8. Dezember 2006

Für meine Prinzessin von ihrem Ritter

I.
Als das Milchmeer gequirlt wurde, saßen die drei Hirten am Fuße des Lotusbaumes. Dieser ließ rosarote Blütenblätter auf sie herabregnen. Im Blütenregen sahen die Ruhenden 200 weiße Elefanten am Himmel fliegen.
Sie fühlten, dass nun all ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden! Also fragte er ihn: Was ist dein größter Wunsch? Er antwortete: Zu lieben und geliebt zu werden.
Das ist die Essenz von allem!
Das ist der Sinn des Seins?
Das will ich lernen von Dir, Du Sonnenprinz.
Ich will lernen zu vertrauen, mich hinzugeben, mich fallenzulassen! Das Leben zu genießen und einen Film zu machen, der meine Mama lächeln lässt und mich in Deinen Armen zum Himmel
ausgestreckt, stöhnend, jubilierend, Celan zitierend, hoffend, ausharrend, nicht aufgebend, endlich — endlich!! das gefunden habend, was jeder sucht.
Und das ist die Liebe! Die Liebe und ihre Kraft wird uns schützen und uns zu Pionieren des Glücks machen und uns zum Ziel unserer Träume und Wünsche führen.

II.
Der Spiegel sprach zu mir: Heute, mein lieber Junge, darfst du dich von mir befreien! Du darfst frei durchs Leben laufen und dich öffnen für
das, was immer auch kommen mag.
Ein Zauberstrahl, der vom Blitzen deines Lächelns strahlt…
Er verspricht mit goldgelbem Engelssummen:
Ich werde dich lieben — genau so, wie du bist, und werde dich glücklich machen! Hab keine Angst vor der Dunkelheit. Sie ist nur
ein blaugrüner Dunst in einem überhitzten Raum — wie das Misstrauen, das psychisch und körperlich krank macht und alles dunkel anstreicht.
Doch die Dunkelheit mit dir macht mir keine Angst mehr! Ich fühle deine Kraft und dein Vertrauen und deine Liebe und deine Sonne! Heute werde ich mich zu dir und von
Donnerstag auf Freitag im Kerzengeigenklang. Ein JA zum neuen Tag, ein JA zum neuen Anfang, ein HALLO zum kleingroßen Wunder.

Entstanden am Abend des 7. Dezember 2006 in Hamburg. — Wort für Wort! — Eine Nacht, eine Ewigkeit in Augenblicken, Blicken, Berührungen, Bemühungen. Ich bin verliebt in Dich. Ich freue mich auf das Neue, auf die Zeit mit Dir, mit uns, mit dem Wir. Bis übermorgen, meine schöne Prinzessin. Du bist bei und in mir mit Deiner Stimme, Deinem Duft, Deinem Strahlen.

Die Welt so klein, das Herz so groß

Wieder in Hamburg. Gerade mit Wulf gefrühstückt, nachdem ich die Prinzessin zum Abschied küsste mit dem Versprechen, am Sonntag wieder bei ihr zu sein. Was für eine schöne Stadt, selbst mit grauem Himmel, Wind und Nässe. In kaum einer Stunde wird die Autobahn vor mir liegen, die Schönheit wird sich minütlich mehr entfernen, die Sehnsucht wachsen. Bis ich am Sonntag wieder in ihren Armen liegen, ihren Hals, ihre Brust, ihren weichen Mund küssen darf.

Im April 1997 fuhr ich mit dem ICE nach Köln, wo ich Sleepless Cities aufnehmen wollte. Meine erste CD, mit Liedern von Hollaender, Weill und Tori Amos. (Sie wurde ein paar Monate später in Hannover eingespielt.) Mir gegenüber saß eine blonde Frau, ein paar Jährchen älter, mit einer Strasberg-Biographie in den Händen. Sehr sexy, von einer entwaffnenden Offenheit. Ein Strahlen. Ich sprach sie an. Ich war damals 19 und musste erst einmal schwul sein. Mein erstes sexuelles Erlebnis mit einer Frau hatte ich erst ein gutes Jahr später. Wäre ich in dieser Hinsicht offen gewesen, hätte ich sie’s vermutlich spüren lassen. Wir kamen ins Gespräch. Aus Bonn kam sie. Ihr Name: Kiwi. Wie die Frucht. Sie erzählte mir, sie wolle im Herbst nach New York gehen, um dort Schauspiel zu studieren. Gemeinsames Lachen. Wir hörten »Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit«, von Ute Lemper gesungen, und plärrten laut mit. Wir tauschten Nummern und Adressen.
März/April 1998, New York. Kiwi und ich hatten ein paar Male telefoniert. Sie hatte mir ein, zwei Postkarten geschrieben. Ich bin mit meiner Schwester in New York, um mir die Bewerbungsunterlagen diverser Schauspielschulen zu beschaffen. Gegenüber vom Strasberg Institute treffen wir uns auf einen Kaffee. Sie hat nur eine halbe Stunde, bis sie wieder in den Unterricht muss. Sie wirkt, bei allem Licht in ihren Augen, beschwert. Danach hörten, lasen, sahen wir uns nie wieder. Ein Kontakt, der so plötzlich abbrach, wie er entstand.
Diese Woche stand im Zeichen der Prinzessin. Ihre beste Freundin: ein Sonnenwesen namens Kiwi, aus Bonn stammend, nun Hamburg, in New York zur Schauspielerin ausgebildet, inzwischen die Mutter eines bildhübschen Jungen. Acht Jahre haben wir uns nicht gesehen oder gehört.
Es waren nur zwei marginale Begegnungen, ja, aber ich hab sie nie vergessen können. Was für ein schöner Zufall. Wenn es »Zufälle« geben sollte. Aber Schicksal ist ein zu schattenhaftes Wort.

In zehn Minuten werde ich im Parkhaus sitzen und an die Prinzessin denken, deren Ritter ich sein darf, möchte, werde.
In 15 Minuten werde ich auf dem Weg zur Autobahn sein.
In kaum vier Stunden werde ich in meiner Wohnung bei einer Tasse Tee langsam erfassen, was hier passiert. — Und die Stunden zählen, bis ich am Sonntag endlich wieder fahren kann, ihr entgegen.

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