Filmtipp #242: Ninotschka

Ninotschka

Originaltitel: Ninotchka; Regie: Ernst Lubitsch; Drehbuch: Billy Wilder, Charles Brackett, Walter Reisch; Kamera: William Daniels; Musik: Werner R. Heymann; Darsteller: Greta Garbo, Melvyn Douglas, Ina Claire, Bela Lugosi, Sig Rumann. USA 1939.

Ninotchka

Zweifellos ist »Ninotchka« ein Höhepunkt in Lubitschs Schaffen. In keinem seiner anderen Filme gelang es ihm auf derart virtuose Weise, sanfte Ironie, politischen Witz und Romantik so elegant miteinander in Einklang zu bringen. Natürlich ist der Einfluss Billy Wilders (A Foreign Affair, The Apartment), der das Drehbuch schrieb, nicht zu unterschätzen. Überhaupt bot dieser Streifen zahlreichen deutschen und österreichischen Emigranten eine breite Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Neben Wilder, Co-Autor Walter Reisch und dem Komponisten Heymann waren auch die beiden Schauspieler Felix Bressart und Alexander Granach in der Besetzungsliste vertreten. Nach unzähligen dramatischen Rollen wurde »Ninotchka« gezielt als komisches Vehikel für Greta Garbo entwickelt, die legendäre Werbezeile »Garbo laughs!« stand schon fest, bevor das Drehbuch geschrieben war. Das muss man sich einmal vorstellen: Ein ganzer Film wird um das Lachen der Hauptdarstellerin herumkonstruiert! Dass das Ganze auch 75 Jahre nach seiner Entstehung immer noch geradezu spritzig-komisch ist, grenzt an ein kleines Wunder und beweist einmal mehr, wie schwer es ist, einem Lubitsch das Wasser zu reichen.

Kaum sind die Revolutionswirren vorbei, und kaum hat sich die neu gegründete Sowjetunion halbwegs stabilisiert, als sich schon drei Funktionäre auf den Weg nach Paris machen, um dort den Verkauf von Juwelen in die Wege zu leiten, die einst der Gräfin Swana (Claire) gehörten und die nun dem Volke in die Hände gefallen sind. Moskau und die Genossen sind weit, insofern denken die drei Kommissare gar nicht daran, für ihren Aufenthalt eine einfache Herberge aufzusuchen, sondern quartieren sich in einem Luxushotel ein. Als die vor der Revolution geflüchtete Gräfin erfährt, dass ihr Schmuck verschachert werden soll, erwirkt sie eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf der Edelsteine. Um die Sache voranzutreiben, schickt Moskau seine beste Frau ins Rennen, die beinhart-ideologietreue Ninotschka (Garbo), eine Frau wie ein eiserner, todernster Soldat. Doch selbst sie erliegt den Verlockungen des Kapitalismus, als sie sich in einen schneidigen Franzosen (Douglas, The Old Dark House) verliebt…
Die Dreharbeiten verliefen ausgesprochen glücklich, obwohl die Garbo ihre Bedenken, in einer komischen Rolle bestehen zu können, nicht verbarg. Zudem empfand sie die Szene, in der sie und Melvyn Douglas beschwipst durch ihre Hotelsuite wanken, als vulgär und hatte sie zunächst nicht spielen wollen. Ihre Ängste erwiesen sich als haltlos: Nie war die Garbo so gut wie hier!
Der »Tagesspiegel« schrieb: »Man braucht die reizenden Einfälle, die bezaubernden Details, in denen sich die große Kunst von Lubitsch zeigt, die gleichzeitig Zeugnis einer echten Menschlichkeit sind, nicht aufzuzählen.« — »Ninotchka« wurde 1939 für drei Oscars nominiert (Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin), scheiterte aber an der übermächtigen Konkurrenz von »Gone With the Wind« (Regie: Victor Fleming) und »Mr. Smith Goes to Washington« (Regie: Frank Capra).
Mit diesem Filmtipp, dem letzten für 2014, wünsche ich Euch allen einen Guten Rutsch! und für das kommende Jahr alles nur erdenklich Schöne! Viel Spaß beim Feiern!

