25. September 2007

Zu schlecht, um Spaß zu machen

Ein befreundeter Blogger bat mich unlängst, doch mal eine Liste der zehn schlechtesten Filme zu machen, die ich kenne. Ich weiß nicht, ob es die zehn schlechtesten Filme gibt, es wird ja so viel Mist produziert, und viele Schrottwerke vergisst man auch einfach, nachdem man sie durchgestanden hat. Ich unterscheide ja auch. Es gibt schlechte Filme, die Spaß machen. Man muss sie nur im richtigen Zustand und mit den richtigen Leuten sehen. (»Attack of the Killer Tomatoes« (Regie: John De Bello), der ja als der schlechteste Film aller Zeiten gilt, kommt auf ein, zwei Joints gar nicht mal so schlecht.) Im folgenden Beitrag liste ich einfach mal ein paar Werke auf, die schlecht sind und keinen Spaß machen. Entgegen meiner Angewohnheit werde ich die Regisseure aus Barmherzigkeit nicht nennen.

»The Tony Blair Witch Project«: Dieser »Film« (ist es überhaupt ein Film? Ich glaube Nein) verschwand recht schnell in der Versenkung und ist zum Glück nur schwer beschaffbar. Das Ding geht zwar nicht lang — ungefähr eine Stunde —, aber man hat das Gefühl, seit Tagen im Kino gefangen zu sein.

»Glitter«: Mariah Carey ist in meinen Augen ein bisschen wie die Uschi Glas der USA. In allem, was sie tut, eine absolute Unternull. Hier versuchte sie sich als Schauspielerin. »Glitter« ist ein Film, bei dem praktisch nichts stimmt. Dann lieber die von Mariah verklagte Pornodarstellerin und Politikerin Mary Carey anschauen. Die sieht Mariah frappierend ähnlich, macht aber mehr Spass und hat zwar keine Stimme, aber Begabung. »Pervert!« (Regie: Jonathan Yudis) ist der beste Russ-Meyer-Film, den Russ Meyer nicht gedreht hat.

»Jaws 3-D« und »Jaws: The Revenge«: Es gibt zahllose Hai-Horrorstreifen, die schlecht sind. Meist kommen sie aus Italien. Da ist man nachsichtiger. Wenn die Amerikaner unter ihrem technischen Niveau bleiben, nimmt man’s ihnen (zu recht!) übel. Die dritte und vierte Fortsetzung der Spielberg’schen Wassersaga sind für Auge und Ohr kaum noch erträglich. Erbärmlich.

»The Return of the Texas Chainsaw Massacre«: Bevor die Zellweger und Matthew McConaughey in den Olymp der Superstars aufstiegen, mussten auch sie durch Schlangengruben schlechter Filme kriechen. Dieses Kettensägen-Machwerk kann man getrost nach dem Vorspann abschalten — die Namen der beiden Hauptdarsteller zu lesen ist schon das Highlight des Ganzen.

»The Birds II: Land’s End«: Eine abgeschlunzte Mischung aus Fortsetzung und Remake des Hitchcock-Klassikers. Der Regisseur verschanzte sich hinter dem Alan-Smithee-Pseudonym. Kaum zu glauben, dass selbst die Spezialeffekte 1994 schlechter waren als 1963. Furchtbare Musik, ein holpriger Schnitt, miserable Dialoge, über- oder unterforderte Darsteller (man kann es nicht so recht beurteilen) und rund zwanzig am Heimcomputer designte Tauben sorgen für Angst und Schrecken. Die arme Tippi Hedren ist die einzige, die dem Ganzen etwas Würde verleiht.

»Die Krähen«: Die Sat.1-Variante der Hitchcock-Geschichte (Hitchcock-Remakes gehen meist in die Hose) wartet mit »zwanzig dressierten Krähen«, wie der Sender stolz verkündete, auf. 90 Minuten wird über Krähen gesprochen. Höhepunkt: Fünf Krähen fallen im Tiergarten über das Grillgut der dort grillenden Türken her. Die restlichen Krähen sind amateurhaft animiert. Nervig: Stefan Jürgens und Susanna Simon in den Hauptrollen. Auch mit dabei: Doris Kunstmann.

Über Irresistible schrieb ich bereits. Der Prototyp eines schlechten Films.

»Gothika«: Halle Berry. Ein Kapitel für sich. Alles schimpfte seinerzeit über »Catwoman« (Regie: Pitof). Einzig der »Spiegel« schrieb gut: »Sie haben nicht Lady Macbeth verfilmt. Es geht um eine Frau im Katzenkostüm, und dafür ist das Ganze sehr unterhaltsam.« (Das war nicht der genaue Wortlaut, aber so ähnlich las es sich.) »Gothika« hat diesen Bonus nicht. Ein Film, bei dem man den Text schon mitsprechen kann, wenn man ihn zum ersten Mal sieht. Den ganzen Film über flackert das Licht (manchmal gewittert es auch), damit man sich gruselt. Penélope Cruz taucht auch mal kurz auf und spielt, als würde sie ihren Text nicht verstehen. Die langweilig durchkomponierte Musik hilft auch nicht wirklich.

