2. Februar 2019

Zwei Monate und ein paar Tage sind seit meiner breit angekündigten Blog-Pause vergangen, und schon muss ich sie unterbrechen — allerdings aus einem guten Grund, denn am 24. Februar wird Les Fantômes im Babylon laufen. (Den genauen Termin findet Ihr hier.) Alexandre Vallès, Jean-Pierre Stora und Walter Billoni werden auch anwesend sein. Zufällig hätte Marisa Mell an diesem Tag ihren 80. Geburtstag gefeiert. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass ich in Graz aus der Feuerblume vorgelesen habe. Sie ist komischerweise immer noch seltsam präsent und ist auch immer mal wieder Thema in meinen Sitzungen mit Frau A. — Wie dem auch sei, ich möchte Euch hiermit herzlich zur Vorführung von Les Fantômes einladen. Es wird vermutlich die einzige im deutschsprachigen Raum bleiben.

Wenn ich schon hier bin…
Am 23. Dezember starb wieder ein Onkel. Wieder Krebs. Gehirntumor. Zwei Jahre Kampf, vier OPs, Metastasen, auf-zu. Während der Fahrt nach Bockhorn, ich am Steuer, redete mein Papa. Ungewohnt für mich, weil er dies sonst nicht tut. Aber diesmal sprach er: von seinem Vater, der so früh und tragisch verunglückte, von der Ausbildung damals, von den herablassenden Sprüchen der Gymnasiasten und den ersten Jahren mit meiner Mutter in Hannover. Sie hatten sich noch keine Waschmaschine leisten können, 1970/71, und fuhren einmal im Monat mit der Schmutzwäsche nach Friesland, um bei meinen Großeltern zu waschen. Nur die Unterwäsche kochte meine Mutter daheim im Topf aus. »Hat Opa eigentlich gesächselt?«, fragte ich. Er verneinte. — Ich habe es immer geliebt, wenn meine Eltern von früher erzählt haben. Mama auf dem Bauernhof. Sie teilte sich das winzige Zimmer, die spätere Nähstube meiner Oma Agnes, mit zwei Schwestern und versteckte die neugeborenen Katzenbabys auf dem Heuboden vor ihrem Großvater, damit er sie nicht ertränkte. Früher, wenn sie mich in den Kindergarten fuhr und wir den leuchtend roten Morgenhimmel sahen, zitierte sie das plattdeutsche Weihnachtsgedicht: »Kiek ins, wat is de Himmel so rot. / Dat sünd de Engels, de backt dat Brot. / De backt den Wiehnachtsmann sin Stuten, / för all de lütten Leckersnuten.« (Mittlerweile weiß ich, dass das Gedicht eigentlich drei Strophen hat, aber ich kann nur die erste auswendig.)
Nach dem Weihnachtsessen mit der Familie gingen Tante Helga, Mama und ich zum Friedhof. Onkel Gerd und Onkel Thomas haben beide die 70 nicht erreicht. Oma und ihre Schwestern ruhen nur ein paar Steinwürfe auseinander. Ute, Mamas kleine Schwester, die mit 40 starb, liegt zwei Gräber von ihren Eltern entfernt. Ich erinnere mich an eine lange Autofahrt mit ihr, als ich 16 war. Sie wohnte damals schon in Frankfurt und hatte sich bereiterklärt, mich zur Buchmesse mitzunehmen. Wir fuhren von Bockhorn aus. »Manchmal möchte ich meine Mutter nehmen und so lange schütteln, bis es oben wieder einrastet«, sagte sie, und wir mussten beide lachen. — Erinnerungsblitze an meinen Opi, den ich so abgöttisch geliebt habe und heute noch vermisse, und an Oma Agnes’ mauliges Gesicht. Oma Hanna, die Mutter meines Vaters, lebt noch. Sie wird im August 97 und braucht jetzt doch ein Gebiss. (Es ist nicht lange her, dass ihr nach einer Augen-Operation die Krankenschwester — die nicht wissen konnte, dass sie noch all ihre Zähne hatte — in den Mund griff, um ihr das Gebiss herauszunehmen, und meine Oma erschrocken schrie: »Wat maakt Ji?! Dat sünd mien!«)
Am Mittwoch haben meine Eltern ihren 49. Hochzeitstag, 2020 wird dann groß gefeiert.