André Schneider

 

Filmtipp #241: Liebe hat zwei Gesichter

Liebe hat zwei Gesichter

Originaltitel: The Mirror Has Two Faces; Regie: Barbra Streisand; Drehbuch: Richard LaGravenese; Kamera: Dante Spinotti, Andrzej Bartkowiak; Musik: Marvin Hamlish, Barbra Streisand; Darsteller: Barbra Streisand, Jeff Bridges, Lauren Bacall, Pierce Brosnan, Mimi Rogers. USA 1996.

The Mirror Has Two Faces

Wäre Barbra Streisand nicht so reich, würde man ihr ohne ein Wimpernzucken eine fette Geisteskrankheit attestieren. So aber, als Multimillionärin, wird sie schlimmstenfalls im Neurosen-Ordner abgeheftet. Wie Woody Allen, nur ohne das Kinderficken. Zwischen all den Neurosen, der Hysterie und dem Größenwahn thront trotzig eine unbestreitbare Begabung zur Perfektion auf allen Ebenen: Schauspielerin, Sängerin, Entertainerin. Die Streisand hat ihr Können am Broadway und in Hollywood unter Beweis gestellt, unzählige Platten besungen — ihre Stimme ist beinahe opernreif! — und gibt immer mal wieder ein umjubeltes Konzert, wobei die Tickets selten weniger als 1.000 Euro kosten. Als es für sie aufgrund ihrer Allüren immer schwieriger wurde, Engagements zu finden — die Reputation, »schwierig« zu sein, ist selbst für eine Oscarpreisträgerin der Todesstoß —, wurde sie Anfang der 1980er ihre eigene Produzentin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Komponistin. Ihre Regiearbeiten waren intensiv, Aufsehen erregend, preisgekrönt und von einer beinahe ermüdenden Perfektion.
Mitte der Neunziger wagte sich Streisand an ein Remake des französischen Klassikers »Le miroir a deux faces« (Regie: André Cayatte), nach den dramatischen Höhenflügen von »Yentl« (1983) und »The Prince of Tides« (1991) ihre erste romantische Komödie — und zugleich ihre bis heute letzte Arbeit als Regisseurin. Sie wollte, wie sie im Interview verriet, einen Film drehen, »in dem die Leute am Ende auf der Straße tanzen«. Und ja, auch wenn man Barbra Streisand aus guten Gründen nicht sonderlich mag, muss man zugeben, dass »The Mirror Has Two Faces« ein ausgesprochen warmer, wohltuender, leichter, besinnlicher, rundum schöner Streifen geworden ist, ein ganz besonderer Leckerbissen — gerade zur Weihnachtszeit.

Streisand spielt quasi sich selbst: eine New Yorker Jüdin, gebildet und humorvoll. Als Literatur-Professorin Rose Morgan wird sie von den Männern in ihrer Umgebung zwar geschätzt, aber mangels erotischer Ausstrahlung nicht sonderlich begehrt. Während ihre hübsche Schwster Claire (Rogers) bereits ihre –zigste Ehe eingeht (mit Bond-Darsteller Brosnan), teilt Rose sich das Apartment mit ihrer schnippischen Mutter Hannah (Lauren Bacall erhielt für ihr Spiel verdientermaßen eine Oscarnominierung), luncht mit ihrer beleibten besten Freundin Doris (Brenda Vaccaro) und lebt ansonsten hauptsächlich für ihre Arbeit.
Der Mathematik-Professor Gregory Larkin (Bridges) hingegen ist etwas vertrottelt, aber ungemein sexy. Sein Liebesleben ist das reine Chaos; fast immer lässt er sich auf heiße, aber letztlich doch kurzlebige Affären mit jungen Studentinnen ein. Das muss ein Ende haben, und so sucht er per Annonce eine unattraktive Frau als potentielle Gattin. Entschlossen, ihre große Schwester an den Mann zu bringen, beantwortet Claire ohne deren Wissen die Anzeige, und so lernen sich Rose und Gregory kennen. Es entsteht eine wunderbare Freundschaft, es wird viel geredet und gelacht, und schließlich macht Gregory der verdutzten Rose auch einen Antrag — mit der einzigen Bedingung, dass Sex in ihrer Beziehung ausgeschlossen bleibt. Rose nimmt den Antrag an, und zunächst läuft auch alles glatt, doch dann kommt doch das Begehren ins Spiel…
Wie es weitergeht, ist eigentlich recht vorhersehbar, das hässliche Entlein verwandelt sich — soweit das für Barbra Streisand möglich ist — in einen schönen Schwan, der Professor wirft seine Prinzipien über Bord, und alle sind glücklich. Das Schönste an »The Mirror Has Two Faces« sind die Szenen zwischen Mutter und Tochter, Bacall und Streisand spielen sie virtuos zwischen Schlagabtausch, Komödie und Melancholie. Für eine Hollywood-typische Komödie ist der Film ungewöhnlich lang geraten — er geht über zwei Stunden —, aber das ist für die vielen Feinheiten und Zwischentöne auch dringend notwendig.

