26. Januar 2007

Kennt Ihr das?

Es ist 10:03 Uhr, man hat sechs Stunden Arbeit hinter sich und ist eigentlich fertig. Die Woche begann am Dienstag um neun, man hat 73 Stunden gearbeitet (von denen nur 30 bezahlt werden) und macht sich bereit, den Heimweg anzutreten. An der Tür wird man abgefangen und gebeten, bitte erst in einer Stunde abzureisen und einen »kleinen Umweg«, der weitere zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen wird, zu fahren. Statt um 13 Uhr wird man also erst gegen 17 Uhr zu Hause sein. Wenn alles gut geht und man nicht auf der A2 im Stau sitzt. Um 17:30 Uhr hat man einen Termin, der nicht verschoben werden kann. Anschließend hat man noch knapp 30 Minuten Zeit, um fürs Wochenende einzukaufen, bevor die Geschäfte schließen. Die Arbeit am Drehbuch, auf die man sich die ganze Woche freute — der Gedanke daran hielt einen sozusagen aufrecht —, kann man für heute getrost knicken. Gerne hätte ich jetzt teures Porzellan zur Hand.

Eva Mattes singt. Was mich freut. Äußerlich könnten sie und Ulla Meinecke Schwestern sein. Sinnliche Frauen um die 50, dunkle Haare, schöner Mund, beide in ihrem Gebiet über alle Massen begabt und erfolgreich. Evas Album heisst »Language of Love« und beinhaltet Stücke, die einst von Eurythmics, Grace Jones, Sting oder David Bowie berühmt gemacht wurden. Von »Besame mucho« und »My Funny Valentine« hätte Frau Mattes allerdings die Zunge lassen sollen. Bei »Valentine« hatte sie Textprobleme, und die Welt hat bestimmt nicht auf ein weiteres Cover von »Besame mucho« gewartet. Noch dazu, wo’s deutscher klingt als jedes Heino-Stück. Die anderen neun Stücke des Albums allerdings sind traumhaft schön, balladig, jazzig, zart, winterlich, erotisch. — Schauspielerinnen singen oft. Nicht immer ist es gelungen. Katja Riemann — sie wäre so gern wie Romy Schneider — hat zwei Alben gemacht. Das erste hieß »Nachtblende« und zeigte Riemann nackert im Booklet, das zweite wurde ein Jazz-Album. Auch sie sang »My Funny Valentine«. Was für ein Song! Michelle Pfeiffer nahm ihn 1989 ebenfalls auf, und von Nico gibt es eine schmerzhafte Live-Version. Meret Beckers Alben sind düster und mystisch, und sie singt gottvoll. Senta Berger hat ein ganz nettes Pop-Album gemacht, die Pluhar und Eva-Maria Hagen singen schon ewig, Jasmin Tabatabai hat’s auch mal versucht und Uschi Glas machte vor drei, vier Jahren eine Weihnachtsplatte. In Frankreich müssen Schauspielerinnen singen. Ob sie’s können oder nicht ist unerheblich. Romy Schneider, Catherine Deneuve, Isabelle Adjani und Isabelle Huppert konnten’s nicht, Jane Birkin, Sandrine Kiberlain, Charlotte Gainsbourg, Emanuelle Béart und Vanessa Paradis dafür umso besser.
Hoffe, Euer Freitag gestaltet sich insgesamt erfreulicher. Ich wünsch’s mir. Für Euch, für mich, für uns. Ich selbst werde vermutlich die kommenden fünf Stunden innerlich erbrechen. Und womit? MIT RECHT!

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