Filmtipp #616: An einem Freitag in Las Vegas

An einem Freitag in Las Vegas

Originaltitel: They Came to Rob Las Vegas/Las Vegas, 500 millones; Regie: Antonio Isasi-Isasmendi [Antonio Isasi]; Drehbuch: Antonio Isasi-Isasmendi [A. Isasi], Lluís Josep Comerón [L. Cameron], Jorge Illa [J. Illa], Jo Eisinger [J. Eisinger]; Kamera: Juan Gelpí; Musik: Georges Garvarentz; Darsteller: Gary Lockwood, Elke Sommer, Lee J. Cobb, Jack Palance, Roger Hanin. Spanien/Italien/BRD/Frankreich 1968.

»You’ll get me into trouble, Tony.« — »Our kind of trouble’s nice trouble.«

Es wirkt alles ziemlich amerikanisch in dieser durch und durch europäischen Produktion, die — abgesehen von ein paar Außenaufnahmen in Las Vegas — hauptsächlich in Madrid, Barcelona und Almería entstand und zu den coolsten heist movies zählt. Kaum ein Rezensent, der nicht heute noch die dynamische Brillanz der Montage (Schnitt: Elena Jaumandreu, Emilio Rodríguez) lobend hervorhebt. Darüber hinaus ist »Las Vegas, 500 milliones« ausgesprochen pfiffig konstruiert, elegant und flott inszeniert, souverän gespielt, herrlich ausgestattet und ebenso originell wie augenfreundlich fotografiert. Man könnte sagen, der Look des Streifens übertünche die nicht besonders frische Story, die auf einem eher mittelmäßigen Roman von André Lay fußt: Tony (Lockwood), ein als Croupier in Las Vegas tätiger Ex-Gangster, will den Tod seines Bruders (Jean Servais) rächen und den Unternehmer Skorsky (Cobb) ausnehmen. Er hat ein Techtelmechtel mit dessen Sekretärin Ann (Sommer), mit deren Hilfe er an die per Computer kurzfristig mitgeteilten Fahrtrouten der Skorsky’schen Geldtransporte kommt. Tony plant mit seinen Männern, den Freitagstransport zu überfallen. Dabei kommt ihm allerdings Douglas (Palance) in die Quere, der offiziell für das Schatzamt arbeitet und die Geldtransporte Skorskys für den Transport illegaler Goldbarren benutzt, welche im Laufe der Fahrt an die Mafia übergeben und dann über die Grenze nach Mexiko geschafft werden…

Mit mehr als zwei Stunden Lauflänge scheint »Las Vegas, 500 milliones« auf den ersten Blick etwas lang geraten, aber die eingangs erwähnte Inszenierung von Antonio Isasi ist action- und spannungsreich und einfach eine helle Freude. »Las Vegas, 500 milliones« war für alle Beteiligten ein großes Los. Zurecht wurde er in Spanien mit Preisen nur so überhäuft. In englischer Sprache gedreht, wurde der Gangsterfilm auch in den USA, wo er von Warner Bros. verliehen wurde, zu einem veritablen Publikumserfolg. Lange Zeit sah man ihn kaum — und wenn, dann nur in einer (gekürzten) TV-Fassung. 2012 kam der Film in einer liebevoll gestalteten DVD — auf 1.000 Exemplare limitiert — in Deutschland auf den Markt. (Ich habe die Nummer 360.) Unglücklicherweise fehlt der englische Originalton, und Elke Sommer — hier so erotisch wie nie! — wurde von Ursula Herwig synchronisiert. Für Fans des europäischen Genrekinos sind mit Georges Géret, Gérard Tichy, Luis Barboo, Beni Deus, George Rigaud und Antonio Casas ein paar angenehm bekannte Gesichter mit an Bord. Ein gelungenes Filmvergnügen!

André Schneider

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