlangt,
nicht zynisch. Denn trotz aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch ewig und
beständig wie das Gras.

Nimm freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre an, und gib mit Würde die Dinge
der Jugend auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er Dich bei unvorhergesehenem
Unglück schütze. Aber quäle Dich nicht mit Gedanken. Viele Ängste kommen aus
Ermüdung und Einsamkeit. Neben einem gesunden Maß an Selbstdisziplin sei gut zu
Dir.

Du bist nicht weniger ein Kind des Universums als es die Bäume und die Sterne sind;
Du hast ein Recht, hier zu sein. Und, ob dies Dir klar ist oder nicht: Kein Zweifel
besteht, dass das Universum sich so entfaltet, wie es sich entfalten soll.

Darum lebe in Frieden mit Gott, wie auch immer Du IHN verstehst. Was auch immer
Dein Mühen und Dein Sehnen ist: Halte in der lärmenden Wirrnis des Lebens mit
Deiner Seele Frieden. Trotz aller Falschheit, trotz aller Mühsal und all der
zerbrochenen Träume ist es dennoch eine schöne Welt.

Sei vorsichtig. Und strebe danach, glücklich zu sein.

Dieses Fest der Liebe war reich an Geschenken und Glückseligkeit. Mehr kann und möchte ich gar nicht sagen — eine Reise durch Emotionslandschaften, feuchte Lippen vom Morgentau einer zusammen erlebten Schmetterlingsnacht, Musik, Worte, Schritte. Bei aller Erdverbundenheit schwebe ich und schwimme. Hinter mir liegen drei unglückliche Jahre, vor mir glänzt das Licht, es leitet, führt, liebkost mich. Die kleinen Dinge — Worte, SMSe, E-Mails —, mit denen mich Freunde bedachten, wiegen schwerer als die Unnettigkeiten, die es — wie jedes Jahr — auch gab. Michael F. Stoerzer beispielsweise schickte mir die »Desiderata«, die ich hier mit Euch teilen möchte, weil sie einfach gut tut. Meine Empfehlung: LAUT LESEN!
Barbarella schickte mir die liebsten Grüße, Stefan und Perlchen sowieso; Ihr lieben LeserInnen hier im Blog; Nikolaus Firmkranz schrieb mir einen so lieben Satz, den ich gleich in meinem Tagebuch verewigen musste; Tori sang stundenlang für mich, und The Gift (aus Portugal!) begleitet mich nach 2007. Danke, Prinzessin! — Du tanzt mit meinem Herzen.

Stop breathing I’m trying to get some sleep
Stop breathing allow me to repeat
Keep breathing I guess it would disturb
Keep breathing the road is getting long
Maybe I will find you in another place
Maybe I will find you with somebody else

Keep breathing life is hard to play
Keep breathing we haven’t find the way
Stop breathing this game it makes no sense
Stop breathing
Maybe I will find you in another place
Maybe I will find you with somebody else

The things that they said us
The things that we run off
Though we try to move over
After all that we saw
The stage is clear, the view is soft
But it’s so cold, warm enough
The game is set, and too much players again
And here we are, in front of them again
Keep breathing I’m glad to see you back
Keep breathing I thought we would give up
Stop breathing their eyes will catch our soul
Stop breathing their ears will break our mind
Keep breathing and join the carrousel
Stop breathing pretend a pantomine
Keep breathing today we woke up blue
Stop breathing perhaps we lay down dark
Keep breathing I’m trying to get some sleep
Stop breathing allow me to repeat
Keep breathing and join the carrousel
Stop breathing
And dark, and blue, and again
Maybe I will find you in another place
Maybe I will find you with somebody else

Keep breathing I’m trying to get some sleep
Stop breathing allow me to repeat
Keep breathing this game it makes no sense
Stop breathing
Maybe I will find you in another place
Maybe I will find you with somebody else

8. Dezember 2006

Für meine Prinzessin von ihrem Ritter

I.
Als das Milchmeer gequirlt wurde, saßen die drei Hirten am Fuße des Lotusbaumes. Dieser ließ rosarote Blütenblätter auf sie herabregnen. Im Blütenregen sahen die Ruhenden 200 weiße Elefanten am Himmel fliegen.
Sie fühlten, dass nun all ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden! Also fragte er ihn: Was ist dein größter Wunsch? Er antwortete: Zu lieben und geliebt zu werden.
Das ist die Essenz von allem!
Das ist der Sinn des Seins?
Das will ich lernen von Dir, Du Sonnenprinz.
Ich will lernen zu vertrauen, mich hinzugeben, mich fallenzulassen! Das Leben zu genießen und einen Film zu machen, der meine Mama lächeln lässt und mich in Deinen Armen zum Himmel
ausgestreckt, stöhnend, jubilierend, Celan zitierend, hoffend, ausharrend, nicht aufgebend, endlich — endlich!! das gefunden habend, was jeder sucht.
Und das ist die Liebe! Die Liebe und ihre Kraft wird uns schützen und uns zu Pionieren des Glücks machen und uns zum Ziel unserer Träume und Wünsche führen.

