31. Dezember 2009

Sollte ich es einmal schaffen
neben dir bei mir zu bleiben
ohne mich verschließen zu müssen
dann werde ich zu dir gehen können
ohne Furcht

Sollte ich es einmal schaffen
neben dir unbeirrbar zu bleiben
ohne um mich schlagen zu müssen
dann werde ich dich umarmen können
ohne Traurigkeit

Sollte ich es einmal schaffen
neben dir mich selbst zu achten
ohne mich behaupten zu müssen
dann werde ich dich lieben können
ohne Schatten

Freaky Balls

Eine uferlose Erschöpfung nach den Feiertagen. Der Wusch, sich zu verkriechen. Klammheimlich, ohne Handy, ohne Internet, niemanden sehen. Für zwei Wochen wenigstens. — Leider nur ein schöner Traum, die Arbeit ruht nicht. Alex und der Löwe muss beworben, das neue Drehbuch fertig gestellt werden.
     Für neue Pläne bleibt leider kaum Zeit, dabei stünde so viel auf dem Programm: Friedhelm Kändler, weitere Auftritte mit »Freaky Balls«, die vor Urzeiten begonnene Marisa-Mell-Biographie und so weiter. Gebannt las ich Annette Berrs erotischen Thriller »Schwarzes Öl«. Das Buch ist poetisch, temporeich und bildstark, die perfekte Vorlage für ein Drehbuch. Der Tag müsste wirklich 48 Stunden haben!

Den heutigen Tag begehe ich ruhig, planlos und mit lieben Menschen. Und mit nur einem Vorsatz fürs neue Jahr.
     Ich wünsche Euch allen einen friedlichen und fröhlichen Start ins Jahr 2010, bleibt gesund, habt Spaß und findet Liebe, Licht und Gelassenheit.

André

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13. Dezember 2009

Alex und der Löwe

3. Advent

Man ist erregt und nervös, gleichzeitig zu wach und zu erschöpft. Schon einmal erfuhr ich diesen Zustand: Life is a Sexually Transmitted Disease, Lover’s Space und Deed Poll waren in einer Woche — zwischen dem 30. November und dem 5. Dezember 2004 — erschienen; mein erstes Buch, mein erstes Album mit Eigenkompositionen und mein erster eigener Film. Man ist selig, möchte schweben — und ist zugleich einfach zu erledigt, um seiner Freude Ausdruck geben zu können.
     Ihr ahnt es: Alex und der Löwe ist fertig! Was für ein Gefühl! Es hat noch einmal kräftig an den Nerven gezerrt und fies an der Substanz geknabbert; unter dem Druck, der in den vergangenen zwei Wochen insbesondere auf Ütz’ Schultern lastete, wäre ich vermutlich zu Boden gegangen.
     Ein fertiger Film. Ich glaube, ich kann stellvertretend für alle Beteiligten sagen: Wir sind glücklich!

Ich liebte und liebe die Adventszeit wegen der kleinen Rituale, die seit meiner Kindheit gepflegt werden. In einer Zeit, in der kaum noch etwas Bestand hat, tut das Hegen alter Gewohnheiten einfach gut. Damit meine ich den Adventskranz oder die Adventsgedecke, die meine Schwester alljährlich gekonnt und mit viel Geduld bastelt, das Plätzchenbacken mit Freunden, den gemütlichen Abend mit Charles Dickens’ »Christmas Carol« (von den Muppets oder in der Disney-Zeichentrickvariante), den Entenbraten mit hausgemachten Knödeln, Apfelrotkohl, Bohnen und Grünkohl in Brendle’s Gasthaus in der Schmiljanstraße, die kerzenwarme Beleuchtung und die Musik von Rosemary Clooney, Jessye Norman, Lorez Alexandria und Nina Simone. Die Schneespaziergänge meiner Kindheit fehlen mir, der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg vergangene Woche war einfach nur regnerisch-trüb und ungemütlich. Auch die vorweihnachtlichen Einkaufsbummel haben ihren Charakter und das gemütliche Schlendern verloren, schon vor Jahren registrierte ich, wie ich mich dem Trubel mehr und mehr entziehe.
     Seit ich denken kann, mussten meine Schwester und ich unsere Wunschzettel für den Weihnachtsmann am Abend des 5. Dezembers zusammen mit unseren Nikolausstiefeln vor unsere Zimmertüren legen. (Der Nikolaus füllte in der Nacht unsere Stiefelchen mit Schokolade, Mandarinen und Nüssen auf und leitete den Wunschzettel an die zuständigen Instanzen weiter; Ihr könnt Euch ja vorstellen, wie das abläuft.) Auch an diesem Brauchtum wird in unserer Familie bis zum heutigen Tage festgehalten, jedes Jahr basteln und schreiben meine Schwester und ich in der ersten Dezemberwoche an unseren Wunschzetteln. Ich kann’s nicht beschwören, aber ich glaube, meine Mutter sammelt sie. Dieses Jahr standen neun mehr oder weniger kleine Wünsche auf meiner Liste, unter anderem ein Film, nach dem ich schon seit einer Ewigkeit suche: »Diplomatic Courier« (Regie: Henry Hathaway), ein Agententhriller mit Tyrone Power und Hildegard Knef von 1951, wurde offiziell niemals auf VHS oder DVD veröffentlicht. Ein Online-Händler bietet ihn zu einem Schnäppchenpreis an, so dass glaube, guter Hoffnung sein zu dürfen.

In einem Punkt unterscheidet sich das diesjährige Weihnachten ganz eminent von meinen letzten 30: Es ist das erste Mal, dass wir nicht en famille in meinem Elternhaus feiern. Kein Christbaum, kein Kirchgang, kein Festessen. Diesmal feiern wir im Krankenhaus, wo mein Vater sich von seinen Herzoperationen erholt. Nicht schön eigentlich, aber solange wir dieses Fest gemeinsam als Familie begehen können, ist auch das in Ordnung.
     Ich wünsche meinen Eltern von Herzen, dass sie die Schrecken der letzten Wochen rasch hinter sich lassen und das neue Jahr mit neuen Kräften begehen können.

Aus der Umarmung des Wassers

Zu guter Letzt noch ein wenig Werbung in eigener Sache: Aus der Umarmung des Wassers, mein neues Buch mit Illustrationen von Aya Kato, macht sich fabelhaft unter jedem Weihnachtsbaum. Tiefrot und edel gebunden, reich bebildert und gut geschrieben, ist es ein wunderbares Geschenk für jeden, der gern liest. (Bestellbar ist es überall, ob bei Dussmann oder Hugendubel, bei Amazon, buch.de oder in der Buchhandlung Deines Vertrauens.)
     Lasst Euch nicht zu sehr vom vorweihnachtlichen Stress um Euch herum beeindrucken und mitreißen, sondern versucht, ein wenig Besinnlichkeit zu finden und zu genießen. Das ist mein Weihnachtswunsch für Euch.
     Bis zum nächsten Mal.

André