Filmtipp #306: Inside Llewyn Davis

Inside Llewyn Davis

Originaltitel: Inside Llewyn Davis; Regie: Ethan Coen, Joel Coen; Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen; Kamera: Bruno Delbonnel; Darsteller: Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake. USA/GB/Frankreich 2013.

inside llewyn davis

Dieser rundum gelungene, leise und ausgereifte Film der Coen-Brüder besticht durch seinen bittersüßen Humor und die phänomenale schauspielerische Leistung seines Hauptdarstellers Oscar Isaac, der den hoffnungslos-liebenswerten ewigen Verlierer Llewyn Davis spielt. Der ist Anfang der 1960er Jahre als Folksänger in New York unterwegs und praktisch mittellos, so dass er Nacht für Nacht bei Bekannten im Gästezimmer oder auf dem Sofa pennen muss. Eines Morgens, als er die Wohnung der Gorfeins (Robin Bartlett und Ethan Phillips), einem befreundeten Ehepaar, das seine Musik mag, verlassen möchte, entwischt deren Kater und unternimmt einen launigen Streifzug durch Greenwich Village. Zwar gelingt es Llewyn, das Tier einzufangen, aber da die Wohnungstür zugefallen ist und Gorfeins nicht in der Stadt sind, sieht er sich gezwungen, bei Jim (Timberlake) und Jean (Mulligan) Unterschlupf zu suchen, einem Musiker-Pärchen, mit dem er sporadisch Kontakt hält. Die biestige Jean erwartet ein Kind von Llewyn und zwingt ihn, für die Abtreibung zu löhnen, da sie nicht möchte, dass Jim von ihrer Liaison mit Llewyn erfährt, den sie für einen Versager hält. Als der gebeutelte Llewyn bei einem befreundeten Arzt einen Termin für Jean machen möchte, erfährt er, dass seine Ex-Freundin ihren vor etwa drei Jahren geplanten Schwangerschaftsabbruch doch nicht vorgenommen hat, ohne es ihm mitzuteilen; Llewyn Davis ist also schon seit gut zwei Jahren unwissentlich Vater. Gemeinsam mit dem fettleibigen, drogensüchtigen Roland Turner (Goodman) und dessen Assistenten Johnny (Hedlund) macht sich Davis auf den Weg nach Chicago, wo er sich Hoffnung auf die Unterstützung von Bud Grossman (F. Murray Abraham), einem einflussreichen Produzenten, macht. Als sich diese Hoffnung zerschlägt, meldet er sich bei der Handelsmarine; mit seinem letzten Geld bezahlt er seine ausstehenden Beiträge bei der Matrosen-Gewerkschaft, um wieder in See stechen zu können. Doch da er seine Lizenz nicht finden und sich eine neue nicht leisten kann, verpufft auch diese Chance. Die Tantiemen von seinem letzten Soloalbum werden ihm in Form eines gebrauchten Wintermantels ausgezahlt. Mit seinem Gitarrenkoffer und dem Kater zieht der Folksinger durch die Kneipen New Yorks, immer wieder und weiter auf der Suche nach dem nächsten Gig und einem Stück vom Glück…

Vor den Dreharbeiten beschäftigten sich die Coen-Brüder mit dem Werk und den posthum erschienenen Memoiren des recht unbekannten Musikers Dave Van Ronk. Der Filmtitel verweist auf das 1963 veröffentlichte Album »Inside Dave Van Ronk«, auf dem auch das Lied »Hang Me, Oh Hang Me« zu hören ist, das Oscar Isaac alias Llewyn Davis zu Beginn des Films singt.
Der Film spielt im eiskalten Winter 1960/61, und die Coen-Brüder haben sich wirklich alle Mühe gegeben, die Zeit, »den Vorabend der Pop-Revolution«, in all ihrem spröden Zauber wieder ins Jetzt zu holen. Die Detailverliebtheit des Streifens und die zahlreichen Anspielungen auf Bob Dylan (der ein Freund Van Ronks gewesen war) und die damalige New Yorker Musikszene machten »Inside Llewyn Davis« zu einem Kritiker- und Publikumsliebling. Ich sah den Film in Paris während der Dreharbeiten zu One Deep Breath und war schlichtweg hingerissen.

Im September 2013 veranstalteten die Produzenten das Konzert »Another Day, Another Time: Celebrating the Music of ›Inside Llewyn Davis‹«, bei dem Elvis Costello, Patti Smith, Joan Baez, Jack White, Justin Timberlake, Marcus Mumford, Oscar Isaac und viele andere auftraten. Das Ergebnis erschien als CD und als Konzertfilm.

André Schneider

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