Félix Maritaud in “Jonas”.

Die Vorweihnachtszeit war alles andere als besinnlich, und die Festtage selbst waren destillierter Stress, aber dafür ging’s zwischen den Jahren betulich zu. Ich habe Papierkram erledigt und die Bude auf Vordermann gebracht, die Regale entstaubt und alle Ecken geschrubbt, damit ich beruhigt die Jahre wechseln lassen konnte.
Einer der letzten Filme, die ich im alten Jahr sah — mehrfach! —, war »Jonas« (Regie: Christophe Charrier), eine TV-Produktion für Arte. Gut zwei Monate später bin ich immer noch sprachlos. Der Film erzählt folgende Geschichte: Jonas (Félix Maritaud) ist Anfang 30 und treibt eher schlecht als recht durchs Leben. Er wird, nachdem er wiederholt in einem Schwulenclub randaliert hat, von der Polizei aufgegriffen, jobbt in einem Krankenhaus in Toulon und wird aufgrund zahlreicher Fremdvögeleien von seinem Freund vor die Tür gesetzt. In Rückblenden wird erzählt, wie Jonas zu dem wurde, der er heute ist. Ein Schlüsselmoment war die erste große Liebe: mit Nathan (Tommy Lee Baïk) verband den einst 15jährigen (hier gespielt von Nicolas Bauwens) ein besonders starkes Band, sie trotzten den Anfeindungen der Klassenkameraden, spielten GameBoy und knutschten im Kino bei Filmen von Gregg Araki. Doch eines Abends stiegen sie zu einem Fremden ins Auto… Jonas gelang die Flucht, Nathan wurde nie wieder gesehen. Seine Ungewissheit und die Schuldgefühle kulminieren in einer Reihe von Verzweiflungstaten. — Ich werde den Film bei Gelegenheit noch einmal ausführlicher behandeln. Er ist in seinen Vor- und Rückblenden, welche in einer Art Spirale zusammengeführt werden, geschickt konstruiert und psychologisch einwandfrei recherchiert und gespielt. Aure Atika, die hier die Mutter von Nathan spielt, versetzt einem mit ihrem Spiel tiefe Schnitte ins Herz. Ein Fernsehfilm, der durch und durch Kinoformat hat und dessen einzige Schwäche in der Besetzung des jungen Jonas liegt, der Félix Maritaud leider so gar nicht ähnelt.
Darüber hinaus sah ich Woman on the Run am Neujahrsmorgen, »Aus dem Nichts« (Regie: Fatih Akin), »Herrliche Zeiten« (Regie: Oskar Roehler), einen unheimlich bewegenden Téchiné-Film mit Sandrine Kiberlain sowie »Maudie« (Regie: Aisling Walsh) mit Sally Hawkins und Ethan Hawke. Eine leise Geschichte, die von ihren Figuren lebt und nicht von irgendwelchen Effekten. Der Film atmete und lebte kraft der schauspielerischen Leistungen. »Ein Schauspieler muss seine Rollen lieben«, lautet ein Sprichwort. Auf Sally Hawkins trifft dies ganz bestimmt zu. Sie haucht ihrer Maudie eben jene Dreidimensionalität ein, zu der Plastik-Stars wie Scarlett Johansson & Co. nie und nimmer in der Lage wären. Mit einer einzigen Geste, einem Blick schafft Hawkins es, sich in unser Herz zu spielen (und es zu brechen, wenn Maudie mehr und mehr erkrankt). Das ist eine Gabe, die nur wenige haben. Ebenfalls klasse: Ethan Hawke als ungeschliffen-rauher Fischer, der nicht weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Die Liebe der beiden ist eine ohne Worte, ohne Kitsch, ohne Sentimentalität, die so oft mit Romantik verwechselt wird, und ohne sexuelle Leidenschaft — und doch geht sie tiefer als das, was uns sonst in Filmen als »die Liebe« verkauft wird.