II.
Der Spiegel sprach zu mir: Heute, mein lieber Junge, darfst du dich von mir befreien! Du darfst frei durchs Leben laufen und dich öffnen für
das, was immer auch kommen mag.
Ein Zauberstrahl, der vom Blitzen deines Lächelns strahlt…
Er verspricht mit goldgelbem Engelssummen:
Ich werde dich lieben — genau so, wie du bist, und werde dich glücklich machen! Hab keine Angst vor der Dunkelheit. Sie ist nur
ein blaugrüner Dunst in einem überhitzten Raum — wie das Misstrauen, das psychisch und körperlich krank macht und alles dunkel anstreicht.
Doch die Dunkelheit mit dir macht mir keine Angst mehr! Ich fühle deine Kraft und dein Vertrauen und deine Liebe und deine Sonne! Heute werde ich mich zu dir und von
Donnerstag auf Freitag im Kerzengeigenklang. Ein JA zum neuen Tag, ein JA zum neuen Anfang, ein HALLO zum kleingroßen Wunder.

Entstanden am Abend des 7. Dezember 2006 in Hamburg. — Wort für Wort! — Eine Nacht, eine Ewigkeit in Augenblicken, Blicken, Berührungen, Bemühungen. Ich bin verliebt in Dich. Ich freue mich auf das Neue, auf die Zeit mit Dir, mit uns, mit dem Wir. Bis übermorgen, meine schöne Prinzessin. Du bist bei und in mir mit Deiner Stimme, Deinem Duft, Deinem Strahlen.

Die Welt so klein, das Herz so groß

Wieder in Hamburg. Gerade mit Wulf gefrühstückt, nachdem ich die Prinzessin zum Abschied küsste mit dem Versprechen, am Sonntag wieder bei ihr zu sein. Was für eine schöne Stadt, selbst mit grauem Himmel, Wind und Nässe. In kaum einer Stunde wird die Autobahn vor mir liegen, die Schönheit wird sich minütlich mehr entfernen, die Sehnsucht wachsen. Bis ich am Sonntag wieder in ihren Armen liegen, ihren Hals, ihre Brust, ihren weichen Mund küssen darf.

Im April 1997 fuhr ich mit dem ICE nach Köln, wo ich Sleepless Cities aufnehmen wollte. Meine erste CD, mit Liedern von Hollaender, Weill und Tori Amos. (Sie wurde ein paar Monate später in Hannover eingespielt.) Mir gegenüber saß eine blonde Frau, ein paar Jährchen älter, mit einer Strasberg-Biographie in den Händen. Sehr sexy, von einer entwaffnenden Offenheit. Ein Strahlen. Ich sprach sie an. Ich war damals 19 und musste erst einmal schwul sein. Mein erstes sexuelles Erlebnis mit einer Frau hatte ich erst ein gutes Jahr später. Wäre ich in dieser Hinsicht offen gewesen, hätte ich sie’s vermutlich spüren lassen. Wir kamen ins Gespräch. Aus Bonn kam sie. Ihr Name: Kiwi. Wie die Frucht. Sie erzählte mir, sie wolle im Herbst nach New York gehen, um dort Schauspiel zu studieren. Gemeinsames Lachen. Wir hörten »Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit«, von Ute Lemper gesungen, und plärrten laut mit. Wir tauschten Nummern und Adressen.
März/April 1998, New York. Kiwi und ich hatten ein paar Male telefoniert. Sie hatte mir ein, zwei Postkarten geschrieben. Ich bin mit meiner Schwester in New York, um mir die Bewerbungsunterlagen diverser Schauspielschulen zu beschaffen. Gegenüber vom Strasberg Institute treffen wir uns auf einen Kaffee. Sie hat nur eine halbe Stunde, bis sie wieder in den Unterricht muss. Sie wirkt, bei allem Licht in ihren Augen, beschwert. Danach hörten, lasen, sahen wir uns nie wieder. Ein Kontakt, der so plötzlich abbrach, wie er entstand.
Diese Woche stand im Zeichen der Prinzessin. Ihre beste Freundin: ein Sonnenwesen namens Kiwi, aus Bonn stammend, nun Hamburg, in New York zur Schauspielerin ausgebildet, inzwischen die Mutter eines bildhübschen Jungen. Acht Jahre haben wir uns nicht gesehen oder gehört.
Es waren nur zwei marginale Begegnungen, ja, aber ich hab sie nie vergessen können. Was für ein schöner Zufall. Wenn es »Zufälle« geben sollte. Aber Schicksal ist ein zu schattenhaftes Wort.

In zehn Minuten werde ich im Parkhaus sitzen und an die Prinzessin denken, deren Ritter ich sein darf, möchte, werde.
In 15 Minuten werde ich auf dem Weg zur Autobahn sein.
In kaum vier Stunden werde ich in meiner Wohnung bei einer Tasse Tee langsam erfassen, was hier passiert. — Und die Stunden zählen, bis ich am Sonntag endlich wieder fahren kann, ihr entgegen.