6. September 2007

Zusammen ist man weniger allein

Anna Gavaldas Roman erinnert mich ein wenig an die »Stadtgeschichten« von Armistead Maupin. Keine große Kunst, sondern literarische Trivialkost, aber mit hohem Suchtpotential. Die Figuren sind so lebensnah eingefangen, liebenswert und verrückt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Es geht um vier Personen: Camille ist 26, Künstlerin und muss sich ihren Lebensunterhalt als Putzfrau verdienen; der Adlige Philibert ist leicht verschroben und hat ein kompliziertes Verhältnis zu seinen Mitmenschen; Franck arbeitet als Koch, ist schweigsam, lebenshungrig und gutmütig; Francks Grossmutter Paulette hat die 80 bereits überschritten und hat Angst, ihr Leben bald nicht mehr selbständig bestreiten zu können. All diese Figuren leiden auf unterschiedliche Art und Weise unter der Einsamkeit, die das Leben in der Millionenmetropole Paris mit sich bringt — und irgendwie finden diese unterschiedlichen Menschen zusammen und bilden eine WG, die verrückter kaum sein könnte.
Dieses Buch macht Parisheimfernweh. Unter dem Titel »Ensemble, c’est tout« wurde es übrigens von Claude Berri verfilmt. Mit Audrey Tautou (*kotz*) als Camille und Guillaume Canet (*jubilier*) als Franck. Ist inzwischen auch bei uns gestartet. Sehenswert, ohne Ecken, Kanten, Anspruch oder Spannung. Wer den Film noch nicht gesehen hat, der hole es bitte nach. Wer das Buch noch nicht gelesen hat und etwas zur Bekämpfung der Trostlosigkeit braucht, der kaufe es sich schleunigst. Dazu empfehle ich folgende CDs: Sandrine Kiberlain: »Manquait plus qu’ça«, Natasha St. Pier: »Longeur d’ondes«, Traincha: »The Look of Love«. Anschliessend ruhig mal wieder grünen Tee trinken und ein, zwei Plätzchen futtern. Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.

Auf nach Antwerpen

Morgen besuche ich meine Schwester in Antwerpen. Vor gut einem Monat wagte sie den Absprung und zog bei Mama und Papa aus, um für ein paar Monate (bis zum Ende diesen Jahres) in Antwerpen zu studieren. Als ich davon erfuhr, freute ich mich für sie, und auch sie schien freudig erregt. Antwerpen ist eine sehr internationale Stadt. Mit Französisch, Englisch, Flämisch und Friesisch kommt man wunderbar dort klar. Mit knapp 460.000 Einwohnern ist es die größte Stadtgemeinde Belgiens. Für meine Schwester, der Hannover schon fast zu groß ist, war und ist das ein Schock. Sprachlich akklimatisierte sie sich rasch — die Belgier sind allgemein sehr entgegenkommend —, aber leider quälte sie schon nach wenigen Tagen Heimweh. Der 85. Geburtstag von Oma Ende August bot ihr die Möglichkeit, nach zwei Wochen mal wieder ein langes Wochenende bei meinen Eltern zu verbringen, die Woche drauf war sie wieder da. (Antwerpen liegt nicht ganz fünf Autostunden von Hannover entfernt.) Um ihr die Zeit in Belgien erträglicher zu machen, versucht man jetzt, sie so oft als möglich zu besuchen.
Heimweh kannte ich nie. Ich war und bin immer gerne unterwegs. Doch ich stell mir das Gefühl scheußlich vor. Auf Antwerpen freue ich mich; ein erlebnisreiches, spannendes und hoffentlich sehr schönes Wochenende

Ein bisschen Adorno zum Abend: »Gesundheit? Was nützt einem die Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?« (Theodor W. Adorno)

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s