Die Produktion war, wie nicht anders zu erwarten, von immensen Schwierigkeiten begleitet. Da die Streisand es kategorisch ablehnt, von links gefilmt zu werden — offenbar ist ihre rechte Gesichtshälfte ihre Schokoladenseite —, mussten viele Sets umarrangiert werden. Als der Dreh etwa hälftig vorbei war, warf der Kameramann entnervt das Handtuch und musste ersetzt werden, und auch Jeff Bridges war aufgrund der Barbra-Probleme kurz davor, seinen Hut zu nehmen. Dem Film merkt man das gottlob nicht an, die Streisand kommt charmant und sympathisch rüber, man lacht und weint mit den Figuren und freut sich auch nachhaltig noch über diesen famosen New York-Film.
(Kurze Anmerkung zum Schluss: Wer Lust hat, sollte sich bei YouTube das Streisand-Interview bei Oprah anschauen, dort wurde der Irrsinn episch!)

André Schneider

21/12/2014

El cine transgresor de Antony Hickling
por Daniel Rojas Bolivar*, Sin Etiquetas, 15/12/2014

Antony Hickling es el primer director de cine gay que conozco. Escuché de él gracias al festival de cine gay parisino Chéries Chéris, que en 2014 cumplió 20 años y que tuvo a Hickling estrenando su nueva película One Deep Breath y su cortometraje »PD« (que es el sonido de ‘marica’ en francés). Además fue programador de los filmes y el director del trailer del evento.

Nos encontramos a tomar un café en el barrio Nation de París, cerca de donde vive. Es cumplido y cortés, muestra del estereotipo inglés. Tiene una sonrisa brillante, aunque en todas sus fotos sale sin ella, y prefiere el café con leche que los amargos café americanos.
El cine que hace este personaje se ama o se odia. Los productos de este director sudafricano son de extremos y desde hace cinco años se vienen ganando un espacio en el cine gay europeo. Antony Hickling no es un director convencional. Sus películas y cortos, parecen pinturas en movimiento, influencias de creaciones de todo el globo y experimentaciones técnicas para imponer su visión en temas como la sexualidad, la identidad, la religión y las relaciones humanas.

Cuando llegó a Francia, hace 12 años detrás del amor, decidió tomar clases del idioma y continuar sus estudios: un doctorado en Artes Escénicas con énfasis en la Teoría Queer. Se volvió experto enel tema y se inspiró en pensadores como Copi, dramaturgo argentino exiliado en París. Pero tantos años detrás de los libros lo aburrieron. Quería crear, dirigir. Por eso, reemplazó las lecturas por sesiones de cine y la escritura de la tesis por la construcción de guiones cinematográficos.

