18. Mai 2007

Betrunkene Männer am Steuer

Grisu und ich fahren gemächlich durch die Stadt, also Hölldesheim. An einer Ampel blinken wir rechts, es grünt, wir sind im Begriff, abzubiegen, als ein BMW uns mit 70 km/h die Vorfahrt streitig machen will. Der Kerl blinkt nicht, er biegt einfach links ab und droht, mir in die Seite zu fahren. Zum Glück funktionieren meine Reflexe einwandfrei, und ich bremse. Daraufhin bremst auch der BMW (Combi), dass seine Reifen quietschen. Der Fahrer bedeutet mir großzügig-jovial, er »überlasse« mir die Vorfahrt (die ohnehin meine war, denn: Deutschland rechts vor links). Ich, völlig unter Schock, forme ein deutlich von meinen Lippen ablesbares »Arschloch!« und fahre los. Ein paar hundert Meter weiter dann Zwangsstopp an der Bahnschranke. Der Fahrer des BMW hält direkt hinter mir, verlässt sein Fahrzeug und prescht auf mich zu. Ich seh’s im Rückspiegel und mach schon mal die Musik aus. Der Mann, ca. 60 Jahre alt, tritt Grisu gegen die Reifen, trommelt gegen das Fenster. In aller Seelenruhe — obwohl ich innerlich koche und mir das Herz noch immer bis zum Halse schlägt — kurble ich runter. Mir schlägt eine Bierfahne entgegen, als er mich anbrüllt: »Wen nennst du hier Arschloch, Freundchen?« Zunächst einmal: Wenn jemand zu dir »Freundchen« oder »Kumpel« sagt, obwohl ihr euch nicht kennt, dann scheiß drauf. Außerdem akzeptiere ich das Du nur von ausgewählten Leuten. Er tritt ein weiteres Mal gegen die Reifen und schlägt mit der flachen Hand auf mein Autodach. »Warum nennst du Arschloch mich Arschloch?«
Ich: »Haben Sie nicht mitbekommen, dass Sie mich geschnitten haben? Wenn ich nicht gebremst hätte…«
BMW-Fahrer: »Wenn ich dir die Vorfahrt genommen hätte, wärst du gar nicht mehr da.«
Ich: »Ich bin nur noch da, weil ich gebremst habe
BMW-Fahrer: »Du bist hier das Arschloch, nicht ich.«
Die Bierfahne ist penetrant. Mir gehen die bösesten Dinge durch den Kopf. Ich möchte ihm sagen, dass er seine Aggressionen woanders auslassen, dass er am besten nach Hause fahren, noch ein paar Biere kippen und seine Frau vermöbeln soll, aber den Fuß vom Gaspedal lassen sollte. Aber ich bleibe still. Weil ich denke, dass es nichts bringt und ihm keinen Anlass zur Handgreiflichkeit geben will. Denn es ist spürbar, dass er darauf wartet. Zum Glück geht die Schranke hoch, und ich kurble das Fenster hoch, während der Alte immer wieder »Arschloch!« brüllend zu seinem Combi zurückstapft. — Noch Stunden später bin ich aufgebracht.

Der Freund meiner Schwester feiert heute seinen 31. Bootsmann tollt mit den anderen Hunden im Garten, meine Eltern sind in Büsum, ich habe den Whirlpool und die Sauna für mich. Meine Schwester ist die perfekte Gastgeberin, ich esse Erdbeer-Tiramisu, trinke meinen Feierabendtee und rege mich langsam ab.

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