Vor ziemlich genau einem Jahr: am 15. Januar 2018.

Die ersten zwei Semester sind überstanden und die Zeugnisse sehr gut. (Dabei ist es so, dass ich, obwohl ich das Lernen liebe, ungern die Schulbank drücke. Aber es ist doch ein Unterschied, ob ich das lerne, wofür ich mich entschieden habe — oder eben nicht. An der Uni und später an der Schauspielschule war ich letztendlich auch ein guter Schüler.) Vielleicht hat mich zum ersten Mal seit zehn Jahren so etwas wie Ehrgeiz gepackt. Ich möchte meine Kolleginnen, denen ich mich sehr verbunden fühle, nicht enttäuschen, ein phantastischer Erzieher werden und jungen Menschen dabei helfen, einen möglichst »einfachen« Start ins (Schul-)Leben zu finden. Das heißt für mich: ihnen Sicherheit, Struktur und — so albern das klingt — gute Manieren mit auf den Weg zu geben. Das Praktikum in der Kreuzberger Kita endete vor ziemlich genau einem Jahr, am Valentinstag 2018 trat ich meine jetzige Stellung an, gehe unverändert gerne zur Arbeit und bin bemüht, mein Bestes zu geben. Wenn ich meiner Mutter am Telefon über meinen Spaß an der Arbeit berichte, antwortet sie mit Sätzen wie »Das hättest du auch früher haben können!« oder »Bereust du nicht die ganzen verschwendeten Jahre?«, auf die ich nicht so reagieren kann, wie ich es gerne würde.
Zum Jahreswechsel schrieb ich Optimale an, um ihnen noch einmal Les Fantômes anzubieten und bat bei der Gelegenheit um eine Abrechnung. Optimale hat insgesamt sechs meiner Filme herausgebracht: Alex und der Löwe, Deed Poll, One Deep Breath, Sur les traces de ma mère, Le deuxième commencement und Bd. Voltaire. Unseren ersten Vertrag haben wir vor neun Jahren geschlossen, und bis zum heutigen Tage habe ich nie auch nur eine Abrechnung erhalten. Ich weiß, dass Nos jours légers, wie Alex und der Löwe in Frankreich betitelt ist, nach wie vor immer wieder nachbestellt wird, dass Bd. Voltaire über zehn Wochen in den Verkaufschats von Optimale unter den Top 10 war und dass Sur les traces de ma mère sich seit nunmehr drei Jahren gut verkauft. Immer, wenn ich in Paris bin, sehe ich mindestens zwei, drei meiner Filme in den Regalen der DVD-Geschäfte. Was soll ich sagen? Auf positiver Seite ist mitzuteilen: immerhin kam eine Antwort! Den Ton und den Inhalt derselben erspare ich Euch — wohl auch, weil ich immer noch fassungs- und sprachlos bin, denn immerhin verdient der Verleih ganz gut an uns. Seit Jahren. Aber seit dem Personalwechsel an Optimales Spitze hat sich dort einiges zum Nachteil verändert. Ich weiß, es sollte vermutlich nicht so sein, aber inzwischen ist mir das Ganze (fast) egal geworden. Also abgesehen davon, dass eine kleine Finanzspritze momentan ganz gut täte — schließlich habe ich hart dafür gearbeitet —, weil mich weiterhin Geldsorgen plagen. Nicht dermaßen, dass ich schlaflose Nächte hätte, aber immerhin. (Randnotiz: meine deutschen und US-amerikanischen Vertragspartner reagieren überhaupt nicht auf E-Mails oder Anrufe.)

