Filmtipp #490: Der Tod trägt schwarzes Leder

Der Tod trägt schwarzes Leder

Originaltitel: La polizia chiede aiuto; Regie: Massimo Dallamano; Drehbuch: Ettore Sanzò, Massimo Dallamano; Kamera: Franco Delli Colli; Musik: Stelvio Cipriani; Darsteller: Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger. Italien 1974.

la-polizia-chiede-aiuto

Der ehemalige Kameramann Massimo Dallamano konnte als Regisseur leider nur ein gutes Dutzend Filme realisieren, ehe er im Alter von nur 59 Jahren bei einem Autounfall sein Leben verlor. Unter diesen Werken stechen »Cosa avete fatto a Solange?« (1972, der wird ganz sicher auch noch von mir vorgestellt werden) und »La polizia chiede aiuto« heraus.

Mitte der 1970er erfreuten sich in Italien die poliziotti ungeheurer Popularität. Hierbei handelt es sich, verkürzt umrissen, um Actionkrimis, die sich mit dem Polizeialltag befassen. Meist wird viel Motorrad gefahren und noch mehr geschossen. Dallamano erkannte die Zeichen der Zeit, und so trägt sein 1974 gedrehter Giallo »La polizia chiede aiuto« dem neuen Trend deutlich Rechnung, indem er sich nicht vorrangig mit dem Mörder und seinen Taten befasst, sondern mit den Ermittlern. Die werden hier von Claudio Cassinelli, Mario Adorf und der rassigen Giovanna Ralli, die schon in Gli occhi freddi della paura mit von der Partie gewesen war, gespielt. Die werden gleich zu Beginn des Films mit einem grausigen Fund konfrontiert: Eine 15jährige Schülerin hat sich auf einem Dachboden erhängt. Was wie ein Suizid aussieht, wird von den Kriminologen rasch als Mord enttarnt. Es dauert auch nicht lange, bis der erste Verdächtige einkassiert wird, doch man kann dem Kerl, einem perversen Spanner namens Bruno Paglia (Fabrizi), nichts Konkretes nachweisen und muss ihn wieder auf freien Fuß setzen. Bei der Durchsuchung einer Wohnung wird eine Badewanne voller Blut entdeckt. Die Presse übt empfindlichen Druck auf die Ermittler aus, und ganz Mailand steht Kopf. Inspektor Silvestri (Cassinelli) erfährt von der Mutter des Mädchens (Martina Berti), dass das Mädchen trotz seines jungen Alters bereits regelmäßig die Pille nahm und auf Initiative der Mutter von einem Privatdetektiv beschattet wurde. Diesen findet man tot im Kofferraum seines Autos; das Blut in der Badewanne stammte ganz offensichtlich von ihm. Die Freundin des unglücklichen Privatdetektivs entgeht in einem Krankenhaus nur knapp dem Tode, als ein Unbekannter in Motorradkluft sie mit einem Beil attackiert. Auch die Staatsanwältin Stori (Ralli) gerät ins Visier des Maskierten. Als die Inspektoren die Fäden mehr und mehr zu entwirren versuchen, werden zweierlei Dinge klar. Erstens: In Mailand gibt es einen Callgirlring für minderjährige Mädchen. Zweitens: Eine genau Aufklärung des Falles ist von oberster Stelle nicht gewollt…

»La polizia chiede aiuto« hat einige hochspannende Sequenzen, die ich nicht näher ausführen möchte, um den Spaß nicht zu trüben. Darüber hinaus ist ein politischer Subtext in einem Giallo nicht gerade handelsüblich, so dass Dallamanos Streifen schon allein deshalb herausragt. Dallamano und sein Co-Autor Sanzò porträtieren die Bestie Mensch in all ihrer Verkommenheit und Widerwärtigkeit. Die berühmte Musik von Stelvio Cipriani fand später in Amer noch einmal Verwendung

André Schneider

Advertisements

One thought on “Filmtipp #490: Der Tod trägt schwarzes Leder

  1. Pingback: Filmtipp #514: Das Geheimnis der grünen Stecknadel | Vivàsvan Pictures / André Schneider

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s