29. Januar 2007

Nonnengeständnisse und Rupert Everett als Friedhofsgärtner

Nunsploitation nennt sich das (Sub-)Genre, das vor allem in den Siebzigern Kasse machte. »Die Nonnen von Clichy« (Regie: Jess Franco) und »Nonnen bis aufs Blut gequält« (Regie: Gianfranco Mingozzi) gelten heute als Klassiker dieser Filmgattung, die leider irgendwann erstarb. — Giulio Berruti drehte 1978 »Geständnis einer Nonne« (oder auch »Suor Omicidi« bzw. »The Killer Nun«) mit Anita Ekberg und Joe Dallesandro. Die Handlung führt uns in ein Sanatorium für Geisteskranke, in dem Frau Ekberg als morphiumsüchtige Nonne gegen schizophrene Anfälle und paranoide Hysterien kämpft. Den ihr anvertrauten Patienten begegnet sie aggressiv. In ihrer Zimmermitbewohnerin Schwester Mathilde (Paola Morra), die Ekberg alsbald auch ihre sexuelle Zuneigung gesteht, findet sie eine Vertrauensperson, die ihr zur Seite steht. Als schließlich eine Serie unheimlicher Morde das Haus in Angst und Schrecken versetzt, reift in dem frisch ans Sanatorium versetzten Joe Dallesandro der Verdacht, dass die manische Nonne, die zunehmend ihren Realitätssinn verliert, für diese Gräueltaten verantwortlich ist…
Regiefossil Walter Bockmayer bezeichnete das Nonnengeständnis als seinen Lieblingsfilm. Ganz großes Kino, sag ich nur, ganz groß! Ich werde ihn mir im Doppelpack mit »Dellamorte Dellamore« (Regie: Michele Soavi) einverleiben. Rupert Everett spielt  den Friedhofsgärtner Francesco Dellamorte, der (ich zitiere das DVD-Cover) »zusammen mit seinem Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Die Ruhe hat der Friedhof auch bitter nötig, denn es geschehen dort unheimliche Dinge: Innerhalb von sieben Tagen nach der Beerdigung steigen die Toten aus ihren Gräbern, um zu morden. Als Francesco eine von ihm geliebte Frau beerdigt und er diese kurze Zeit später als Zombie erschießen muss, gleitet er in einen fürchterlichen Alptraum hinein…« Wow! Das Ganze wurde mit Preisen überhäuft und gilt als moderner Klassiker.
Übrigens: Wenn man den Grand Canyon bis oben voll laufen lassen wollte, müsste man mit einem durchschnittlichen Eimer ca. 15 Millionen Jahre lang zum Wasserhahn laufen. Ich hatte ja keine Ahnung! Danke, Dieter!

CD des Tages: Virginia Jetzt!: »Land unter«.
Buch des Tages: Dieter Nuhr: »Gibt es intelligentes Leben?«

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28. Januar 2007

Tränen? — Vielleicht.

Ich hab beinah 30 Jahre gebraucht
um zu sein, wie ich eigentlich bin
30 Jahre lang hab ich auf andere geschielt
um zu sein, wie die anderen sind

Du hast die Träume zerschlagen
Ich muss mich bedanken
denn jetzt bin ich wach
Seit das Glas, das so lang zwischen mir
und der Welt stand
auf einmal zu Scherben zerbrach

Ja, ich muss raus
Halt mich nicht auf
Jetzt hol ich alles nach

Tränen? — Vielleicht.
doch der Grund bist nicht du
Ich wein aus Trotz und vor Glück
Tränen? — Vielleicht.
Doch ich weiß
was ich tu
Ich seh nicht einmal zurück
Aus Fehlern lernt man
Vom Schmerz erwacht man

Ich hab beinahe 30 Jahre gebraucht
um zu tun, was ich eigentlich will
30 Jahre lang hab ich die Brave gespielt
ich war angepasst, folgsam und still

Ich weiß, du willst nur mein Bestes
doch eben mein Bestes behalt ich für mich
Und du wirst es erst langsam begreifen
du glaubst ja noch immer
ich sterb ohne dich

Doch ich muss raus
Halt mich nicht auf
Jetzt hol ich alles nach

Tränen? — Vielleicht.
doch der Grund bist nicht du
Ich wein aus Trotz und vor Glück
Tränen? — Vielleicht.
Doch ich weiß
was ich tu
Ich seh nicht einmal zurück
Aus Fehlern lernt man
Vom Schmerz erwacht man

(Gitte Haenning)

26. Januar 2007

Kennt Ihr das?

