6. November 2006

Sonntagsfilme

Regen, Novemberkälte.
Dohlen auf Autodächern, menschenleere Strassen.
Ein Sonntag, der nach Bett schrie und doch so viel Bewegung forderte.

Mit einiger Spannung erwartete ich die Premiere von Regie-Elses neuem Film, »Vor dem Konzert«, die gestern im Arsenal  am Potsdamer Platz stattfand. Aus verständlichen Gründen zögerte ich, scheute vor Blicken und Missgunst. Dachte, ich warte besser auf die DVD. Dank Ingo H.s Zusage, mich zu begleiten und mir den Rücken zu stärken, ging ich doch, denn ich wollte den Film unbedingt auf der großen Leinwand sehen und schauen, woran IJB so lange gearbeitet hat. Es lohnte sich, »Vor dem Konzert« ist sein schönster und vor allem visuell ansprechendster Kurzfilm seit langem. Der Blick René Hofschneiders (bekannt als »Hitlerjunge Salomon«) durchdringt mit seiner Schwere und Traurigkeit; wie üblich braucht IJB kaum Dialog, um seinen Zuschauern zu vermitteln, dass hier ein Leben voller Entbehrungen und Verzweiflung gelebt wird. Ein kurzer Film, der meinen Hunger stillte.
Im Foyer traf ich alte Bekannte, u. a. den lieben Michael F. Stoerzer, meinem Hauptdarsteller aus Half Past Ten, und natürlich Ralf. Wider meiner Erwartungen bekam ich die Marlon Brando-DVD zurück, die ich Martina geliehen hatte, und auch Ben Knight sah ich aus dem Augenwinkel in dem gut besuchten Kino umher flitzen. Ein paar Leute grüßten mich sogar. Ich freute mich für IJB, dass das Arsenal so gut besucht war. — Nachdem wir das Kino verlassen hatten, überlegte ich, vielleicht doch zur »Glastage«-Premiere zu gehen, die für 2007 angesetzt ist. Bis dahin wird noch viel Wasser durch den Wasserhahn fließen, schau’n wir mal. Am Ende entscheide ich’s spontan. Aber Ingo H. brachte es auf den Punkt: »Du hast nichts zu verlieren, der Sündenbock bist du eh schon.«
Im Babylon sah ich ein zweites Mal Shortbus, und das wiederholte Anschauen tat dem Film ungewöhnlicherweise sehr gut. Ein wirklich famoser Film, der nicht genügend gewürdigt werden kann.

Nur vier Stunden geschlafen, der Montag ist grau, aber immerhin trocken. Bin drauf und dran, mir die Filme von Eugène Green anzuschauen, die bei meiner Videodrom-Mega-Bestellung mit dabei waren. Die Augen brennen, der Magen tut weh. Lange nichts mehr gelesen.

CD des Tages: Tori Amos: »Scarlet’s Walk«.

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One thought on “6. November 2006

  1. Pingback: 27. Dezember 2006 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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