Filmtipp #468: Mickey One

Mickey One

Originaltitel: Mickey One; Regie: Arthur Penn; Drehbuch: Alan M. Surgal; Kamera: Ghislain Cloquet; Musik: Eddie Sauter, Stan Getz; Darsteller: Warren Beatty, Alexandra Stewart, Hurd Hatfield, Terry Hart, Franchot Tone. USA 1965.

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Ein merkwürdiger Krimi und eine unkomische Komödie ist dieses kuriose Konstrukt, das szenenweise unheimlich faszinierend ist, in seiner Gänze von 92 Minuten jedoch verwirrt und ermüdet: Warren Beatty verkörpert ungelenk einen Chicagoer Stand-up Comedian mit Zockerproblem. Als er seine Spielschulden nicht bezahlt, sieht er sich — vielleicht fälschlicherweise — von der ortsansässigen Mafia bedroht und entwickelt einen an Paranoia grenzenden Verfolgungswahn. Er schmeißt sein Engagement hin, verbrennt all seine Papiere und ändert seinen Namen in Mickey One, um inkognito eine neue Existenz zu gründen. Er entscheidet sich für eine Tätigkeit als Müllfahrer, doch seine Sehnsucht nach dem Applaus des Publikums zieht ihn bald schon wieder in seinen alten Beruf zurück.

»Mickey One« ist ein interessanter Fehlschlag: eine zu sehr um Kunst bemühte, symbolisch überfrachtete Reise in die menschliche Psyche, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitert. Der Film pendelt unentschlossen zwischen Surrealismus und Realismus, entleiht sich unkoordiniert einige Stilelemente der nouvelle vague und überzeugt einzig durch die famose Kameraarbeit von Ghislain Cloquet und den hin- und mitreißenden Soundtrack von Stan Getz, der zu den besten der Filmgeschichte gehört. Eine peinliche Leistung liefert der junge Warren Beatty ab, der mit der Komplexität seiner Rolle offensichtlich überfordert war; besonders in seinen Szenen als Comedian wirkt er fehlplatziert und unglaubwürdig. Kurz nach »Mickey One« taten sich Beatty und Regisseur Penn ein weiteres Mal zusammen und fuhren mit »Bonnie and Clyde« (1967) einen Welterfolg ein. »Mickey One« hatte beim New York Film Festival seinerzeit einen ganz passablen Start, und Penn wurde in Venedig für den Goldenen Löwen nominiert, aber insgesamt waren die Kritiken durchmischt, und der Film wurde in nur wenigen Kinos gezeigt, so dass ihm kommerziell kein Erfolg zuteil werden konnte. Erst gut 30 Jahre später wurde »Mickey One« wieder neu entdeckt. Dank seiner Seltenheit und dem nach wie vor ausgesprochen hörenswerten Soundtrack mauserte sich dieser bizarre kleine Schinken im Laufe der Zeit zu einem richtigen Kultfilm.

André Schneider

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