Es ist 10:03 Uhr, man hat sechs Stunden Arbeit hinter sich und ist eigentlich fertig. Die Woche begann am Dienstag um neun, man hat 73 Stunden gearbeitet (von denen nur 30 bezahlt werden) und macht sich bereit, den Heimweg anzutreten. An der Tür wird man abgefangen und gebeten, bitte erst in einer Stunde abzureisen und einen »kleinen Umweg«, der weitere zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen wird, zu fahren. Statt um 13 Uhr wird man also erst gegen 17 Uhr zu Hause sein. Wenn alles gut geht und man nicht auf der A2 im Stau sitzt. Um 17:30 Uhr hat man einen Termin, der nicht verschoben werden kann. Anschließend hat man noch knapp 30 Minuten Zeit, um fürs Wochenende einzukaufen, bevor die Geschäfte schließen. Die Arbeit am Drehbuch, auf die man sich die ganze Woche freute — der Gedanke daran hielt einen sozusagen aufrecht —, kann man für heute getrost knicken. Gerne hätte ich jetzt teures Porzellan zur Hand.

Eva Mattes singt. Was mich freut. Äußerlich könnten sie und Ulla Meinecke Schwestern sein. Sinnliche Frauen um die 50, dunkle Haare, schöner Mund, beide in ihrem Gebiet über alle Massen begabt und erfolgreich. Evas Album heisst »Language of Love« und beinhaltet Stücke, die einst von Eurythmics, Grace Jones, Sting oder David Bowie berühmt gemacht wurden. Von »Besame mucho« und »My Funny Valentine« hätte Frau Mattes allerdings die Zunge lassen sollen. Bei »Valentine« hatte sie Textprobleme, und die Welt hat bestimmt nicht auf ein weiteres Cover von »Besame mucho« gewartet. Noch dazu, wo’s deutscher klingt als jedes Heino-Stück. Die anderen neun Stücke des Albums allerdings sind traumhaft schön, balladig, jazzig, zart, winterlich, erotisch. — Schauspielerinnen singen oft. Nicht immer ist es gelungen. Katja Riemann — sie wäre so gern wie Romy Schneider — hat zwei Alben gemacht. Das erste hieß »Nachtblende« und zeigte Riemann nackert im Booklet, das zweite wurde ein Jazz-Album. Auch sie sang »My Funny Valentine«. Was für ein Song! Michelle Pfeiffer nahm ihn 1989 ebenfalls auf, und von Nico gibt es eine schmerzhafte Live-Version. Meret Beckers Alben sind düster und mystisch, und sie singt gottvoll. Senta Berger hat ein ganz nettes Pop-Album gemacht, die Pluhar und Eva-Maria Hagen singen schon ewig, Jasmin Tabatabai hat’s auch mal versucht und Uschi Glas machte vor drei, vier Jahren eine Weihnachtsplatte. In Frankreich müssen Schauspielerinnen singen. Ob sie’s können oder nicht ist unerheblich. Romy Schneider, Catherine Deneuve, Isabelle Adjani und Isabelle Huppert konnten’s nicht, Jane Birkin, Sandrine Kiberlain, Charlotte Gainsbourg, Emanuelle Béart und Vanessa Paradis dafür umso besser.
Hoffe, Euer Freitag gestaltet sich insgesamt erfreulicher. Ich wünsch’s mir. Für Euch, für mich, für uns. Ich selbst werde vermutlich die kommenden fünf Stunden innerlich erbrechen. Und womit? MIT RECHT!