Seit einem halben Jahr treffe ich mich immer dienstags zu einem Sprachtandem, um wenigstens ein bisschen das Französische in meinen Alltag zu integrieren. Meist treffen wir uns im Szimpla, dem ungarischen Kaffeehaus am Boxhagener Platz. Abgesehen davon, dass es dort gemütlich und die Küche ausgezeichnet ist, bietet das Szimpla einen hervorragenden Service. (Das benachbarte Macondo hat diesbezüglich stark abgebaut!) Wir fühlen uns da immer wohl, und meist verabrede ich mich jetzt auch mit anderen Freunden oder Freundinnen dort. Am 22. Januar, es war mal wieder Sprachtandem-Tag und ich hatte scheußliche Kopfschmerzen, wurden wir von einem Kellner bedient, den ich vorher noch nie gesehen hatte und bei dessen Anblick es mir schier den Atem verschlug. So einen schönen Mann hatte ich ewig nicht mehr gesehen, jedenfalls nicht aus der Nähe. Er sah ein wenig aus wie Simon Delattre, der Puppenspieler, aber er hatte einen noch viel hübscheren Mund und diese mädchenhaften Wimpern, die jedes Blinzeln zu einem kleinen Flügelschlag machen. Schlanke Finger, warmes Lächeln, klare Stimme. Als ich auf dem Heimweg mit meinem Fahrrad an einer Ampel hielt, schloss ich kurz die Augen und sah seinen Kopf an meiner Schulter, seinen Mund an meinem Hals, seine Hand in meiner Hand. Ausgangspunkt für traurig-schöne Tagträume, über die ich mit Frau A. sprechen konnte. Es sieht mir nicht ähnlich, so zu träumen. In der Vergangenheit habe ich — vielleicht auch aus Angst vor der Demütigung des Abblitzens? — stets einen gesunden Bogen um so ausnehmend schöne Menschen gemacht und hege gewiss nicht die Absicht, dies zu ändern. (Weil ich mich selbst im Grunde für unansehnlich halte?) Und dennoch löste sein Anblick eine Form von Wehmut und Sehnsucht aus, die mir entfernt vertraut schien. Eine verdrängte Vertrautheit, die mich grüßte und auf die ich öffentlich nicht weiter eingehen mag. Es soll reichen zu erwähnen, dass es in mir arbeitet, und das ist ganz sicher auch der Analyse zu verdanken.

Eigentlich hatte ich mich aufs Wochenende gefreut, aber dann erfuhr ich, dass ab morgen der Dreh an Ians Film weitergeht. Diesbezüglich laufe ich auf Autopilot. Ich tue einfach, was die Regie verlangt. Es ist, als würde ich an einem Abschleppseil durch das Projekt gezogen werden. Ich bin eine Marionette.
Euch wünsche ich an diesem Wochenende Entspannung, Spaß und Spiel. Später in diesem Monat folgen noch ein paar Beiträge bezüglich Les Fantômes.

