Filmtipp #470: 5 Zimmer Küche Sarg

5 Zimmer Küche Sarg

Originaltitel: What We Do in the Shadows; Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi; Drehbuch: Taika Waititi, Jermaine Clement; Kamera: Richard Bluck, D.J. Stipsen; Musik: Plan 9; Darsteller: Taika Waititi, Jermaine Clement, Jonny Brugh, Cori Gonzalez-Macuer, Stu Rutherford [Stuart Rutherford]. Neuseeland/USA 2014.

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Am Anfang stand ein etwa halbstündiger Kurzfilm, den die Kumpels Jemaine Clement und Taika Waititi 2005 drehten: »Wir lebten in dunklen, kalten Häusern, in denen niemand das Geschirr spülte, als wir auf die Idee für unseren Film kamen«, erzählte Waititi einem Interviewer. Schmutziges Geschirr spielt auch eine zentrale Rolle in der Film-WG, in der Viago, Deacon, Vlad und Petyr leben, vier Vampire in Wellington. »What We Do in the Shadows« wurde weitgehend improvisiert, obwohl das Regie-Duo ein 150seitiges Skript verfasst hatte. Heraus kam eine der witzigsten Komödien der letzten fünf Jahre — und einer der erfolgreichsten neuseeländischen Filme aller Zeiten. Es handelt sich um eine Mockumentary, in der ein Kamerateam das Leben einer Vampir-Wohngemeinschaft in einem Vorort von Wellington begleitet: Viago (Waititi, in seiner Heimat einer der beliebstesten Komiker) ist ein Dandy und erinnert ein wenig an Louis aus »Interview with the Vampire« (Regie: Neil Jordan), der 183jährige Deacon (Brugh), das Küken der WG und noch etwas rebellisch, gemahnt an Bela Lugosi, während Vladislav (Clement), 862 Jahre jung, eine Version von Gary Oldmans Dracula darstellt und der stille, die meiste Zeit im Keller wohnende Petyr (Ben Fransham) gruselige Erinnerungen an Murnaus »Nosferatu« (1922) evoziert. Die ganz normalen Alltagsprobleme, die sich einem Vampir stellen, werden dokumentiert: das Einkleiden bei fehlendem Spiegelbild beispielsweise. Man hat auch Schwierigkeiten, sich an das Leben im 21. Jahrhundert anzupassen. Deacon beschäftigt eine menschliche Dienerin namens Jackie (Jackie van Beek), die für das Quartett Besorgungen erledigt, Haus und Garten in Schuss hält und für Opfer-Nachschub sorgt — so führt sie den Vampiren boshafterweise ihren Ex-Freund Nick (Gonzalez-Macuer) zu, der sich kurz darauf ebenfalls verwandelt — er hat etwas von Edward aus der »Twilight«-Serie — und in die WG einzieht. Nicks bester Kumpel Stu (Rutherford), ein schweigsamer Nerd, kommt häufig zu Besuch und hilft den Vampiren bei ihren Computerproblemen. Ab und zu zieht es die Freunde in die Clubszene von Wellington, das nur so von Vampiren, Hexen, Werwölfen und Zombies zu wimmeln scheint…

Die Dreharbeiten zu »What We Do in the Shadows« begannen im September 2012. Das Team kurbelte in Rekordzeit rund 130 Stunden Filmmaterial herunter — bei einem Budget von 1,5 Millionen US-Dollar! —, an dem allerdings bis Ende 2013 herumgeschnitten wurde, ehe der Streifen endlich fertig war. Es bedurfte einiger Crowdfunding-Aufrufe der Produzenten, damit das Regie-Duo das fertige Produkt in den USA vorstellen konnte. Das Ausharren lohnte sich: Weltweit jubelten die Kritiker, »What We Do in the Shadows« wurde mit Preisen nur so überhäuft und erlebte mit seinem DVD-Release einen weiteren Triumph. Die »Süddeutsche Zeitung« lobte, die Komödie sei ein »wunderbar subversives Gegenmittel zu den goldbestäubten Vampiren des Mainstream-Kinos«, während der renommierte Rezensent Andreas Busche von »epd Film« in dem Streifen eine »Sozialstudie über das Gruppenverhalten von Vampiren« sieht, da der einzelgängerische Vampir »nicht unbedingt in dem Ruf« stünde, »über eine hohe Sozialkompetenz zu verfügen«. Und weiter heißt es: »Der Film orientiert sich an bekannten Fernsehformaten. […] ›What We Do in the Shadows‹ funktioniert wie eine Mischung aus ›The Office‹ und ›The Big Bang Theory‹. Es geht immer um Vorführeffekte: zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung und von vermeintlich selbstverständlichen sozialen Praktiken. […] Waititi und Clement variieren das Sitcom-Format der WG-Comedy immer auf der Basis eines gesicherten Wissens über Vampirmythologie.«
Die beste Fangzahn-Komödie seit Polanskis The Fearless Vampire Killers! Gérard und ich lagen seinerzeit Tränen lachend unter den Kinositzen im Moviemento.

André Schneider

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