Filmtipp #121: Modern Millie – Reicher Mann gesucht

Modern Millie — Reicher Mann gesucht

Originaltitel: Thoroughly Modern Millie; Regie: George Roy Hill; Drehbuch: Richard Morris; Kamera: Russell Metty; Musik: Elmer Bernstein, André Previn; Darsteller: Julie Andrews, Mary Tyler Moore, Carol Channing, James Fox, John Gavin. USA 1967.

Thoroughly Modern Millie

Unlängst beschwerte sich jemand per E-Mail, dass bei meinen Filmtipps das Musical-Genre unterrepräsentiert sei, und da ich kein ausgesprochener Musical-Freund bin, ist das sicher nicht von der Hand zu weisen. Aber ja, ab und an schafft es auch ein Musical, mich zu begeistern. »Thoroughly Modern Millie« ist so eines. Nach »Mary Poppins« (Regie: Robert Stevenson) und »The Sound of Music« (Regie: Robert Wise) war dies das dritte Musical-Spektakel mit Julie Andrews, es wurde jedoch im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern bei weitem nicht so berühmt.
     Das New York der roaring twenties bildet den farbenprächtigen Hintergrund für diese schmissige Komödie, die durch ihre bestechenden Kostüme und flotten Songs für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Die Andrews gibt uns die quirlige Titelheldin Millie, die gerade erfolgreich die Handelsschule absolviert hat und in der Großstadt ihren Start ins Berufsleben wagen will. Lange möchte sie jedoch nicht als Sekretärin arbeiten, ihr Plan ist es, möglichst rasch einen reichen Chef becircen und heiraten zu können. Blöderweise lobt ihr Vorgesetzter, der aparte Trevor Graydon (John Gavin, Midnight Lace), lediglich ihre beruflichen Qualitäten. Der adrette Jimmy (James Fox) indes ist völlig in Millie vernarrt und lässt mit ihr keine der Tanzveranstaltungen aus, die die Stadt mit ihren flotten Charleston-Rhythmen zu bieten hat. Als hätte Millie nicht nur allerhand damit zu tun, sich den verliebten Jimmy vom Halse zu halten, macht ihr auch noch die niedlich-trottelige Miss Dorothy (Mary Tyler Moore) das Leben schwer, da diese einfach nicht mit dem Großstadtleben klar kommt und auf ständige Hilfe angewiesen ist. Die Handlung wird turbulent, als sich die Unterwelt in Gestalt von Mrs. Meers (Beatrice Lillie), der zwielichtigen Vermieterin der beiden, und ihrer Mädchenhändlerbande in das Geschehen drängt. Bei einer wilden Party des reichen Jazzbabys Muzzy (Carol Channing) fließen letztlich alle Fäden zusammen.

Mit einer Länge von rund 150 Minuten ist »Thoroughly Modern Millie« weiß Gott kein kleines Häppchen für zwischendurch, aber man ist durchweg gut unterhalten. Die Steppnummern von Mary Tyler Moore und Julie Andrews im Fahrstuhl sind einfach köstlich, Broadway-Legende Beatrice Lillie gibt eine liebenswert böse Schurkin ab, und die spielfreudig-energetische Carol Channing konnte sich richtig austoben. Andrews und Regisseur Hill hatten bereits bei der aufwendigen Michener-Verfilmung »Hawaii« (1966) miteinander gearbeitet und waren somit überlängenerprobt.
     Bei den Oscarfeierlichkeiten 1968 musste »Thoroughly Modern Millie« gegen die beiden großen Musicals »Doctor Doolittle« (Regie: Richard Fleischer) und »Camelot« (Regie: Joshua Logan) antreten, die allerdings ganz im Gegensatz zu Hills musikalischem Feuerwerk ein wahres Desaster an den Kinokassen erlebten. Nominiert waren Carol Channing, die Ausstattung, der Ton und die Kostüme von Jean Louis, die einen der Höhepunkte des Films bilden. Die einzige Auszeichnung gewann Elmer Bernstein in der Sparte Bester Original-Soundtrack.

André Schneider

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