Filmtipp #461: Was diese Frau so alles treibt

Was diese Frau so alles treibt

Originaltitel: The Thrill of It All; Regie: Norman Jewison; Drehbuch: Carl Reiner; Kamera: Russell Metty; Musik: DeVol; Darsteller: Doris Day, James Garner, Arlene Francis, Edward Andrews, Reginald Owen. USA 1963.

The Thrill of It All

»Hello. I’m… I’m Beverly Boyer and I’m a pig.«

Wie jedes Jahr gibt es auch heute wieder einen besonderen Geburtstags-Filmtipp für Doris Day, die heute entweder 95 oder 93 Jahre alt wird (ihr Geburtsjahr variiert beharrlich zwischen 1922 und 1924). Ich gebe zu, noch nicht alle 39 Day-Filme gesehen zu haben — gerade die frühen aus den späten 1940ern fehlen mir —, aber von denen, die ich kenne, ist mir »The Thrill of It All« der liebste. Das ist vor allem Carl Reiners brillantem Drehbuch geschuldet, das vor Originalität nur so birst. »The Thrill of It All« ist eine zeitlos witzige Familienkomödie mit herrlichen Slapstick-Einlagen und viel Sprachwitz. Man sieht, dass alle Beteiligten einen Heidenspaß an der Sache hatten. Ansprechend ist auch die Besetzung in den Nebenrollen: So taucht zum Beispiel Zasu Pitts (in ihrer letzten Rolle) als verhärmtes Hausmädchen auf, dem der Trubel alsbald zu viel wird, weshalb die dralle Lucy Landau alias Mrs. Goethe ihre Stelle übernimmt. (In der deutschen Synchronfassung wurde aus der deutschen Haushälterin eine Italienerin, was übrigens auch sehr komisch ist.) Mit Elliott Reid, Edward Andrews und Reginald Owen sind einige der »üblichen Verdächtigen« mit von der Partie, und Arlene Francis (One, Two, Three) gibt im Alter von 56 Jahren (!) eine werdende Mutter. Okay, okay, der Film ist nicht ganz frei von Logiklöchern, aber es handelt sich schließlich um eine Komödie; wer es da zu genau nimmt, verdirbt sich selbst den Spaß. Ursprünglich hatte Produzent Ross Hunter übrigens Walter Matthau für den Film gewinnen wollen. Da dieser jedoch eine Gagenforderung von 100.000 Dollar in den Raum stellte, besetzte Hunter wutentbrannt Matthaus Rolle mit dem preiswerteren Edward Andrews. »The Thrill of It All« ist einer der wenigen Filme, in denen Doris Day nicht eine Silbe singt; der schmissige Titelsong wird von den Johnny Mann Singers geschmettert.

Carl Reiner hatte die Rolle der Beverly Boyer eigentlich für Judy Holliday geschrieben, doch da diese gesundheitlich bereits schwer angeschlagen war — sie starb schließlich 1965 im Alter von 43 Jahren —, übernahm Doris Day den Part. Beverly Boyer ist mit ihrem Leben als Arztgattin in Suburbia ausgefüllt und glücklich. Sie und Gerald (Garner), der ein erfolgreicher Gynäkologe ist, haben zwei wohlgeratene Kinder (Kym Karath und Brian Nash) und repräsentieren den amerikanischen Traum in lupenreiner Perfektion. Das ändert sich jedoch, als die Boyers eines Tages zum Abendessen bei den Fraleighs eingeladen sind. Mrs. Fraleigh (Francis) ist eine Patientin von Gerald und sprudelt gerade über vor Glück ob ihrer unverhofften späten Schwangerschaft. Während des Abendessens erzählt Beverly in ihrer herzlichen Naivität von einem Badeerlebnis mit ihrer kleinen Tochter, die ganz wild darauf bestand, mit »Happy Soap« shampooniert zu werden. Die kurze Anekdote bleibt nicht ohne Folgen, denn der ebenfalls anwesende Fraleigh Sr. (Owen) ist der Besitzer der Seifen-Fabrik. Er ist sofort Feuer und Flamme für Beverly und bietet ihr an, als neues »Happy Girl« für sein Produkt im Fernsehen zu werben. Beverly ziert sich zwar zunächst, sagt dann jedoch mit Blick auf das Honorar geschmeichelt zu. Während ihrer ersten TV-Sendung — live! — erlebt sie eine entsetzliche Blamage und schwört sich, nie wieder vor eine Kamera zu treten. Doch siehe da: die Zuschauer lieben die Natürlichkeit des neuen »Happy Girls« und lechzen nach mehr. Beverly wird zum Werbe-Star mit riesigem Erfolg. Es dauert nicht lange, bis das Familienleben unter Muttis neuer Karriere leidet, denn wenn Gerald abends aus dem Krankenhaus kommt, muss Beverly ins Fernsehstudio. Bald schon schäumt der anfänglich so verständnisvolle Gerald vor Wut und stellt seiner Frau ein Ultimatum…
Natürlich entscheidet der männliche Part die Machtprobe zwischen den Ehepartnern am Ende für sich, das musste anno 1963 einfach so sein. Das etwas gefühlsduselige, konventionelle Ende ist jedoch ob der Freude, die dieser Film uns in den ersten 100 Minuten beschert, verzeihlich. Mit beinahe 12 Millionen US-Dollar Einspielergebnis gehörte der Streifen zu den 20 erfolgreichsten Produktionen des Jahres 1963.

Unglücklicherweise ist der Film in seiner (wirklich guten!) deutschen Synchronfassung bis heute in keiner akzeptablen Qualität erhältlich, so dass man mit der Originalfassung aus den USA vorlieb nehmen muss.

André Schneider

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