Desde sus primeros cortometrajes (en 2009), »Birth 1, 2 y 3«, comenzó a instalar su estética no convencional, radical y hasta agresiva. “Quiero que la gente reaccione. El peor enemigo del arte es la indiferencia y quiero que la audiencia tenga algo que decir. Sea bueno o malo, ya es otra cosa”, dice él con su acento inglés grave, que le ayuda a trabajar como actor de doblaje mientras no hace sus películas.

Más tarde hizo otros tres cortos: »L’Annonciation or The Conception of a Little Gay Boy« (2011), »Little Gay Boy, chrisT is Dead« (2012) y »Holy Thursday (The Last Supper)« (2012), y juntos se convirtieron en su primer largometraje de 72 minutos: »Little Gay Boy« (2013).

La película trata sobre la concepción de un niño al estilo de la Virgen María, quien es una prostituta. Un mesías que muere a causa del VIH, que resucita, para luego conocer a su padre, con quien tiene una relación incestuosa. Una historia extraña, fuera de lo común, transgresora, compuesta de varias capas, como lo afirma el propio Hickling. Mezcla de percepciones personales con la experimentación.

Este es el filme insignia de Antony Hickling y su carta de presentación. Hasta ahora es su producción más famosa, y aunque ha pasado más de un año desde que la estrenó, todavía hace promociones del filme. La película ha sido vista en festivales en Inglaterra, Italia, Rumania, Francia, España y Portugal. En Latinoamérica estuvo presente en la selección URGAY del 32vo Festival Cinematográfico Internacional del Uruguay y en el 22vo Festival MixBrasil celebrado en San Pablo.

Creando con las uñas y los amigos

“Ahora la gente me llama y me dice que quiere trabajar conmigo o quiere distribuir mis películas. Pero antes, incluso pedían que no salieran sus nombres en los agradecimientos de mis producciones”, afirma Hickling, quien sabe que lo que hace se sale de los estándares clásicos del cine y que de esta manera ya tiene un camino y un portafolio de experimentación a sus espaldas.

Con trayectoria en teatro, trabajó como actor y director en Manchester. Pero fueron sus ganas de explorar el mundo de cine más de cerca que lo trajeron a donde se encuentra. Tomó cursos intensivos de dirección, comenzó a crear y desde eso no se detiene: “Creo que a veces voy muy rápido, pero quiero que todo salga pronto”.

Para él, la experiencia en el cine es un aprendizaje constante que ahora se hace más fácil, pero  no siempre fue así. Su determinación es la mayor fuerza que dirige la realización de sus películas, pues hasta el momento todo ha sido financiado con su propio dinero. Con los años ha logrado juntar un grupo de colaboradores que confía en su trabajo y que ahora son parte de algo así como una pequeña casa de producción.

“Son mis amigos y somos como una tropa de teatro. Trabajamos juntos en los proyectos y es como una línea conductora a lo que hacemos. Uno ya sabe qué esperar de cada persona y ellos de mí”, afirma Hickling.

Hace unas semanas estrenó One Deep Breath, una producción coescrita con el alemán Andre Schneider que trata sobre un hombre a quien se le ha suicidado su pareja y que tiene al reconocido actor francés Manuel Blanc como protagonista. Blanc participó en »Little Gay Boy« y ahora es gran amigo de Hickling. “Fue él quien quiso trabajar conmigo después de ver uno de mis cortos. Creo que fue una gran suerte, en especial para el inicio de mi carrera”, comenta el director.

Para esta película tuvo su primer financiamiento de 5000 euros, por parte de Optimale, un distribuidor de cine gay en Francia. Y como sus ganas de crear siguen en ascenso, para su tercer largometraje »Where Horses Go to Die«, ya está preparando una candidatura para financiamiento con el Centro Nacional de Cine de Francia.

–La burocracia administrativa es bastante cerrada. Sé que para que estos nuevos proyectos sean distribuidos a gran escala y tengan financiamiento tendré que limar un poco como trato el tema, pero aún así no perderé mi esencia.

*Periodista colombiano. Estudiante de Master en Cultura y Comunicación en la Universidad de Paris 8. Amante del cine y la televisión. Escribe en cinebaguette.com