“The Ghosts” in Romania (postponed)

André Schneider and Judith Magre in “Les Fantômes”.

Great news!
Les Fantômes has been nominated for Best Feature Film at the Serile Filmului Gay International Film Festival in Cluj-Napoca, Romania. Were quite happy to be »in competition«. Originally, the festival was supposed to start tomorrow, but last week, we received the following E-mail from Sebastian Ivan, the festivals programme coordinator: »We regret to inform you that the GAY FILM NIGHTS International Film Festival is to be postponed for next year, as all of PRIDE Romanias volunteers have actively been engaged in the campaign to boycott the anti-gay referendum in our country, a campaign which has proven successful. The festival will take place between the 15th and the 21st of April 2019. We will keep you in touch with any new developments regarding the festival. Also, please do not hesitate to contact us if you have additional questions or comments. We would like, once again, to express our appreciation for your work and thank you for your patience.«
Keep fighting the good fight, Romania! Dont let violence and hatred ruin your spirit! Were looking forward to travel to Cluj next spring to present our little movie. Love from Berlin and Paris!

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21. September 2018

»One Deep Breath« by Antony Hickling (Filmkritik)
Bericht von Momo Rulez, metalust.wordpress.com, 30. März 2015.

Bedeutungsschwanger und schwerfällig gräbt sich One Deep Breath seinen Weg mit aneinander gehängten Postkartenbildern, nervt durch aufdringlich ästhetisierte Bildkomposition. Stilisiert, aber öde.

Schon bei Minute Sieben ärgert mich der Film, weil an sich unendlich zu entfaltende Möglichkeiten der Stilisierung völlig ins Leere laufen und noch nicht einmal der Charme der reinen Geste, der puren Oberfläche regiert — sondern lediglich eine Suggestion von Tiefsinn. Anstrengende, symbolische Inszenierungen scheitern am Performativ-Tänzerischen. Die Bildsprache erschlägt jedes Bild. Das ständig hinein montierte Meer wirkt wie schlechte Esoterik. Emotionen erfahren eine übereindeutige Symbolisierung in Gesten und Mimiken, die in einem Groschenroman beschrieben cool wirken könnten. So nicht. Die Figuren interessieren nicht, weil es gar keine sind — einfach Füllstoff für eine selbstreferentielle Inszenierung, die das Selbstreferentielle selbst nicht zu reflektieren vermag. Somit wirkt auch das, was erzählt werden soll, unerheblich.

One Deep Breath nutzt allerlei zauberhafte Quellen queerer Tradition: Die Stilisierung, das Spiel mit den Geschlechterrollen, die Pose, die Theatralik, ein notgedrungener Narzißmus, das Zitat. Doch nichts davon funktioniert in ihm. Würde er das Aufgesetzte, was in so vielen queeren Werken so vortrefflich als Wahrheit inszeniert wurde, nicht fortwährend mit dem »Achtung Kunst!«-Ausrufezeichen erschlagen und mit »Ist das nicht ein tolles Bild!« konterkarieren — er hätte Potenzial haben können. Das muss auch gar nicht ironisch, campy oder witzig umgesetzt werden. So jedoch wird das, was Filmgenuss ansonsten jederzeit bewirken kann, das Angestrengte nämlich, zum Ärgernis.

20. September 2018

One Deep Breath
Bericht von Johannes Jarchow, queermdb, o. D.

»Wenn ein Feuerwerk in uns sich entzündet, von Körper zu Körper die Funken drehen, wenn meines Körpers Brennen dein Glühen begründet und uns glimmen lässt, bis dass wir vergehen…« — In der Beziehung von Maël und Adam hatte Poesie stets eine zentrale Rolle gespielt. Nun ist Maël nach Adams Selbstmord allein mit den Worten der Vergangenheit, er lässt sich von ihnen erfassen wie von einem Strudel. Die Fassungslosigkeit und Trauer scheint ihm den Verstand zu rauben. Zwischen Erinnerungen, Wunsch- und Alpträumen pendelnd, versucht er, die Realität zu fassen und ins Leben zurück zu finden. In seinem Bestreben, Adams Depressionen und damit dessen Tod »zu verstehen«, taucht er hinab in dessen Abgründe und stößt dabei auf Wahrheiten, die er lieber im Dunkeln gelassen hätte: zum Beispiel hatte Adam eine Parallelbeziehung mit der gemeinsamen Freundin Patricia, die ihrerseits mit dem Verlust des Geliebten zu kämpfen hat…

Tiefes Einatmen. Ich sehe ein Zerren, ein Fordern, ein Ineinanderbrechen und Auseinanderbrechen dreier Menschen, die in abstrakten Ebenen hadern, mit was auch immer — es geht mich zunächst nichts an. Nonstop angestrengte Gesichter, Schmerz, Apathie — bonjour tristesse!, willkommen in der Kernthematik aller Kurz- und Avantgardefilme: Depression. Verzeihung, ich bin Psychologe, ich verkürze 60 Minuten Elend auf ein Wort, eine Diagnose. Als Buddhist denke ich erhaben und milde lächelnd das Mantra der Erleuchteten, Künstler und Pessimisten: Das Leben ist Leiden. Atmen hilft, Ausatmen, Loslassen.

Während im Film weiter angestrengt geklammert, geschlagen und in jeder Bedeutung des Wortes gefickt wird, mache ich den Fehler und surfe nebenbei nach Filminfos (was ich immer tue, wenn mich ein Film ratlos macht). IMDb spoilert in der Ein-Satz-Synposis ohne Vorwarnung und verändert irreversibel meinen Blickwinkel, ärgerlich! Ich hätte doch gern selbst Erkenntnis erlangt statt belehrt zu werden. Das ist wie mit Frontalunterricht oder Witzen, die man erklärt bekommt. Da lacht man nur noch halb so herzig — wenn überhaupt.

Es läuft Milch aus einem Wasserhahn in eine Badewanne. Eine weiße Badewanne in einem weißen Badezimmer in weißer Überbeleuchtung. Das macht schöne Kontraste mit dem Blut, das aus der weißgesichtigen, in der weißen Milch ersoffenen Frau kommt, und dem Schwarz ihrer gelockten Haare. Der Reflex des Verstandes — Was will uns der Künstler damit sagen? — muss überlistet werden mit Erstaunen. Und das gelingt One Deep Breath immer wieder und besonders in jenen zugespitzten Momenten. Ich mache meinen Frieden mit dem Apfel der Erkenntnis, der sich nun mal nicht wieder herauswürgen lässt. Ich nehme die Kunst, den Wahnsinn, die Auflösung an. Und ganz am Ende stört mich nicht einmal die im sonnengelben Kleid tanzende Frau, das Lächeln des Orpheus, die Hades-Brücke, das Fortgehen der Euridice, die Abblende — ganz klassisch, keine Experimente mehr. Sterben ist einfach. Weiterleben ist schwer.

Der 1975 in Johannesburg geborene Schauspieler und Regisseur Antony Hickling und André Schneider, Filmemacher und Autor, Jahrgang 1978, lernten sich im Herbst 2012 beim Pariser Filmfestival Chéries-Chéris kennen, wo Hickling mit »Little Gay Boy, chrisT is Dead« im Wettbewerb vertreten war. Hickling konnte Manuel Blanc (J’embrasse pas) für das gemeinsame Projekt gewinnen, der auch im dritten Teil seiner Little Gay BoyReihe die Hauptrolle verkörperte. Schneider ist in Deutschland vor allem durch seine beiden Filme Alex und der Löwe und Männer zum Knutschen bekannt, die beide bei Pro-Fun Media veröffentlicht wurden.