André

Advertisements

1. September 2018

Adam Friesinger

Am 22. August fiel die erste Klappe für »Ein Liebhaber für drei«. Ian und sein Team drehten auf der Dachterrasse im 14. Stock eines Wohnhauses am Halleschen Tor. Es war ein Massaker. Als ich am 23. dazu stieß, um meine ersten Szenen mit Mirko Kraft zu drehen, schnürte mir die toxische Atmosphäre beinahe die Luft ab. Hier ein Fauchen, da ein Blaffen, dazwischen ausufernde Streitereien um Kompetenzen. Eine chaotische, schlecht organisierte Produktion. Nach vier Drehtagen war nur etwa ein Drittel (!) der geplanten Szenen abgedreht, und in der Nacht zum 26. August streckte ein leichter Herzinfarkt unseren Regisseur nieder. Noch im Krankenhaus liegend, entließ er den Kameramann und dessen Assistentin, der Aufnahmeleiter legte daraufhin ebenfalls die Arbeit nieder. Es war (und ist) ein Schock, der längst verdrängte (Dreh-)Erfahrungen, die ich seinerzeit in Deutschland machen musste, wieder an die Oberfläche spülte; seit Le deuxième commencement war ich ein respektvoll-umsichtiges Miteinander gewohnt gewesen. Jetzt weiß ich, dass das sieben luxuriöse Jahre bzw. Projekte waren.
Für die Rolle des Adam Friesinger habe ich mir die Haare aufhellen lassen. Die blonde Haartolle wurde mit Gel und Spray fixiert, dazu ein kleiner Bart. Das Bäuchlein passt auch, denn Adam ist ein fußballaffines Bärchen in Liebesnöten. An meinem ersten Drehtag wurden Mirko und ich auf besagter Dachterrasse von einer Drohne umkreist. Die Bilder sind wirklich außerordentlich schön. Besonderen Spaß hatte ich mit Nico Geiger, der den Thierry spielt, und mit Francisca Heldt. Nach Ians Genesung wird »Ein Liebhaber für drei« mit neuen Kräften weitergehen.

199 Zuschauer sahen Les Fantômes bei seiner Premiere. Nicht schlecht. Im November sind wir mit dem Film in Rumänien, diesmal im Wettbewerb in den Kategorien Bester Film und Bester Schauspieler. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten — wie immer hier — und wünsche jetzt erst einmal ein entspanntes Wochenende,

André

August 12, 2018

André Schneider on the Haunting Secrets of »The Ghosts«
by Kilian Melloy, EDGE Media Network, 1 July 2018.

Les Fantômes (»The Ghosts«) is a tiny European movie — the sort of thing that once was called an art house film. But the movie’s small scale serves as a reflection of the limited space in which the entire universe of a person’s mind can exist. In the case of Nicolas (André Schneider), a successful novelist who has just taken up residence in the Paris apartment once inhabited by his recently deceased grandmother, it’s a world ablaze with anxieties, pressed upon from every direction by the past, and peopled with shady figures who might or might not be spectral in nature.

Nicolas’ one friend is an elderly woman named Natalie (played by French star Judith Magre), whose pragmatic words of advice are free of coddling. A sample: We might be tormented by the tinges we are driven to do, but we do them anyway because we love what we do. We love it, that is, until we don’t. Obviously, Natalie keeps in mind that she is talking to an artist. Disillusionment, she knows, is part of the price. After Nicolas has a tryst with a hot male escort, she tells him to find a wife; sex is less important than companionship. Her idea of respectability might be quaint and narrow, but it also fits into the claustrophobic confines of the flat, the walls of which are covered in the memorabilia of someone else’s life.

But The Ghosts isn’t completely metaphorical. There’s the matter of that threatening man who keeps appearing in the flat — a man Nicolas can sometimes see, and sometimes can’t, and sometimes perceives only in his nightmares. When he panics and phones for the cops, Nicolas finds himself caught in an even more surreal situation: Being Austrian, he’s a target for the wrath and contempt of the racist police officers, just as he’s a handy whipping boy for the rages of a continually dissatisfied neighbor. Is Nicolas truly being haunted — and if so, by what? Lingering and malevolent spirits? His own terrors? Or the driving, devouring forces to which artists are sensitive… and, in some sense, accountable?

André Schneider, photographed by Eugen Zymner.

Schneider, who also wrote The Ghosts, was also the co-writer and star of director Alexandre Vallès’ last work, Bd. Voltaire, which follows a group of gay men in the hours leading up to their fateful decision to go to the Bataclan nightclub on the night that it’s the scene of a terrorist mass shooting. The Ghosts is much more a story of one person, as opposed to Bd. Voltaire, with its ensemble nature. EDGE had a chance to chat with Schneider about The Ghosts, and hear why it just might be Scheider’s last movie.

