Filmtipp #495: Die purpurnen Flüsse

Die purpurnen Flüsse

Originaltitel: Les rivières pourpres; Regie: Matthieu Kassovitz; Drehbuch: Jean-Christophe Grangé, Matthieu Kassovitz; Kamera: Thierry Arbogast; Musik: Bruno Coulais; Darsteller: Jean Reno, Vincent Cassel, Nadia Farès [Nadia Fares], Dominique Sanda, Jean-Pierre Cassel. Frankreich 2000.

les-rivieres-pourpres

Ein atemlos inszenierter Thriller, der den Beweis erbringt, dass sich das europäische Kino mitnichten hinter großen US-Produktionen verstecken muss. Allerdings war schon das Ausgangsmaterial, der Bestseller von Jean-Christophe Grangé, ein Meisterstück par excellence, so dass kaum etwas schiefgehen konnte. Der Autor machte sich gemeinsam mit dem jungen Regisseur Matthieu Kassovitz — als Schauspieler u. a. bekannt aus dem Amélie-Film von Jeunet — daran, den Roman filmgerecht zu adaptieren. Hier und da taten Vergröberungen und Abänderungen not, so wurde zum Beispiel auch der halbgare Schluss das Buches durch ein furioses, stimmigeres Finale bereinigt, und aus dem arabischen Provinzbullen wurde im Film Vincent Cassel, der sich an der Seite Jean Renos zum Star hochspielen durfte.

Die Handlung spielt sich innerhalb von 24 Stunden ab und führt den Zuschauer mit hohem Tempo und wunderschönen Landschaftsaufnahmen in die französischen Alpen. Hierhin wird der Pariser Kommissar Pierre Niémans (Reno) beordert. In Guernon, einer (fiktiven) Universitätsstadt, wurde die bestialisch zugerichtete Leiche des Bibliothekars Caillois (Laurent Avare) entdeckt, die örtlichen Beamten sind mit dem Fall überfordert. Während Niémans in Guernon mit seinen Ermittlungen beginnt, untersucht im 200 Kilometer entfernten Sarzac der junge Inspektor Max Kerkerian (Cassel) den Fall einer mysteriösen Friedhofsschändung: Das Grab eines kleinen Mädchens ist mit Hakenkreuzen beschmiert worden, und in der örtlichen Grundschule wurden sämtliche alten Klassenfotos und Hinweise auf das tote Kind gestohlen. — Im weiteren Verlauf werden die zwei parallel verlaufenden Fälle zu einem. Niémans lernt die Glaziologin Fanny Ferreira (Farès) kennen. Sie war es, die die Leiche des Bibliothekars entdeckt hatte. Sie führt Niémans zu einem Gletscher oberhalb Guernons, wo sie eine weitere Leiche finden: Philippe Sertys (Olivier Morel), ein Mann, der auf der Entbindungsstation des Universitätskrankenhauses gearbeitet hatte. Währenddessen führten Kerkerians Ermittlungen ihn nach Guernon, wo er alsbald auf Niémans trifft. Die beiden Polizisten — unterschiedlich in Alter, Herkunft und Temperament — sind aufeinander angewiesen, um ihre jeweiligen Fälle aufzuklären. Als die Obduktion von Sertys zeigt, dass dem Opfer die Augäpfel entfernt und durch Glasaugen ersetzt wurden, besuchen die Ermittler den Augenarzt Dr. Chernezé (Jean-Pierre Cassel) — und finden auch diesen ermordet vor. An den Wänden seines Hauses steht mit Blut geschrieben: »Ich kehre zurück zu der Quelle der purpurnen Flüsse.« Niémans kombiniert die einzelnen Faktoren und kommt einem abscheulichen Komplott auf die Schliche…

Mehr darf an dieser Stelle wirklich nicht verraten werden. Das Buch sollte man auf alle Fälle erst nach Genuss des Films genießen. Der ungebrochen spannende Thriller, der zwischen Oktober 1999 und März 2000 in Südfrankreich und Paris gedreht wurde, spielte über 60 Millionen Dollar ein und war damit auch Übersee ein großer Erfolg. Hierzulande gaben sich die Rezensenten seinerzeit (natürlich) verhalten, aber in Frankreich gab es fünf César-Nominierungen (Regie, Musik, Schnitt, Kamera, Ton) — und leider, leider bald darauf auch eine Fortsetzung, die mit Grangé, Kassovitz und Cassel nicht mehr das Geringste zu tun hatte und sich lediglich aus dem Erfolg des Erstlings speiste. Ein grottenschlechter Film, dem auch die Mitwirkung Christopher Lees nicht helfen konnte.

André Schneider

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