Filmtipp #514: Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Originaltitel: Cosa avete fatto a Solange?; Regie: Massimo Dallamano; Drehbuch: Bruno Di Geronimo, Massimo Dallamano, Peter M. Thouet; Kamera: Joe D’Amato [Aristide Massaccesi]; Musik: Ennio Morricone; Darsteller: Fabio Testi, Cristina Galbó [Christine Galbo], Joachim Fuchsberger, Karin Baal, Günther Stoll. Italien/BRD 1972.

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Enrico Rossini (Testi), ein heißer, unglücklich verheirateter Italienischlehrer in London, möchte sich in einem Ruderboot auf der Themse mit Elizabeth (Galbó), einer seiner Schülerinnen, vergnügen, als diese plötzlich aufschreit und schwört, am Ufer einen Mord beobachtet zu haben. Tatsächlich wird kurz darauf die schrecklich zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Am Tatort findet die Polizei eine grüne Stecknadel. Während seiner ersten Vernehmung mit dem Inspektor Barth (Fuchsberger) verheddert sich Rossini in Widersprüche: einerseits muss er seine Unschuld beweisen, andererseits darf niemand, allen voran seine Schreckschraube von Frau (Baal), von seinen amourösen Verhältnissen mit minderjährigen Schülerinnen erfahren. Es dauert nicht lange, da wird Janet (Pilar Castel), eine Freundin Elizabeths, ebenfalls ermordet. Nachdem Elizabeth das dritte Opfer des Killers geworden ist und Scotland Yard weiterhin im Dunkeln tappt, stellt Rossini selbst Nachforschungen an und stößt alsbald auf ein Mädchen namens Solange (Camille Keaton) und ein grauenhaftes Geheimnis, das die Opfer miteinander verbindet…

»Wenn man nur zehn Gialli in seinem Leben ansehen will, dann muss ›Cosa avete fatto a Solange?‹ darunter sein!«, schwärmt Denny Corso in seinem Lexikon »Giallo — Die Farbe des Todes«. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde, aber »Cosa avete fatto a Solange?« ist definitiv ein guter Thriller mit einer interessanten moralischen Fallhöhe. Er basiert lose auf einer Geschichte von Edgar Wallace (»The Clue of the New Pin«) und erfuhr in Deutschland eine dementsprechende Auswertung. Hilfreich war hierbei natürlich, dass Joachim Fuchsberger einmal mehr den Ermittler gab und auch Karin Baal ihr widerliches Gesicht in die Kamera reckt. (Von ihrer Stimme möchte ich gar nicht erst anfangen.) Um die Wallace-Fans bei der Stange zu halten, wurde die deutsche Fassung radikal gekürzt — es fehlen 14 Minuten — und darüber hinaus von Clarissa Ambach auch noch umgeschnitten. Die westdeutschen Sehgewohnheiten anno 1972 durften nicht irritiert werden. — Zwischen dem 13. September und 1. November 1971 in London (Außenaufnahmen) und Rom (Atelieraufnahmen) in englischer Sprache gedreht — die aus Deutschland, Italien und Spanien stammenden Akteure wurden hinterher von Muttersprachlern zwar nachsynchronisiert, die englische Synchro war so aber immerhin lippensynchron, was das US-amerikanische Publikum sehr goutierte —, spricht vor allem ein hohes Maß an Authentizität und Stil für Dallamanos Giallo-Klassiker. Darüber hinaus schuf sein Kameramann, der spätere Trash-Regisseur Joe D’Amato, wirklich traumhaft arrangierte Bilder, die kein Geringerer als Ennio Morricone mit einer seiner schönsten Kompositionen veredelte. Fabio Testi, seinerzeit einer der attraktivsten Männer der europäischen Filmwelt, gibt eine gute Vorstellung als triebhafter Lehrer ab, während die deutsche Besetzung bestenfalls routiniert agiert. Eine besondere Erwähnung sollte Cristina Galbó finden: die damals 21jährige Spanierin spielt so überzeugend, dass sie sämtliche Kollegen platt an die Wand drückt. — Nach La polizia chiede aiuto dürfte dies Massimo Dallamanos beste Regiearbeit sein. Wenn es geht, schaut Euch die englische oder italienische Fassung an und meidet die deutsche.

André Schneider

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