Filmtipp #299 & #300: Die OSS 117-Filme

OSS 117 — Der Spion, der sich liebte

Originaltitel: OSS 117: Le Caire, nid d’espions; Regie: Michel Hazanavicius; Drehbuch: Michel Hazanavicius, Jean-François Halin; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Ludovic Bource, Kamel Ech Cheikh; Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, Aure Atika, Philippe Lefebvre, François Damiens. Frankreich 2006.

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OSS 117 — Er selbst ist sich genug

Originaltitel: OSS 117: Rio ne répond plus; Regie: Michel Hazanavicius; Drehbuch: Michel Hazanavicius, Jean-François Halin; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Ludovic Bource; Darsteller: Jean Dujardin, Louise Monot, Reem Kherici, Alex Lutz, Rüdiger Vogler. Frankreich 2009.

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Bereits gut und gerne sechs Jahre vor den ersten Bond-Abenteuern schickten die Franzosen ihren Geheimagenten Hubert Bonnisseur de la Bath alias OSS 117 auf die Kinoleinwand. Technisch bei weitem nicht so raffiniert und auch sonst nicht mit dem Schmelz der englischsprachigen Agententhriller gesegnet, wurden die sieben zwischen 1957 und 1970 entstandenen Streifen international auch längst nicht so berühmt. In Frankreich jedoch standen die Filme in der Gunst des Publikums ganz oben und konnten im Laufe der Zeit eine treue Fangemeinde aufbauen, die OSS 117 in ihr Herz geschlossen hatte. Der erste Film, »OSS 117 n’est pas mort« (Regie: Jean Sacha), war noch ein recht altbackener Agentenkrimi gewesen und hatte mit Ivan Desny einen Star, der die Geschmeidigkeit von Blei hatte. Später schlüpften nacheinander Kerwin Mathews, Frederick Stafford, John Gavin und Luc Merenda in die maßgeschneiderten Gentleman-Anzüge des Monsieur Bonnisseur de la Bath und bestanden unter anderem in Bangkok, Rio de Janeiro und Tokio haarsträubende Abenteuer. Dabei standen ihnen schmucke Frauen wie Elsa Martinelli, Margaret Lee, Luciana Paluzzi, Mylène Demongeot oder Pier Angeli zur Seite, wenn sie gegen Curd Jürgens, Robert Hossein oder Henri Attal kämpften. Bei den besten Filmen der Reihe führte André Hunebelle Regie, später übernahmen dann meist Italiener den Job. Im Grunde genommen hatten die OSS 117-Filme alles, was die Bond-Filme auch hatten, dem Rezept fehlte vielleicht einfach nur noch die letzte feine Zutat, um sich dauerhaft auf dem Markt zu behaupten? Hinzu kam, dass mit der Bond-Welle spätestens Mitte der 1960er Jahre ein unfassbarer Agentenfilmboom die Lichtspielhäuser heimsuchte und sich beim Zuschauer rasch ein Gefühl der Übersättigung einstellte.

Gut und gerne 36 Jahre war OSS 117 in der Versenkung verschwunden, ehe er 2006 mit Jean Dujardin ein neues, frisches Gesicht bekam und durch den jungen Filmemacher Michel Hazanavicius eine gründliche Imageüberarbeitung erfuhr. Bei beiden OSS 117-Filme, die 2006 und 2009 für klingelnde Kassen und überschwängliche Pressestimmen sorgten, wurden mit Preisen (u. a. insgesamt sieben César-Nominierungen) überhäuft und gehören zu den besten Komödien, die das neue Jahrtausend hervorgebracht hat. Hazanavicius nahm die Romane des 1963 bei einem Verkehrsunfall getöteten Jean Bruce und adaptierte sie in höchst humoristischer Weise, ohne den Kern der Figur zu verändern. Auch hier ist Hubert Bonnisseur de la Bath ein eitler Fatzke und nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Sexistisch, rassistisch, antisemitisch, homophob, nationalistisch und überheblich stolziert Dujardin durch die Welt, als sei er ein AfD-Politiker, ist dabei colgatezahnweißcharmant (und weiß das auch), überrumpelt eher zufällig die Schurken (Nazis in Kairo bzw. Rio) und gewinnt die Gunst der Schönen (Bérénice Bejo in Teil 1, Louise Monot in Teil 2). Garniert ist das Ganze mit den schönsten Postkartenaufnahmen aus Frankreich, Ägypten und Brasilien.
In Deutschland gab es für die beiden Filme groteskerweise keinen Kinostart, dafür übernahm kein Geringerer als Oliver Kalkofe die Aufgabe, für das DVD-Release die fulminant-witzigen Dialoge ins Deutsche zu übersetzen und Jean Dujardin zu synchronisieren. Ein Glanzlicht ist natürlich der von mir sehr geschätzte François Damiens in einer herrlichen Nebenrolle, und in Teil 2 spielt auch mein lieber Facebook-Freund Cirillo Luna mit. Wer Bond mag, sollte OSS 117 schauen. Wer Komödien mag, sollte auch OSS 117 schauen. Dasselbe gilt für alle, die Frauen und Urlaub in der Sonne mögen. Die Filme gehören einfach in jede Sammlung. Das Trio Hazanavicius/Dujardin/Béjo sorgte übrigens mit dem weitaus schwächeren »The Artist« (2011) weltweit für Furore und heimste diverse Oscars ein.

André Schneider

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3 thoughts on “Filmtipp #299 & #300: Die OSS 117-Filme

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