Filmtipp #479 & #480: Masquerade – Ein tödliches Spiel & Todfreunde – Bad Influence

Rob Lowe, Jahrgang 1964, war einer der Superstars der Achtziger. Mit Filmen wie »The Outsiders« (Regie: Francis Ford Coppola, nach S. E. Hintons gleichnamigem Roman), »Class« (Regie: Lewis John Carlino, produziert von Martin Ransohoff), »The Hotel New Hampshire« (Regie: Tony Richardson, mit Jodie Foster und Nastassja Kinski), »St. Elmo’s Fire« (Regie: Joel Schumacher) oder »About Last Night« (Regie: Edward Zwick) spielte sich der Schönling, der fast schon zu glatt war, an die Spitze einer neuen Hollywood-Generation. Er verkörperte wie kaum ein anderer Kinostar das neue Jahrzehnt mit seinen Schulterpolstern, merkwürdigen Frisuren und knallenden Farben. Kokain war groß in Mode, die New Yorker Börse boomte, es wimmelte von yuppies. Es war auch die Zeit, in welcher der männliche Po vom Mainstream als Sexobjekt entdeckt wurde (zum Beispiel in der Werbung) — und Lowe hatte einen wahnsinnig schönen Arsch. Zeitweise wurde vertraglich festgelegt, dass eben dieser wenigstens einmal pro Film nackt im Bild zu sein habe. Irgendwie haftete Lowe trotz seiner gruseligen Glätte, den epilierten Achselhöhlen und den smarten Anzügen etwas Verruchtes an, etwas Schmutziges, das unter der polierten Oberfläche zu schlummern schien. So schien er sich beispielsweise gerne beim Sex zu filmen oder filmen zu lassen. Zwei dieser privaten Videos gelangten 1988 an die Öffentlichkeit — es waren die ersten Promi-Sex-Skandale dieser Art, viele Jahre vor Pamela Anderson, Paris Hilton oder Ben Cohen — und beschädigten seine Karriere nachhaltig. Mit viel Humor und harter Arbeit überwand Rob Lowe diesen Karriereknick. Er wurde sesshaft, heiratete und wurde Vater. Heute, mit 53, ist er wieder gut im Geschäft, hat zwei herrlich selbstironische Bücher geschrieben und ist weitaus erotischer als er es anno 1987 war. Heute möchte ich zwei typische Lowe-Filme aus dieser Zeit vorstellen. Es handelt sich um handelsübliche Thriller, die das Lebensgefühl und die Atmosphäre, die Ästhetik und das Gesellschaftsbild der späten Achtziger perfekt spiegeln.

Masquerade — Ein tödliches Spiel

Originaltitel: Masquerade; Regie: Bob Swaim; Drehbuch: Dick Wolf; Kamera: David Watkin; Musik: John Barry; Darsteller: Rob Lowe, Meg Tilly, Kim Cattrall, Doug Savant, John Glover. USA 1988.

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Bob Swaim, am 2. November 1943 in Illinois geboren, zog es schon früh nach Paris, wo er Ethnologie und orientalische Sprachen studierte. Er stand kurz vor der Dissertation, als ihn die Magie des Kinos in ihren Bann zog, und so wechselte er ans École Nationale de la Cinématographie. Ab 1970 entstanden seine ersten Kurzfilme. 1982 gelang ihm mit »La balance« (mit Nathalie Baye, Maurice Ronet und Philippe Léotard) der erste große Erfolg, Preisregen bei der César-Verleihung inbegriffen. So wurde man schließlich auch in seiner Heimat auf ihn aufmerksam. MGM bedachte ihn mit einem Vertrag. Zuerst drehte er mit Sigourney Weaver in London »Half Moon Street« (1986), der zwar mittelmäßige Rezensionen erhielt, aber ein lukratives Geschäft darstellte. Sein nächster Film war dann dieser hier — der erste, den Bob Swaim in den Vereinigten Staaten drehte. Es handelte sich um eine Art Neuverfilmung von Hitchcocks Suspicion mit Rob Lowe in der Cary Grant-Rolle.

Meg Tilly (die Schwester von Jennifer) verkörpert in ihrer verträumt-naiven Art die reiche Erbin Olivia Lawrence, die, etwas graumausig und scheu, von dem smarten Segellehrer Tim (Lowe) umgarnt wird. Dieser ist ein fescher Windhund und unterhält »nebenbei« noch eine Affäre mit der verheirateten Brooke Morrison (Cattrall) unterhält, was die blind verliebte Olivia jedoch nicht merkt. Die hat zu sehr mit ihrem grässlichen Stiefvater Tony (Glover) zu kämpfen, der einen Teil ihres Großerbes für sich beansprucht. Tony ist wahrlich ein widerlicher Kotzbrocken, der vom Drehbuchautoren Dick Wolf mit jedem Klischee versehen wurde: handgreiflich, vulgär, ständig besoffen und immer wieder mit einer Mieze im Arm, die halb so alt ist wie er. Doch Tony ist zum Glück bald aus dem Rennen, weil er von Tim — wie es scheint — in Notwehr getötet wird. Olivia heiratet Tim und wird bald darauf schwanger. Sein mitunter merkwürdiges Verhalten lässt in ihr langsam den Verdacht keimen, dass er vielleicht doch an ihrem Vermögen interessiert sei…

