Filmtipp #441: Ein Sommernachtstraum

Ein Sommernachtstraum

Originaltitel: A Midsummer Night’s Dream; Regie: Michael Hoffman; Drehbuch: Michael Hoffman; Kamera: Oliver Stapleton; Musik: Simon Boswell; Darsteller: Kevin Kline, Michelle Pfeiffer, Rupert Everett, Stanley Tucci, Calista Flockhart. USA/GB/Italien 1999.

A Midsummer Night's Dream

Eine kitschig-überladene, mit Stars gespickte Neuauflage von William Shakespeares zauberhaften Liebeskomödie, die 1999 zu einem moderaten Kassenhit avancierte. Die Geschichte ist ja altbekannt: Im Zauberwald gibt es eines Abends Streit zwischen Oberon (Everett) und seiner Gattin Titania (Pfeiffer). Um Titania einen Streich zu spielen, beauftragt Oberon seinen Vertrauten Elf Puck (Tucci) mit der Aufgabe, eine seltene Blume für ihn zu holen. Deren Nektar sorgt, wenn er in die Augen eines Schlafenden fließt, dafür, dass er oder sie sich in das erste Wesen verliebt, das er oder sie nach dem Aufwachen erblickt. Man ahnt, was kommt. Während Puck die Blume sucht, wird Oberon Zeuge, wie vier junge Liebende den Wald betreten: Lysander (Dominic West) und Hermia (Anna Friel), die vor Hermias Vater (Bernard Hill) fliehen, der seine Tochter mit Demetrius (Christian Bale) vermählt sehen möchte. Dieser ist seinem Freund Lysander und Hermia in den Wald gefolgt. An Demetrius’ Fersen wiederum hat sich Helena (Flockhart) geheftet, die unsterblich und hoffnungslos in ihn verliebt ist. Oberon hat Mitleid mit den unglücklich Verliebten und beauftragt Puck nach dessen Rückkehr, mithilfe der Zauberblume dafür zu sorgen, dass Demetrius sich in Helena verliebt. Doch es kommt, wie es kommen muss, und der schusselige Elf verwechselt Lysander und Demetrius.
Titania verliebt sich, von ihrem Gatten im Schlafe mit dem Blumennektar beträufelt, in einen selbstverliebten Schauspieler (Kline), der sich mit seiner Truppe zu einer Theaterprobe im Wald zusammengefunden hat und einen Eselskopf hat. Schon bald herrscht im Elfenwald das pure Chaos…

Mit der wohl schönsten Verfilmung, nämlich der von Max Reinhardt aus den 1930ern, kann sich Michael Hoffmans Version gewiss nicht messen. Das liegt vor allem daran, dass die hochkarätige Besetzung nie zu einer Ensembleeinheit findet. Die Gewinner heißen hier Kevin Kline, Stanley Tucci, David Strathairn, Bernard Hill, Max Wright (der Papa aus »ALF«), Sam Rockwell, Bill Irwin und Gregory Jbara. Rupert Everett spielt nicht gut, Michelle Pfeiffer ist als Titania unglaublich steif, und von Sophie Marceau wird außer einem fotogenen Äußeren nicht viel verlangt. Bleiben noch die beiden Paare, dargestellt von Anna Friel, Christian Bale, Calista Flockhart (bekannt als Ally MacBeal) und Dominic West, die alle vier nicht ganz überzeugen wollen. Besonders die Flockhart ist schrecklich manieriert, während man Anna Friel wenigstens den Spaß an der Sache ansieht. »A Midsummer Night’s Dream« wurde vor Ort in der Toskana und in Rom gedreht, die Handlung des Stücks wurde von Athen in das fiktionale Monte Athena in Italien verlegt. Auch in der Zeitebene wagte man einen Sprung und siedelte das Ganze im 19. Jahrhundert an. Hoffman bediente sich reichlich aus den musikalischen Schatzkisten von Mendelssohn, Verdi, Donizetti, Rossini, Vincenzo Bellini sowie Pietro Mascagni, um seinen Film aufzupeppen. Die Kritiker zeigten sich wenig erbaut von dieser Pop-Variante des klassischen Shakespeares, aber für einen entspannten Adventsgenuss mit Kakao und Keksen eignet sich der niedliche kleine Streifen allemal. Besonders empfehlenswert auch für Shakespeare-Einsteiger. Frohe Weihnachten!

André Schneider

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