»Black Snake Moan«: Das Plakat und der Plot versprachen guten Trash. Der Film war ernst gemeint — und leider nimmt man Ricci, Samuel L. Jackson und Timberlake nicht wirklich ab, was sie da treiben. Der Mist geht fast zwei volle Stunden und ist Langeweile pur. In diesem Zusammenhang fiel mir Billy Wilder ein, der mal die zehn Gebote des Filmemachens ausformulierte: »Gebot 1 bis 9: Du sollst nicht langweilen! Zehntes Gebot: Behalt dir das Recht auf den endgültigen Schnitt vor.«

»(T)Raumschiff Surprise — Periode 1«: Ganz kurz: ich sah ihn und konnte es nicht fassen.

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6. September 2007

Zusammen ist man weniger allein

Anna Gavaldas Roman erinnert mich ein wenig an die »Stadtgeschichten« von Armistead Maupin. Keine große Kunst, sondern literarische Trivialkost, aber mit hohem Suchtpotential. Die Figuren sind so lebensnah eingefangen, liebenswert und verrückt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Es geht um vier Personen: Camille ist 26, Künstlerin und muss sich ihren Lebensunterhalt als Putzfrau verdienen; der Adlige Philibert ist leicht verschroben und hat ein kompliziertes Verhältnis zu seinen Mitmenschen; Franck arbeitet als Koch, ist schweigsam, lebenshungrig und gutmütig; Francks Grossmutter Paulette hat die 80 bereits überschritten und hat Angst, ihr Leben bald nicht mehr selbständig bestreiten zu können. All diese Figuren leiden auf unterschiedliche Art und Weise unter der Einsamkeit, die das Leben in der Millionenmetropole Paris mit sich bringt — und irgendwie finden diese unterschiedlichen Menschen zusammen und bilden eine WG, die verrückter kaum sein könnte.
Dieses Buch macht Parisheimfernweh. Unter dem Titel »Ensemble, c’est tout« wurde es übrigens von Claude Berri verfilmt. Mit Audrey Tautou (*kotz*) als Camille und Guillaume Canet (*jubilier*) als Franck. Ist inzwischen auch bei uns gestartet. Sehenswert, ohne Ecken, Kanten, Anspruch oder Spannung. Wer den Film noch nicht gesehen hat, der hole es bitte nach. Wer das Buch noch nicht gelesen hat und etwas zur Bekämpfung der Trostlosigkeit braucht, der kaufe es sich schleunigst. Dazu empfehle ich folgende CDs: Sandrine Kiberlain: »Manquait plus qu’ça«, Natasha St. Pier: »Longeur d’ondes«, Traincha: »The Look of Love«. Anschliessend ruhig mal wieder grünen Tee trinken und ein, zwei Plätzchen futtern. Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.

Auf nach Antwerpen

Morgen besuche ich meine Schwester in Antwerpen. Vor gut einem Monat wagte sie den Absprung und zog bei Mama und Papa aus, um für ein paar Monate (bis zum Ende diesen Jahres) in Antwerpen zu studieren. Als ich davon erfuhr, freute ich mich für sie, und auch sie schien freudig erregt. Antwerpen ist eine sehr internationale Stadt. Mit Französisch, Englisch, Flämisch und Friesisch kommt man wunderbar dort klar. Mit knapp 460.000 Einwohnern ist es die größte Stadtgemeinde Belgiens. Für meine Schwester, der Hannover schon fast zu groß ist, war und ist das ein Schock. Sprachlich akklimatisierte sie sich rasch — die Belgier sind allgemein sehr entgegenkommend —, aber leider quälte sie schon nach wenigen Tagen Heimweh. Der 85. Geburtstag von Oma Ende August bot ihr die Möglichkeit, nach zwei Wochen mal wieder ein langes Wochenende bei meinen Eltern zu verbringen, die Woche drauf war sie wieder da. (Antwerpen liegt nicht ganz fünf Autostunden von Hannover entfernt.) Um ihr die Zeit in Belgien erträglicher zu machen, versucht man jetzt, sie so oft als möglich zu besuchen.
Heimweh kannte ich nie. Ich war und bin immer gerne unterwegs. Doch ich stell mir das Gefühl scheußlich vor. Auf Antwerpen freue ich mich; ein erlebnisreiches, spannendes und hoffentlich sehr schönes Wochenende

Ein bisschen Adorno zum Abend: »Gesundheit? Was nützt einem die Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?« (Theodor W. Adorno)