19. Februar 2007

Frauen, die nervös machen

»Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Zuerst die schlechte: Es gibt keine gute.« (aus der »Berliner Zeitung«)

Kann ein Montag schöner beginnen? — Um 10 Uhr sass ich im Kuchen Kaiser einer faszinierenden, fesselnden Frau gegenüber. Skorpion, Aszendent Waage. Strahleäuglein wie Scherben von Lust und Saphir. Ein Mund, bei dem man sofort ans Küssenspielen dachte. Und so komisch, klug und begabt, dass ich das Wiedersehen kaum abwarten kann! Am Samstag ist es soweit, da werde ich sie Theater spielen sehen.
Um 11:40 Uhr gab’s ein Crêpe Cassonade im gleichnamigen belgischen Bistro in der Oranienstraße. Mit feinster Butter und belgischem Rohrzucker von dieser hübschen Kellnerin mit dem französischen Akzent. SMS von der Skorpionfrau, in der sie mich »meine kleine Pfirsischpopo« nannte. Ich wurde rot und grinste. »Na bitte«, dachte ich, »du hast es noch!«
Um 17:50 Uhr rechnete ich meinen Stundenlohn aus. Damit war die gute Laune verflogen. Vereinbart waren 120 Stunden im Monat. Inzwischen sind wir bei 286 Stunden. Das Gehalt blieb gleich und beträgt nun knapp vier Euro (netto). Überlege, die Kündigung einzureichen. — Aber was dann?
Um 18:12 Uhr checkte ich meine Mails. Meine DVDs aus den USA sind angekommen. Lachen. Abholen kann ich sie erst am Freitag. Weinen.
Habe bei der Post meinen Schwanz rausgeholt und ihn auf die Briefwaage gelegt. Es hätte 24 Euro gekostet, ihn nach Kolumbien zu schicken.
Post aus Hannover, die mich rührte. Musik von Schiller, die mich belebte. Gleich ein Buch von Haruki Murakami, das meine Gedanken bauchwärts wandern lassen wird.

CD des Tages: Schiller: »Weltreise«.
Film des Tages: Damage.
Buch des Tages: Haruki Murakami: »Gefährliche Geliebte«.

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11. Februar 2007

Der gestrige Abend

Nach dem Abendessen (Lammbraten): »Dead Man Walking« (Regie: Tim Robbins), ein heißes Bad und geile Zweisamkeit. Angenehm versauter Sex. Was will man mehr? — Mal ganz unter uns: Findet Ihr es nicht auch zuckersüß, wenn man mit einem hübschen Mädchen im Auto sitzt? Man ist etwas schüchtern, möchte eigentlich knutschen oder rummachen, traut sich aber nicht richtig, und es endet damit, dass man viereinhalb Stunden redet. Zwischendurch beschlagen die Scheiben, irgendwann stellt man den Motor wieder an, dann wieder aus.
Dann ihr Satz: »Ich glaube, ich muss langsam, es wird schon hell.«
Du: »Ach jaaaa, stimmt, ich … müsste dann auch mal.«
Dann küsst man sich, man spielt Zunge-angelt-Zunge, und bevor man sich versieht, hat man ihr hübsches Köpfchen im Schritt. Es geht ja so schnell, dass man nicht einmal mehr Nein sagen kann! Und dann — wir Männer müssen ja immer zugucken, nicht? — wird man zu Vidal Sassoon, macht ihr die herzigsten Frisuren, streicht ihr das Haar zurück, damit man auch sieht, was sie da macht. (»Das da mit den Lippen … was du da mit den Lippen machst, ist gut.«) — Oralsex ist ja (zumindest mit Frauen) immer ein gewisses Risiko. Da steckt man sein empfindlichstes, am meisten geliebtes Körperteil in den Mund eines Wesens, das jahrhundertelang von Männern unterdrückt und diskriminiert wurde und Zähne hat! Auch nach fast acht Jahren Sex mit Frauen hab ich da immer noch ein mulmiges Gefühl. — Das Hirn schaltet sich an und ab: »Denkt sie jetzt, wir Männer würden nur an Sex denken? Hm, wir können ja darüber sprechen, wenn sie mit dem Blasen fertig ist.« Kurze Pause. »Oh ja, das mit den Fingern an den Eiern ist gut, das merk ich mir.« — Und dann, irgendwann, und das finde ich eines der süßesten, bezauberndsten Dinge auf dieser Welt, sagt sie: »So, ich muss dann wirklich gehen.« Sie tastet an der Tür herum, findet den Türgriff nicht. »Oh, wo ist denn der Türgriff. Diese Autos… immer woanders, nicht? Do I have to wish myself out?« Ich schreite da auch nicht ein und helfe ihr, ich gucke sie nur an und gebe mich dem Zauber hin. Frauen, Ihr seid so süß in diesem Türgriff-Moment!