EDGE: The film starts off with some interesting mood-setting imagery. A metronome keeps time; Nicolas meticulously, even ritualistically, lays out a tea service. Is this to create a sense of the everyday against which to play the film’s coming strangeness? Is it to underscore Nicolas’ isolation?

André Schneider: Both assumptions are right. This first sequence also gives us an insight into Nicolas’ psyche. In less than three minutes, the audience knows that there’s definitely something wrong with this man. He is obviously suffering from some sort of obsessive compulsive disorder.

EDGE: It’s interesting to see Judith Magre bring this character to life. She seems to be in it purely for the fun! How did she come to be part of this project?

André Schneider: Judith Magre is a close friend of Jean-Pierre Stora, our composer, who is a friend of Alexandre Vallès. She liked our script and the part, and she was very fond of Alexandre, so she said yes. It’s been an extraordinary experience working with her. What a formidable lady! You know, she turned 91 the week we started shooting. She’s the Queen of the Paris stage, hasn’t been out of work once in 72 years, and still performs regularly. She’s a true professional, a force of nature, and has a good sense of humour.

EDGE: There’s a strange and tension-filled encounter between Nicolas and a rent boy named Guillaume (Pierre Emö). Ostensibly, Guillaume was there as a last-minute substitute for Nicolas’ usual escort, but there was a sense that maybe they had planned this scenario all along.

André Schneider: I like your way of thinking. All is open to interpretation, and I think your approach is wonderful. Pierre Emö’s character was the ray of light in this piece. He oozes a unique sort of sexuality: quite raw, pure, and strong, but at the same time strangely innocent, naive, almost child-like. Pierre is a model and works mainly in porn, so he’s totally at ease with his body and his sexuality. He was the perfect choice for the part and did it better than any trained actor could have done it.

EDGE: I wondered whether the character Nicolas might be a little autobiographical when he talks about how “the dark” wakes him up. He’s got some sort of obsession going on with the passage of time, with the past, and with death. All very true and maybe necessary for an artist!

André Schneider: Some lines here and there may be autobiographical, but let me assure you, this is not an autobiographical movie. I did that once, with One Deep Breath, and I honestly don’t want to put my life on display again. I’m not that interesting. I simply wanted to make a good, old-fashioned thriller before I turned 40 — one that also has a profound meaning behind it and that leaves the audience with plenty of ideas or thoughts. Les Fantômes is, among other things, definitely about the fear of death, or maybe even more: the fear of not having lived before you die, and the fear of being alone… or not being alone.

EDGE: There are various intimations that the flat is haunted, and it seems like the place has been engineered to give that feeling.

André Schneider: We were damn lucky to be able to shoot in Jean-Pierre Stora’s large apartment in the 16th Arrondissement of Paris. The moment I walked through the door I thought, »This place is a character in itself.« Honestly, both the apartment and the basement seemed like living, breathing creatures. There was so much history and soul on and inside the walls, it was genuinely spooky. We didn’t need a set decorator or an architect, we simply had good luck in finding the perfect surrounding for Nicolas.

EGDE: There’s a creepy sense that maybe all these strange people who come intruding into Nicolas’ home are ghosts of some sort. They seem ordinary enough — a neighbor, a passer-by in need of a phone, a couple of cops — and yet they are also menacing and accusatory and hostile.

André Schneider: Each scene had to convey a certain level of hostility, coming either from Nicolas himself or from the people he’s meeting. It’s layer upon layer. That’s what life in a big city is like.

EDGE: Those menacing and hostile people from outside, though, also seem like a comment on tensions in today’s world — the cops especially are overtly xenophobic. Are we seeing not a haunting so much as the effects of alienation?

André Schneider: Both are correct. I wanted this movie to have a slight political undertone. With all the horror and inhumanity that’s haunting both Europe and North America these days, it was inevitable.

