26. November 2008

Hotelzimmergedanken

Kaum mehr fünf Wochen, dann ist 2008 aufgeraucht, abgeschmirgelt, verputzt, abgegrast, zerbröselt, kurzum: fertig!
Ein lehrreiches Jahr, fürwahr, aber insgesamt doch eines, auf das ich lieber verzichtet hätte. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass es beruflich eines der besseren war. Eine Zeit der Umbrüche, Wiedergeburten und Veränderungen. Klar ist das positiv zu werten, nur geschah alles so schnell, dass ich praktisch immer noch unter Schock stehe. Finanziell erlebe ich seit August, September eine Talfahrt sondergleichen. Das Nebenjob-Gehalt wurde ohne Vorankündigung quasi halbiert. (Die Arbeitszeit nicht.) Gagen von Sprecher- und anderen jobs trudeln bis heute nicht oder nur teilweise ein. (Kennt Ihr das, wenn der Auftraggeber Geld verspricht: »Die Überweisung ist gestern raus…«, und man immer wieder vergebens zum Geldautomaten latscht? Ich sage Euch, nach vier, fünf Wochen ist dieses Spiel mehr als zermürbend!) Nichtsdestotrotz hoffe ich, im Dezember die rund 900 Euro zusammen zu haben, die ich brauche, um Aus der Umarmung des Wassers zu veröffentlichen, ein Buch, das immerhin zwei Jahre Arbeit verschlang. Harte Arbeit.

Vor einigen Wochen besuchte ich mit einem Freund die Galerie Lumas in den Hackeschen Höfen. Er hatte dort ein Bild bestellt und bat mich, dabei zu sein, wenn er es abholte. Das Bild stammt von dem Fotografen Kai Stuht, und der Zufall (?) wollte es, dass dieser gerade eine Ausstellung bei Lumas hatte. Während mein Freund also sein Bild begutachtete, schlenderte ich durch die Galerie und bestaunte die aufregenden Arbeiten dieses Künstlers, wobei mir zwei seiner Bilder nachhaltig in die Glieder fuhren:

kai-stuht_01

kai-stuht_02

Die in diesen Bildern spürbare Mischung aus Unschuld, Verletzbarkeit, Einsamkeit, Neugier und Sehnsucht ließ mich weinen. Tagelang verließen sie mich nicht. Noch heute lese ich in diesem Gesicht. Es spricht zu mir. Es berührt den Punkt, an dem ich mich gerade befinde. Es wäre das erste Mal gewesen, dass ich ein Bild erstanden hätte, wäre nicht der Preis gewesen (439 bzw. 839 Euro!). Ich beherzigte also Barbaras Rat und speicherte die Bilder im Rechner ab. Kein würdiger Ersatz, ich weiß, aber immerhin.

Habe die Meditation als Heilmittel bzw. als lebenskraftunterstützende Maßnahme (wieder)entdeckt und seit Anfang Oktober zwölf Kilo abgenommen. Nach all den Diäten, die nichts gebracht haben, entdeckte ich, was wirklich wirkungsvoll ist: Gar nichts essen! Das geht erstaunlich lange. Einfach reichlich trinken. Und wenn einem schwindelig wird, einfach eine Scheibe Brot rein oder — wenn möglich — ein wenig schlafen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich »The Mighty Boosh« für mich entdeckt habe. Anfangs glaubt man, diese Mischung aus Monty Python, »Alice im Wunderland« auf LSD, Trash, Musical, BBC-Comedy, kruder Fantasy und new age philosophy sei die furchtbarste Show, die je gesendet wurde. Dann, wenn man drei, vier Folgen überstanden hat, kommt die Erleuchtung und man muss sich eingestehen, süchtig geworden zu sein. Dumm nur, dass man nicht erklären kann, worum genau es geht. Zwei Typen wohnen mit einem Schamanen und einem Gorilla in einer WG und erleben gar wundersame Dinge. Musical-Einlagen (u. a. mit Kobras, die zu drum’n’bass tanztechnisch abgehen wie Brandenburger Techno-Kids) wechseln sich ab mit philosophischen Exkursen über das Sein und Handeln. Grandios! Die Macher heißen Noel Fielding und Julian Barratt.

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