»Fay Grim« (Regie: Hal Hartley) war ein außerordentliches Filmereignis. Seit 1992, 1993 hat Hartley keinen Film von dieser Qualität mehr gedreht. Er hatte den für ihn so typischen schrägen Humor, gewitzte, kluge Dialoge und eine liebenswerte, toughe Parker Posey in der Hauptrolle. Das ganze Ensemble war gut. Elina Löwensohn hat mir wieder einmal den Atem geraubt. Gedreht wurde fast ausschließlich in Berlin, obwohl »Fay Grim« in New York, Paris und Istanbul spielt. Das gibt dem Film einen merkwürdigen Unterton. In den letzten 20 Minuten wird er zu einem handfesten Thriller — und zu einer tragischen Liebesgeschichte, was nach ca. 100 Minuten voller Lacher und Kopfschütteln angesichts der skurrilen Dialoge wie ein Hammer einschlägt. Das Publikum blieb sichtlich betroffen zurück. Doch, ich war sehr positiv überrascht. Super, dass Hartley nach Berlin gezogen ist, es tut seinen Filmen gut. Gedreht wurde übrigens auf einer Sony HDW-F900. Wieder ein Hinweis darauf, das die Zukunft des Films digital ist.

Diät-Notiz, Tag 6: Ach was, ich scheiß drauf! Das Abendessen war so verdammt lecker! Alles zusammen dürfte nicht mehr als 2229 kJ/530 kcal gehabt haben, wenn das Rezept die Wahrheit gesagt hat.

CD des Tages: Sondre Lerche and the Faces Down Quartet: »Duper Sessions«.
Film des Tages: Danger: Diabolik.
Buch des Tages: Frank McCourt: »Tag und Nacht und auch im Sommer«.

10. Februar 2007

Berlinale: Tag 1. Diät: Tag 5. Indetermination: Start.

Die Berlinale hat begonnen. Am Donnerstag, dem 8. Februar. James Deans Geburtstag. Jack Lemmons Geburtstag. Heute ist mein erster »Termin«: Werde um 14:30 Uhr im International »Fay Grim« (Regie: Hal Hartley) sehen. Da mir seit 1994 eigentlich kein Hartley-Film mehr wirklich gefallen hat, wird das ein Kinobesuch mit gemischten Gefühlen. Dass Barbara die Rolle nicht gekriegt hat, sondern Claudia Michelsen, spricht auch nicht gerade dafür. Immerhin dabei: Elina Löwensohn, Nikolai Kinski, Jasmin Tabatabai, Robert Seeliger. Würde lieber daheim bleiben und La Strada schauen. — Eine Kollegin hat ihr Demomaterial auf 200 DVDs pressen lassen und verteilt diese bei den Berlinale-Partys und Premierenfeiern als Visitenkarte. Eigentlich muss man es so machen, dennoch find ich’s irgendwie inadäquat. Auf den Partys wollen die Produzenten und Filmemacher Party machen und nicht Demobänder von arbeitssuchenden Schauspielern in die Hand gedrückt kriegen. Glaube ich zumindest. Ich habe keine DVD dabei, nur ein paar Visitenkarten, und selbst damit fühle ich mich blöd. Irgendwie unerotisch, das Ganze.

Die Woche verlief gut. Schöne Telefonate und Begegnungen. Viel geschrieben. Habe gestern im Gespräch meine Hauptdarstellerin für »Indetermination« gefunden. Bin ganz aufgeregt, wie das Projekt sich entwickeln wird. Bin bislang zufrieden mit dem Drehbuch, den Drehorten, den Schauspielern. Stefan wird die Kamera machen. Unsere erste echte Zusammenarbeit, und sie wird schön.

Anna Nicole Smith ist tot. Ich kann nicht sagen, dass ich erstaunt oder erschüttert bin. So einen Tod wünscht man niemandem. Die Häme, die sich im Blätterwald und online über die Frau ergiesst, ist geschmacklos. Was mich betroffen macht: Das kleine Mädchen, ein halbes Jahr alt, das ohne Mutter aufwachsen wird. — Verdammt, schon 13:15 Uhr. Muss los. Rote Hose, roter Pulli, rote Mütze. Der Mann in rot ist unterwegs zum roten Teppich. Eigentlich nicht schlecht, das Gefühl.

Diät-Notiz, Tag 5: Beipack-Zettel von aus den USA importierten Fettverbrenner-Tabletten beim nächsten Mal genauer lesen. Ja, der Erfolg ist bemerkenswert: Drei Kilo in drei Tagen. Dafür gab’s als Nebenwirkungen Schwindelgefühle, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen und schüttelfrostartiges Zittern. Es nützt auch nichts, das Essen einfach weg zu lassen. Vor Hunger nicht einschlafen zu können, ist ja auch nicht wünschenswert. Reiswaffeln und Salatblätter ohne Dressing machen übrigens nicht satt.

CD des Tages: Oren Lavie: »The Opposite Side of the Sea«.