EDGE: Several of the actors in this film were in Bd. Voltaire, too, in which the ultimate event was the shooting at the Bataclan. I wondered if you were making a reference: The victims from that film are showing up as ghosts, maybe, in this one?

André Schneider: [Laughs] No, no. The casting of both Walter Billoni and Bastien Gabriel was purely coincidal. We’ve had such a good time doing Bd .Voltaire that we wanted to work together again, and they were both available at the time of shooting. But the character names were borrowed from other co-stars or movie characters of my past: Nicolas Wolf was named after Nikolaus Firmkranz and Dominique Wolf, who played the leads in my directorial debut; Natalie Delpit is named after Laurent Delpit from Le deuxième commencement; Xavier Blanchet is a combination of Xavier Théoleyre and Rudy Blanchet from Bd. Voltaire.

EDGE: The director you worked with here is Alexandre Vallès, with whom you have worked before. In this case it seems there is a tighter and more intense energy to the work. How did the two of you negotiate, and then generate, that creative energy?

André Schneider: Frankly, we never negotiated, or even conversed on-set. I never got a single direction from him. We did discuss the script beforehand, though, and I gave him and Vanessa, our DP, total artistic freedom to do whatever they wanted to do with it. While we were shooting I tried to remain in character as much as possible, so I chose to isolate myself from the rest of the cast and crew as much as I could. I didn’t go out at night and didn’t meet any friends until the shoot was over.

EDGE: At various times Nicolas really seems to have reverted to a childlike state. We even see him curled up and sucking his thumb at one point! We don’t really know a lot about his backstory, but it seems there must have been a real trauma. Did you have something in mind that you played to? Some tragic event from the character’s past?

André Schneider: Yes, of course. To understand Nicolas completely, I had to develop a backstory and made up a complete biography. I even wrote a couple of journal entries from his point of view to get the emotions right. Music is always important, so I put together a playlist of songs that Nicolas would listen to. His voice and way of talking was also crucial; it changes a lot, depending on who is with him. By the time our camera started rolling, I knew Nicolas’ character inside out.

EDGE: You mentioned to me that preparing for this role took the better part of a year. What did that preparation consist of?

André Schneider: Before I started writing the script, I did a lot of research on psychopathology and paranoia. Reading Robert D. Hare’s book »Without Conscience« was highly educational. I listened extensively to scientific lectures on the subject. One of the best was held by Suzanne Grieger-Langer, who has incredible knowledge on the subject matter. When it came to preparing for the role itself, I studied the behaviour and mannerisms of the pychopaths I’ve known personally. I can tell you this much: It can be awfully disturbing to play a disturbed person.

EDGE: At various times, Nicolas is tormented by spectral voices. But who is the narrator at the film’s beginning and near the end? Is it the grandmother, who is musing about the nature of her life now that it is complete?

André Schneider: [Smiles] Could be, yes.

EDGE: You told me that this might be your last movie. Could you say a little about why that would be the case?

André Schneider: Oh, there were many different reasons — financial, artistic, and personal ones — that have led to this decision, and I could go on for hours, maybe even days, telling you about them, but I don’t want to bore you, nor your readers. Let’s just say that in recent years, it has become increasingly more difficult to make movies; the obstacles are enormous. Agreed, one should never say never, but honestly: I’ve grown tired of the business side of filmmaking. I’m going back to school now and am looking forward to giving my ambitions a new direction.

EDGE: Okay, but for the sake of discussion let’s assume this will not, in fact, be your last movie. Are there films you haven’t made yet that you would still like to get to?

André Schneider: It’s really not on the map right now. I can’t really think of an idea that would make all the effort worthwhile. I will always express myself through my writing, and maybe one day I will even act again. I would love to be in another Antony Hickling movie, or work with Daniel Rhyder in California. But these might be just dreams. We’ll see.

Note: Kilian Melloy has interviewed André three times before. You can read the previous articles here, here and here.