Filmtipp #261: Was gibt’s Neues, Pussy?

Was gibt’s Neues, Pussy?

Originaltitel: What’s New, Pussycat?; Regie: Clive Donner; Drehbuch: Woody Allen; Kamera: Jean Badal; Musik: Burt Bacharach; Darsteller: Peter Sellers, Peter O’Toole, Romy Schneider, Woody Allen, Capucine. GB/USA/Frankreich 1965.

what's new pussycatDer Engländer Michael James (O’Toole, Venus) ist Reporter bei einem führenden Modemagazin in Paris und mit der Berlitz-Lehrerin Carole (Schneider, Otley) verlobt. Berufsbedingt kommt er ständig mit den schönsten Frauen (u. a. Paula Prentiss, Capucine, Kathrin Schaake) in Kontakt — und hat leider nie gelernt, Nein zu sagen. Um seine bevorstehende Eheschließung nicht durch seine notorische Untreue zu gefährden, wendet er sich an den Psychologen Fritz Fassbender (Sellers, The Ladykillers). Der allerdings ist sexuell frustriert und hätte ausgesprochen gerne Michaels Probleme. Und dann wäre da noch Michaels bester Freund Victor (Allen, Another Woman), der heimlich in Carole verschossen ist und auf seine große Chance wartet…

Man mag es kaum glauben, doch dieser lahme Nonsens-Ulk war eine der erfolgreichsten Produktionen des Kinojahres 1965 und erlangte über die Jahrzehnte als den gewandelten Zeitgeist der swinging sixties verkörpernde Popkomödie Kultstatus. Dabei setzte Produzent Charles K. Feldman anfangs keine großen Hoffnungen in das Projekt. Das ihm bereits vorliegende, völlig verkorkste Drehbuch von Warren Beatty (!) ließ er von dem bis dato nur in Nachtclubs und TV-Shows aufgetretenen Komiker Woody Allen immer wieder umschreiben, ohne dass daraus jemals eine brauchbare Story wurde. Als die Dreharbeiten im Herbst 1964 schließlich begannen, war das Skript noch immer nicht »rund«, dafür hatten sich Feldman und Regisseur Donner entschieden, einige Schauwerte zu präsentieren. Zunächst einmal wurde ausschließlich in Paris und Umgebung gedreht, dann fuhr man etliche Gaststars von Ursula Andress — die endlich mal nicht fremdsynchronisiert wurde, so dass man sich über ihr brachiales Englisch (»Guht afterrnuhn! Määh ei juus juhr Tehlehfoooon?«) freuen kann — über Richard Burton bis Françoise Hardy auf, und schließlich verpflichtete man Burt Bacharach als Komponisten. Der von Tom Jones geschmetterte Titelsong wurde gar für einen Oscar vorgeschlagen. Das Handlungsgerüst indes wurde mühsam von an Klamauk kaum zu überbietenden Szenenfolgen zusammengehalten, und so distanzierte sich Woody Allen noch vor der Uraufführung von dem Streifen, der trotz herber Verrisse schließlich 17 Millionen Dollar einfuhr und den Beginn seiner erfolgreichen Filmkarriere einläutete.
Heute, 50 Jahre nach seiner Premiere, wirkt »What’s New, Pussycat?« seltsam antiquiert, verfügt aber nicht über den Charme, den beispielsweise Wild and Wonderful oder Pillow Talk im Laufe der Zeit gewinnen konnten. Was bleibt, ist Peter Sellers’ bravouröse Einzelleistung als sexbesessener Verrückter und das einwandfrei inszenierte Finale auf dem Landschlösschen, wo der Film zu einer rasant montierten Türenklapp-Farce mutiert, die wirklich amüsant ist.

Dem biederen deutschen Publikum wollte oder konnte man anno dazumal natürlich keinen deutschen Irrenarzt präsentieren, und so wurde aus Fritz Fassbender in der deutschen Fassung der verblödete Russe Dr. Popowitsch — was ziemlich genau alles über die Qualität des deutschen Synchronbuches sagt. Romy Schneider, die ihre deplatziert-brave Rolle in dem Streifen ohnehin nicht sonderlich mochte (O-Ton: »In meinen Augen war das eh ein pornographischer Film.«), verweigerte klugerweise ihre Mitwirkung an der Synchronfassung, was ihr vom Publikum als Arroganz und Deutschenhass ausgelegt wurde. Die Aktrice hielt »What’s New, Pussycat?« für einen ihrer schlechtesten Filme überhaupt, während ihre Tochter Sarah Biasini das Machwerk zu ihren Lieblingsfilmen zählt.

André Schneider

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