Filmtipp #429: Hasch mich, ich bin der Mörder

Hasch mich, ich bin der Mörder

Originaltitel: Jo; Regie: Jean Girault; Drehbuch: Claude Magnier; Kamera: Henri Decaë; Musik: Raymond Lefèvre; Darsteller: Louis de Funès, Claude Gensac, Michel Galabru, Bernard Blier, Christiane Muller. Frankreich 1971.

jo

»Nein!« — »Doch!« — »Oh!«

So sehr ich Frankreich — und auch den französischen Film — liebe: Für Louis de Funès konnte ich mich nie so ganz erwärmen. Sein hysterisches Gefuchtel fand ich nie komisch, eher nervtötend. Hinzu kam, dass ich das Gefühl hatte, seine Filme nicht auseinanderhalten zu können. Und doch erinnere ich mich an ein paar Momente, die mir richtig Spaß gemacht hatten. Da gab es zum Beispiel eine Komödie mit Geraldine Chaplin, die komplett in einem Auto spielte und die ich als äußerst spaßig in Erinnerung habe: »Sur un arbre perché« (Regie: Serge Korber). Dann gab es noch »L’aile ou la cuisse« (Regie: Claude Zidi), »Les aventures de Rabbi Jacob« (Regie: Gérard Oury) und natürlich dieser feine Klamauk nach dem Bühnenjux »The Gazebo« von Alec Coppel, in dessen Mittelpunkt ein Pavillon steht (unter dem eine Leiche verscharrt ist). Das turbulente Stück war unter anderem bereits 1959 mit Glenn Ford und Debbie Reynolds verfilmt sowie unter dem Titel »Der Aussichtsturm« (Regie: Wilm ten Haaf) mit Horst Tappert für die ARD adaptiert worden, bevor Claude Magnier es ins Französische übersetzte und befand, dass der Stoff wie maßgeschneidert für die Talente von Louis de Funès war, welcher damit eines seiner gelungensten und erfolgreichsten Vehikel fand.

Der prominente Bühnenautor Antoine Brisebard (de Funès) ist eigentlich im gehobenen Boulevard daheim. Seine Gattin Sylvie (Gensac) ist der Star seiner Stücke. Augenblicklich beschäftigt er sich jedoch mit einem Kriminalstück und steckt nicht nur künstlerisch in Schwierigkeiten: Er wird nämlich von einem heimtückischen Halunken namens Monsieur Jo erpresst und plant dessen Ermordung. Er lockt Monsieur Jo in sein Haus, bringt es dann aber nicht übers Herz, ihn zu erschießen. Als er resigniert den Revolver fallen lässt, löst sich ein Schuss und trifft den Erpresser tödlich. Wohin jetzt mit der Leiche? Brisebard verbuddelt Monsieur Jo im Garten, wo am nächsten Morgen ein neuer Pavillon aufgebaut werden soll. Doch am nächsten Tag stellt sich heraus, dass der Tote nicht Monsieur Jo gewesen sein kann und Brisebard versehentlich einen Fremden auf dem Gewissen hat. Bald schon schnüffelt ein emsiger Inspektor (Blier) auf dem Grundstück der Brisebards herum, es kommt zu zahlreichen Verwechslungen und Irrungen, und schließlich zerstört ein Blitz den Gartenpavillon, so dass Brisebard und seine Frau die Leiche zunächst in einer Statue, dann in einer Standuhr und schließlich in einem riesigen Koffer verstecken…

»Jo« wimmelt von grotesken Einfällen, urkomischen Slapstick-Einlagen, running gags und albernen Dialogen, dass es nur so eine Freude ist. Da wären beispielsweise Ferdy Mayne als englischer Gentleman, der mit seiner ewig betrunkenen Frau (Yvonne Clech) reges Interesse an dem Brisebard’schen Anwesen zeigt, und Christiane Muller als ständig in wildes Gelächter ausbrechendes Hausmädchen Mathilde. Legendär ist die Szene, in der der neugierige Inspektor und Brisebard ständig die Plätze auf dem Sofa tauschen und der Kriminale stets viel größer zu sein scheint. Louis de Funès war voll in seinem Element und vermutlich überglücklich, von seinen treuesten Mitarbeitern umgeben zu sein, allen voran Regisseur Jean Girault, der unter anderem die »Gendarm«-Reihe mit ihm gedreht hatte, und die unvergleichliche Claude Gensac, die in vielen Filmen seine ebenso geduldige wie eigensinnige Ehefrau gab. »Jo« ist trotz seiner überragenden Qualität merkwürdigerweise einer jener de-Funès-Filme, die kaum im Fernsehen gezeigt werden; auch die DVD-Veröffentlichung ließ lange auf sich warten.

André Schneider

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