Filmtipp #307 bis #310: Die Matt Helm-Filme

Dean Martin war als James-Bond-Epigone Matt Helm irgendwie ranzig und unsympathisch, schien immer grenzwertig debil und betrunken, und es wirkte auch wenig charmant, wenn er desolat in die Kamera starrte, als warte er auf sein Stichwort, aber aus irgendwelchen Gründen waren die vier Agentenstreifen, die zwischen 1966 und 1968 entstanden, grotesk erfolgreich. Es sollte tatsächlich noch ein fünftes Matt-Helm-Abenteuer geben; das Vorhaben wurde nach der Ermordung Sharon Tates, die die weibliche Hauptrolle hätte übernehmen sollen, allerdings verworfen. Die Rezeptur der Filme ist sehr unverhohlen an James Bond angelehnt. Miss Moneypenny heißt hier Lovey Kravezit und wird von Beverly Adams gespielt (außer im letzten Teil, da fehlt die Figur völlig), und M heißt bei Matt Helm schlicht MacDonald und wird in Teil 1 bis 3 von James Gregory verkörpert (im vierten und letzten Teil sprang John Larch für ihn ein). So widerlich und abgeschmackt Dean Martin, der damals schon gut und gerne 50 Lenze zählte, als Mann auch war, er bekam selbstverständlich die heißesten Frauen der Filmwelt an die Seite gestellt: Stella Stevens, Daliah Lavi, Nancy Kovack, Ann-Margret, Camilla Sparv, Senta Berger, Janice Rule, Linda Foster, Elke Sommer, Sharon Tate, Nancy Kwan und Tina Louise warfen sich dem Barden, der pro Film mindestens ein Liedchen trällern durfte, zu Füßen, während die Bösewichte — unter anderem Nigel Green, Albert Salmi und Karl Malden — ihm in jeder Hinsicht mindestens haushoch überlegen waren und — natürlich! — dennoch zur Strecke gebracht wurden.

Der erste Film der Reihe, »The Silencers« (1966), ist der mit Abstand beste: sorgfältig in der Inszenierung, bis in die Nebenrollen gut besetzt (Robert Webber, Cyd Charisse, Victor Buono und Arthur O’Connell), mit genau der richtigen Prise Humor und mehr als passabler Action. Von da an ging es stetig bergab; die letzten beiden Filme der Reihe wirken so billig und holprig, dass das Angucken schon keinen Spaß mehr macht. Was die Filme heute noch interessant macht, ist das herrliche Design der Sechziger, die kessen Kostüme, die bunte Ausstattung, die sexy swingende Musik — und der Trash-Appeal soll auch nicht unerwähnt bleiben.

The Silencers, 1966

The Silencers, 1966

#307: Leise flüstern die Pistolen
The Silencers (1966)
Regie: Phil Karlson, mit Dean Martin, Stella Stevens, Daliah Lavi u. a.

Der Mascara tragende, größenwahnsinnige Tung-Tze (Victor Buono) sabotiert ständig das amerikanische Raketenversuchsprogramm. Matt Helm nimmt sich der Sache an. Stella Stevens bietet eine köstliche Darbietung als wohlmeinendes Dummchen. Elmer Bernsteins Musik, vor allem der Titelsong, ist himmlisch.

Murderers Row, 1966

Murderers Row, 1966

#308: Die Mörder stehen Schlange
Murderers Row (1966)
Regie: Henry Levin, mit Dean Martin, Ann-Margret, Karl Malden u. a.

Diesmal muss Matt Helm einen entführten Wissenschaftler (Richard Eastham) aus den Fängen des Erzschurken Julian Wall (Malden) befreien. Dieser möchte nämlich mit der Erfindung des Wissenschaftlers, einer neuartigen Strahlenwaffe, Washington zerstören. Der Film ist aufgeblasen und zu keiner Zeit witzig, originell oder spannend, aber die Kassen klingelten trotzdem.

The Ambushers, 1967

The Ambushers, 1967

#309: Wenn Killer auf der Lauer liegen
The Ambushers (1967)
Regie: Henry Levin, mit Dean Martin, Senta Berger, Janice Rule u. a.

»Mein letzter Film für Mike Frankovich war 1967 ›The Ambushers‹ mit Dean Martin, eine Parodie auf ›James Bond‹. Dann lösten wir einvernehmlich unseren Vertrag. […] Meine Gegenspielerin in dieser müden, sehr erfolgreichen Komödie war Janice Rule.« (Senta Berger, »Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann«)

Dieser mit Abstand schlechteste Teil der Helm-Serie ist absoluter Nonsens. Schlampige Regie, hundsmiserables Drehbuch (Herbert Baker), flache Witze — so das Fazit dieser Möchtegern-Klamotte. Es geht um die erste Fliegende Untertasse (!) der Amerikaner, die sich der schurkische Ortega (Albert Salmi) unter den Nagel reißt. Matt Helm und die Weltraum-Expertin Sheila (Rule) sollen das Ding wieder herbeischaffen.

The Wrecking Crew, 1968

The Wrecking Crew, 1968

#310: Rollkommando
The Wrecking Crew (1968)
Regie: Phil Karlson, mit Dean Martin, Elke Sommer, Sharon Tate u. a.

»Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, Mist zu spielen.« (Elke Sommer)

Einzig das Quartett der Helm-Girls in diesem Film, allen voran Sharon Tate als tollpatischige Freya Carlson, hievt diesen lahmen Streifen noch ins Mittelmaß. Diesmal spielt die Geschichte in Dänemark (es wurde ausschließlich in Kalifornien gedreht, das wirklich nicht wie das Kopenhagener Umland aussieht), wo der Bösewicht Massimo Contini (Nigel Green) Goldbarren im Wert von einer Milliarde Dollar (!) entwendet hat, die Matt wiederbeschaffen soll. Kaum in swinging Kopenhagen gelandet, hetzt Contini seine Killerinnen Linka (Sommer) und Yu Rang (Nancy Kwan) auf ihn. Das Branchenblatt »Variety« kommentierte Dean Martins unfreiwillig komische Darstellung wie folgt: »Manchmal wird er zu einer Karikatur seiner selbst, wie er sich selbst spielt […] eine Art männliche Mae West.«

André Schneider

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