Gedreht wurde vom 20. April bis zum 1. Juli 1987 nahezu komplett auf Long Island. Als der Film am 11. März 1988 in den Kinos anlief, waren die Kritiken eher durchmischt. Man schrieb, die Story wirke künstlich und zu konstruiert, aber sie funktioniere. Bob Swaim schien einen altmodischen film noir machen zu wollen, scheitere jedoch an der zeitgenössischen Ästhetik. Herausgekommen sei jedoch ein durchaus spannender, kurzweiliger Krimi. Besonders hervorgehoben wurde Tillys Einzelleistung. An den Kinokassen fuhr der Streifen rund 16 Millionen Dollar ein.

Todfreunde — Bad Influence

Originaltitel: Bad Influence; Regie: Curtis Hanson; Drehbuch: David Koepp; Kamera: Robert Elswit; Musik: Trevor Jones; Darsteller: Rob Lowe, James Spader, Lisa Zane, Marcia Cross, Rosalyn Landor. USA 1990.

bad-influence

Michael (Spader) arbeitet in der Finanzbranche. Er ist ehrgeizig und will eine Beförderung, doch fehlt es ihm an Chuzpe, um sich gegen seinen skrupellos-schmierigen Kollegen Patterson (Tony Maggio) durchzusetzen. Eines Tages ist eine wichtige Datei von Michaels Rechner verschwunden. Es liegt nahe, dass Patterson etwas damit zu tun hat, aber Michael scheut die Konfrontation und sucht verzweifelt einen anderen Ausweg aus seiner Misere. Privat läuft es auch nicht rund: seine Verlobte (Cross) will die geplante Hochzeit verschieben. Als er abends sein Unglück mit ein paar Bieren begießen will, trifft er zum ersten Mal auf einen attraktiven Fremden (Lowe), der Michael bei einer sich anbahnenden Schlägerei zur Hilfe eilt und dann spurlos verschwindet. Erst später merkt Michael, dass seine Brieftasche verschwunden ist. Als er den Unbekannten — offenbar zufällig — erneut trifft, stellt sich dieser als Alex vor. Die beiden Männer kommen ins Gespräch, und Michael fasst schnell Vertrauen zu dem charismatischen Fremden. Er erzählt ihm von seinem Ärger im Büro und den verschwundenen Dateien. Alex nimmt sich den durchsetzungsschwachen Michael zur Brust und versorgt ihn mit guten Ratschlägen, die die starke Seite in ihm mobilisieren. Die beiden Männer freunden sich an, und unter Alex’ Einfluss findet Michael sein Selbstbewusstsein wieder, wird erfolgreich und mit dem Erfolg zu einem neuen Menschen. Er schafft es, sich seinem Konkurrenten im Büro zu stellen und selbst die verschwundenen Dateien tauchen rechtzeitig vor seiner wichtigen Präsentation wieder auf. Michael ist glücklich und Alex sein bester Freund und Vertrauter. Doch das Blatt wendet sich, als Alex eines schönen Tages mit schockierender Vehemenz den Preis für seine Hilfe einfordert…

Dem voriges Jahr verstorbenen Curtis Hanson gelangen einige ganz vorzügliche Thriller: »The Bedroom Window« (1986, mit Isabelle Huppert), »The Hand That Rocks the Cradle« (1992, mit Rebecca De Mornay), »The River Wild« (1994, mit Meryl Streep) und »L.A. Confidential« (1996, mit Kim Basinger). »Bad Influence« schnitt im Vergleich vielleicht nicht ganz so gut ab, bietet aber trotzdem noch Hochspannung und Gänsehautmomente. Es ist im Grunde genommen eine Variante von Hitchcocks Strangers on a Train, auf die ausgehenden 1980er übertragen. Die Parallele zu Mephisto und Faust zu finden, ist nicht besonders schwer.
Um sich auf seine Rolle, die von Nicolas Cage und Kevin Costner abgelehnt worden war, vorzubereiten, sah sich Rob Lowe massenhaft Videomaterial von Ted Bundy an. Er ist der »sympathische Psychopath«, den man lieben möchte, während James Spader als »Guter« ein rückgratloser Weichling ist, vor dem man sich fast ekelt. »Bad Influence« ist ein Thriller über die »Verführungskraft des Bösen« (so die »Washington Post«), der ganz von der Dynamik der beiden Hauptdarsteller lebt, die sich hier als wirklich gute Schauspieler profilieren können. Ein wenig evoziert der Streifen auch Erinnerungen an »Apartment Zero« (Regie: Martin Donovan), ebenfalls von David Koepp geschrieben. Beide Filme sind düstere, humorbefreite, introspektive Studien der Beziehungen zwischen den Protagonisten. Zwischen Juni und August 1989 in Los Angeles mit einem Budget von sieben Millionen Dollar gedreht, spielte »Bad Influence«, als er am 9. März 1990 startete, das Doppelte seiner Kosten ein. Großartig: Lisa Zane, die große Schwester von Billy, als Michaels zarteste Versuchung.

André Schneider

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