Filmtipp #498 bis #500: Abgefilmtes Theater

Es klingt arrogant und stimmt auch nicht 100%ig, wenn ich sage, dass ich das Fernsehen nicht so recht akzeptiere. Mir ist bewusst, dass heutzutage die TV-Formate besser geschrieben und produziert werden als das Gros der Kinofilme. Trotzdem blende ich das Fernsehen immer noch aus. Filme werden für die große Leinwand gemacht. Trotzdem gibt es Ausnahmen, z. B. wenn Theateraufführungen fürs Fernsehen aufgezeichnet oder adaptiert werden. Heute stelle ich Euch in aller Kürze drei glanzvolle Fernsehmomente vor, geschrieben von Cocteau und Williams. Die DVDs sind als US-Importe erhältlich.

Ingrid Bergman in "The Human Voice".

Ingrid Bergman in “The Human Voice”.

#498: The Human Voice (1966)
Regie: Ted Kotcheff, mit Ingrid Bergman. — 50 Minuten.

Jean Cocteaus Einakter »La voix humaine« war einst eines der weltweit meistgespielten Stücke. Es gibt -zig Verfilmungen, so zum Beispiel von Roberto Rossellini (»Amore«, 1948, mit Anna Magnani) oder die TV-Adaption von Franz-Josef Wild mit der Knef. Camille Rutherford, Sabine Sinjen, Amparo Rivelles, Carmen Maura, Anna Proclemer, Denise Duval, Lourdes Norberto, Barbara Kowa und sogar Sophia Loren spielten die facettenreiche Figur in unterschiedlichsten Inszenierungen. Ingrid Bergman brachte das Stück in den 1960ern, produziert von ihrem Ehemann Lars Schmidt, an den Broadway und fügte dem Ganzen eine interessante neue Perspektive hinzu, denn sie legt die Figur ganz bewusst als ältere Frau — also jenseits der 50 — an, die wegen einer bedeutend jüngeren den Laufpass kriegt. Die Fernsehaufzeichnung entstand im Herbst 1966 in in den Wembley Studios in London.

Kim Stanley in "Dragon Country".

Kim Stanley in “Dragon Country”.

#499: Dragon Country (1970)
Regie: Glenn Jordan, mit Kim Stanley, William Redfield, Lois Smith, Alan Mixon. — 80 Minuten.

Zwei weniger bekannte Stücke von Tennessee Williams, »I Can’t Imagine Tomorrow« und das 20 Jahre zuvor entstandene »Talk to Me Like the Rain and Let Me Listen«, wurden 1970 für diese TV-Produktion zusammengebracht. Live in New York aufgezeichnet, sind die beiden kurzen Stücke — »Talk to Me Like the Rain and Let Me Listen« dauert nur etwas über 20 Minuten — vor allem wegen der grandiosen Schauspielerleistungen sehenswert, allen voran natürlich die unvergessene Kim Stanley, die, obwohl hier sichtbar nicht in Topform, ein bewegendes Portrait einer vereinsamten Frau zeichnet.

Jessica Lange in "Cat on a Hot Tin Roof".

Jessica Lange in “Cat on a Hot Tin Roof”.

#500: Cat on a Hot Tin Roof (1984)
Regie: Jack Hofsiss, mit Jessica Lange, Tommy Lee Jones, Rip Torn, Kim Stanley, Penny Fuller u. a. — 144 Minuten.

Natürlich ist die Filmversion von 1958 unschlagbar, aber dieser Fernsehfilm aus den 1980ern wartet mit Jessica Lange und Kim Stanley, die für ihre Vorstellung als Big Mama verdientermaßen einen Emmy erhielt, auf. Darüber hinaus ist dies die erste Inszenierung, die nicht gekürzt wurde, man hört also endlich einmal Tennessee Williams’ gesamten, schonungslosen Text. Stanley hatte übrigens 1958 in der West End-Uraufführung die Maggie gegeben.

André Schneider

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