24. Juni 2008

Ana Oxa, Boris Steinberg und Paul Celan

Ein herzliches Dankeschön an Boris für die Bekanntmachung mit dieser Stimme, dieser Naturgewalt, dieser unglaublichen Schönheit Ana Oxas. Der liebe Boris selbst hat auch einen wunderbaren Clip zu einem seiner schönsten Songs bei YouTube. Weil ich ihn als Mensch und Sänger/Texter sehr schätze, möchte ich sein »Best Of«-Album an dieser Stelle gerne bewerben.

Der Mann im Keller ist inzwischen in den USA und Kanada auf DVD erhältlich. (VSoM nimmt natürlich aus Auslandsbestellungen entgegen! Ich selbst werde erst Ende des Jahres die DVD hier in Deutschland vertreiben können; etwas kompliziert, das Ganze.) Wenn ich Jason glauben darf, dann hatte mein Kellermann einen recht guten Start, und Deed Poll läuft scheinbar auch weiterhin gut.
Ansonsten kann ich nur berichten, dass ich erschöpft und pleite bin. Das Geld, das durch die Theaterarbeit rein kommt, geht sofort wieder für das neue Projekt raus. Außerdem ist London immer noch sauteuer, von den Flügen nach Berlin will ich gar nicht sprechen. (Da ich nicht lange im voraus planen kann, fallen die Billigflieger für mich praktisch weg.) Schleppe eine Erkältung mit mir rum, die ich medikamentös klein halte, aber nicht los werde. Bin ja verpflichtet, gesund zu bleiben und jederzeit einsatzbereit zu sein. Die bisherigen Auftritte liefen gut, aber mein Lampenfieber nahm derart krankhafte Züge an, dass es quasi alles lahm legte. Den einen Tag hatte ich erhöhte Temperatur, ich bin mir sicher, das hatte mit meiner Angst zu tun. Durch die Adrenalinschübe konnte ich hinterher noch nicht einmal schlafen. Grauenvoll!
Chelito fehlt mir. Sein liebes Gesicht. Seine Inspektionsgänge durch die Wohnung, wenn man gerade versucht, einzuschlafen. Die Schmatzgeräusche, die er macht, wenn er im Tiefschlaf ist. Kaum zu glauben, dass er bald schon ein Jahr bei mir ist, der kleine Held. Ein Leben ohne ihn ist mittlerweile undenkbar.

Was für einen schönen Frühling/Sommer uns das Universum für dieses Jahr 2008 schenkt, oder? (Ich weiß, man soll nicht beschreien, aber es ist doch wirklich bemerkenswert schön!) Es macht mich immer noch sehr traurig, dass Woven ihn nicht mehr erleben kann. Immer noch besuche ich ihren Blog regelmäßig und schaue mich um und bin fassungslos, dass sie nicht mehr bei uns ist. Unser Kontakt ging über die Blogger-Ebene hinaus, wir schrieben uns Mails und Karten und schickten einander kleine Päckchen. Sie hatte einen ausgeprägten Sinn für das Schöne, den Zauber des Alltags, und hätte diesen Frühling geliebt. Sie starb am 25. Mai — genau an dem Tag, an dem ich wieder zu leben begann. Seither denke ich jeden Tag an sie, und nachdem einige andere Blogger sie auf ihren Blogs bedachten, möchte ich das hiermit auch tun. Bislang fehlten mir die Worte, ich war und bin zu schwer erschüttert, um das, was ich empfinde, in passende Worte kleiden zu können. Es war einfach ein Schock, etwas, womit keiner gerechnet hatte. Wie ich liebte Chrissie die Poesie Paul Celans. Deshalb möchte ich diesen Beitrag mit einem Text von ihm beschließen, von denen ich weiß, dass sie sie tief berührten.
Gute Reise, Frau Woven. Sie tanzen in unseren Herzen.

Halbe Nacht.

Halbe Nacht. Mit den Dolchen des Traumes geheftet in sprühende
Augen.
Schrei nicht vor Schmerz: wie Tücher flattern die Wolken.
Ein seidener Teppich, so ward sie gespannt zwischen uns, dass
getanzt sei von Dunkel zu Dunkel.
Die schwarze Flöte schnitzten sie uns aus lebendigem Holz, und
die Tänzerin kommt nun.
Aus Meerschaum gesponnene Finger taucht sie ins Auge uns:
eines will hier noch weinen?
Keines. So wirbelt sie selig dahin, und die feurige Pauke wird laut.
Ringe wirft sie uns zu, wir fangen sie mit den Dolchen.
Vermählt sie uns so? Wie Scherben erklingts, und ich weiß es nun
wieder:

du starbst nicht
den malvenfarbenen Tod.

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