Filmtipp #465: Teenage Angst

Teenage Angst

Originaltitel: Teenage Angst; Regie: Thomas Stuber; Drehbuch: Holger Jäckle; Kamera: Peter Matjasko; Musik: Matthias Klein; Darsteller: Franz Dinda, Niklas Kohrt, Janusz Kocaj, Michael Ginsburg, Michael Schweighöfer. Deutschland 2008.

Teenage Angst

Eine kleine, kraftvolle Produktion von kaum 65 Minuten, inhaltlich an Musils Roman »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß« angelehnt, ist dieser faszinierende Thriller über Machtstruktur und Machtmissbrauch des damals noch blutjungen Regisseurs Thomas Stuber.
Schauplatz ist ein elitäres Internat, malerisch und abgelegen. Hier haben sich vier Schüler — der sensible und schwächliche Leibnitz (benannt nach dem Philosophen), der sadistisch veranlagte Dyrbusch, dessen fieser Handlanger Bogatsch (benannt nach dem SS-Oberscharführer Boger) sowie der Mitläufer Stürmer — zu einer Clique zusammengefunden. Von den reichen Eltern in diesen goldenen Käfig gesteckt, langweilen sich die Jungen zu Tode und suchen in ihrer Agonie den Exzess, das Extreme. In einer kleinen Datscha treffen sie sich nachts zu Besäufnissen. Man feiert, grölt und pubertiert. Doch schon bald kommt es zu Gewaltausbrüchen, die sich wie in einer Spirale weiter und weiter hochdrehen und zu eskalieren drohen. Dyrbusch (Kohrt) und Bogatsch (Ginsburg) knechten und misshandeln den Träumer Leibnitz (Kocaj), der den Missbrauch still erträgt — aus Angst, »nicht mehr dazuzugehören«. Stürmer (Dinda) begreift zwar, was passiert, sieht sich jedoch nicht in der Lage, dem Treiben ein Ende zu setzen. Unaufhaltsam steuert das Quartett auf eine Tragödie zu…

Der Einzelgänger, der Wortführer, der Mitläufer — alles Archetypen der Gesellschaft, die Stuber in seinem fulminanten, schonungslosen Psychogramm stilsicher skizziert. Der 2007 entstandene Film debütierte im Februar 2008 auf der Berlinale und hatte ein Jahr später seinen regulären Kinostart, konnte kommerziell jedoch trotz hervorragender Kritiken nicht so recht punkten. Gut, dass Salzgeber diesem ungewöhnlich gestalteten, ästhetisch fotografierten und engagiert gespielten Thriller zeitnahe eine DVD-Veröffentlichung angedeihen ließ. Zur Ausstattung der DVD gehört neben einem informativen Booklet und dem Trailer von »Teenage Angst« auch der sehenswerte Kurzfilm »Es geht uns gut«, den Thomas Stuber 2006 mit Peter Becker und Hedi Kriegeskotte drehte.

André Schneider

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