27. April 2013

Ein permanentes Ein-, Um- und Ausziehen in unserem Haus. Über uns die Handwerker; es klingt, als bekämen die neuen Mieter eine Dachterrasse. Bei offener Balkontüre sitze ich und feile an meinen Kurzgeschichten. Das Drehbuch für Antony ist fertig, bange erwarte ich sein Urteil. Ich habe grässliche Angst, der Film könnte platzen, weil die Finanzierung nicht zustande kommt. Bei Hundegebell und Kindergeschrei von der Straße schreibe ich mir die Angst vom Seelenfell. Seltsam, dass mir das Schreiben wieder so leicht fällt, wo doch zwischen Dr. F. und den Theaterproben immer nur begrenzt Zeit ist. Früher haben mich schmale Zeitfenster gehemmt; ein Termin mitten am Tage bremste mich so aus, dass ich weder vor-, noch hinterher schreiben konnte. Zum Schreiben brauchte ich bisher immer komplett freie Tage. Das ändert sich gerade.
     Was Dr. F. und ich gerade zutage fördern, möchte ich hier nicht mitteilen, das überschreitet die Grenzen zum Privaten sehr. Ohnehin habe ich in den letzten Wochen einige Male mein Innerstes zu ausführlich mitgeteilt. Manchmal muss ich mich vor mir selber schützen.

Einige Gedichte des How Soft a Whisper Can Get…-Projektes, die ich letzten Sommer eingesprochen habe, sind verschwunden, ich werde sie also noch einmal einlesen müssen. Schlimm ist das nicht, ich glaube, dass ich zu einigen Texten — zum Beispiel zu »Ich hätte Du sein sollen« von Paulo José Miranda — jetzt einen tieferen, wahrhaftigeren Zugang habe. Die Texte der Spanier und Portugiesen sind in sich so wollüstig und dramatisch, so voller Tragik, Leidenschaft und Schmerz, dass jedes Fitzelchen Pathos in der Stimme sie ins Lächerliche kippen könnte. Kostprobe gefällig?

Ich hätte Du sein sollen, ja
Und hier bei mir sein
Mit diesen Händen vorm Gesicht
Und meinen Tränen, die überhaupt nicht weh tun.

Men to Kiss
Anfang Juni erscheint Männer zum Knutschen in den USA und in Großbritannien auf DVD, und von Le deuxième commencement wird es eine streng limitierte (50 Exemplare) DVD-Auflage geben. Mehr Informationen dazu gibt es in Kürze. (Tipp: Immer mal wieder meine Seite mit den Terminen checken, die wird regelmäßig aktualisiert!)
     Bin immer noch sprachlos, was die rechtsextremen Ausschreitungen in Frankreich betrifft. Durch die Gleichstellung der Homo-Ehe wird niemandem etwas weggenommen. Diesen offenen Hass, der sich wie eine giftige Geschwulst ausbreitet, verstehe ich einfach nicht. Ich will ihn auch nicht verstehen.
     Ein wunderbares Wochenende wünsche ich Euch.

André

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