Filmtipp #489: Mädchen in Uniform

Mädchen in Uniform

Originaltitel: Mädchen in Uniform; Regie: Géza von Radványi [Geza Radvanyi]; Drehbuch: Franz Höllering, Friedrich Dammann [F. D. Andam]; Kamera: Werner Krien; Musik: Peter Sandloff; Darsteller: Romy Schneider, Lilli Palmer, Therese Giehse, Blandine Ebinger, Adelheid Seeck. BRD/Frankreich 1958.

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Es waren nicht die »Sissi«-Filme (Regie: Ernst Marischka), die mich als Kind mit Romy Schneider bekannt machten, sondern dieses im Vergleich zu den Monarchenschnulzen ziemlich anspruchsvolle Internatsdrama nach Christa von Winsloes Theaterstück »Gestern und Heute«, welches 1931 schon einmal von Leontine Sagan weitaus kontroverser und kompromissloser verfilmt worden war. Das aber wusste ich mit fünf, sechs Jahren noch nicht. Damals war ich einfach nur traurig ob der tragischen Liebesgeschichte zwischen der scheuen Halbwaisen Manuela von Meinhardis und ihrer eleganten Lehrerin. Die Rolle wurde von Romy Schneider später rückblickend als ihre schauspielerisch erste richtige Herausforderung betrachtet. Neben ihr glänzten Lilli Palmer als Fräulein von Bernburg sowie Therese Giehse als preußisch-disziplinierte Oberin; Produzent Arthur Brauner hatte also drei große Schauspielerinnen aus drei Generationen vor der Kamera versammeln können. Ferner wirkten Margaret Jahnen und Marthe Mercadier als Lehrerinnen mit, während Christine Kaufmann, Danik Patisson, Gina Albert, Ginette Pigeon und die wundervolle, unvergessene Sabine Sinjen die Mitschülerinnen gaben. In einer ihrer seltenen Nebenrollen ist Blandine Ebinger als der Oberin hündisch ergebenes Fräulein von Rackett zu sehen.
Potsdam 1910. Im Kaiserin-Augusta-Stift unter der gestrengen Leitung Therese Giehses herrscht ein rauer Ton; militärischer Drill und drakonische Strafmaßnahmen sollen die Schülerinnen für ihr späteres Dasein als preußische Soldatenmütter abhärten. Motto: Kinder, Kirche, Küche. Die Mädchen stammen allesamt aus adligen Häusern, so auch die scheue und durch den frühen Tod der Mutter schwer traumatisierte Manuela von Meinhardis (Schneider), die von ihrer Tante in der Lehranstalt geparkt wird und sich nur schwer dort einfindet. Einzig die warmherzige Lehrerin Fräulein von Bernburg (Palmer) bringt dem Mädchen Verständnis und Zuneigung entgegen. Aus der anfänglichen Schwärmerei für die Lehrerin entwickelt sich eine lesbische Verliebtheit, die in einem der sinnlichsten Filmküsse des deutschen Nachkriegskinos kulminiert. Während eines Festes zu Ehren der Oberin verleiht die betrunkene Manuela ihren Gefühlen lautstark Ausdruck, was die Oberin als Affront empfindet und Fräulein von Bernburg zur Verantwortung zieht. Als Manuela sich der Konsequenzen ihres Verhaltens bewusst wird, bahnt sich eine Katastrophe an…

In Potsdam konnte aus verständlichen Gründen nicht gedreht werden, die Dreharbeiten fanden in Hamburg und Berlin statt. Für das farbige Remake gab es eigentlich keinen triftigen Grund. Brauner und Regisseur Géza von Radványi folgten nur dem Trend des deutschen Films jener Zeit, der mangels eigener Ideen auf seine Vorkriegswelterfolge zurückgriff, um diese in einer neuen, farbigen und fast immer schlechteren Machart auf den Markt zu werfen. »Mädchen in Uniform« glättete das Stück natürlich — im Stück gelingt Manuelas Selbstmordversuch —, alle politische und soziale Kritik wurde zugunsten hübsch arrangierter Bilder zurückgedrängt. Trotzdem ist und bleibt der Film ein eindrucksvolles Stück Schauspielerinnen-Kino mit großartigen Einzelleistungen aller Beteiligten.

André Schneider

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