Filmtipp #462: Das Hotel

Das Hotel

Originaltitel: Hotel; Regie: Richard Quine; Drehbuch: Wendell Mayes; Kamera: Charles Lang; Musik: Johnny Keating; Darsteller: Rod Taylor, Catherine Spaak, Karl Malden, Melvyn Douglas, Merle Oberon. USA 1967.

Hotel

Vicky Baum hatte mit »Menschen im Hotel« einen weltweiten Bestseller geschaffen, der 1932 mit Greta Garbo glamourös verfilmt worden war. Im Prinzip war Arthur Haileys 1965 erschienener Roman nichts weiter als eine Variation von Baums Klassiker: Eine Gruppe wohlhabender, mit allerlei Sorgen geplagter Menschen findet in einem Luxushotel zusammen, wo sich ihre Schicksale auf heilsame oder tragische Weise miteinander verstricken. Eine Seifenoper, die sich gut verkaufte. Warner erwarb die Rechte an Haileys Buch und beauftragte Richard Quine mit der Aufgabe, die Trivial-Schmonzette in ein auf Hochglanz poliertes Kommerz-Vehikel zu verwandeln. Der Film stellt gegenüber der Vorlage schon eine gewaltige Verbesserung dar, denn Arthur Haileys Talent lag schon immer weniger in der Zeichnung glaubhafter Charaktere als vielmehr im Aufgreifen und Aufbereiten effektiver Maschen; sein späterer Bestseller »Airport« (1968 erschienen, 1970 verfilmt) ist ein Paradebeispiel hierfür. (Der Film landet eines Tages auch noch in der Kategorie »Schlechte Filme, die Spaß machen«.)
»Hotel« ist mit eindimensionalen Figuren — man kann schon fast von Schablonen sprechen — geschlagen, doch wenn sich am Ende nach über zwei Stunden ihre lachhaften Pseudoprobleme in Wohlgefallen auflösen, ist das höchst amüsant. Darüber hinaus ist Charles Langs Kameraarbeit einmal mehr überragend, und Regisseur Quine zeigt, dass er ein Auge für schöne Menschen in schönen Kostümen hat, die in schönen Dekors schöne Dinge tun. Ansonsten verließ man sich auf die geballte star power der Besetzungsliste: Der schnieke Australier Rod Taylor, damals im Zenit sowohl seiner Virilität als auch seiner US-Karriere, spielt den gewieften Manager vom renommierten St. Gregroy Hotel in New Orleans, das leider rote Zahlen schreibt und kurz davor steht, von einem skrupellosen Hotel-Ketten-Besitzer namens Curtis O’Keefe (Kevin McCarthy) übernommen zu werden. Melvyn Douglas (Ninotchka) gibt uns den Besitzer vom St. Gregory, einen Gentleman der alten Schule, der seinem Hause die Eleganz und Gediegenheit von anno dazumal verleiht, der finanziellen Misere allerdings auch nichts entgegenzusetzen hat. Karl Malden (I Confess) tritt auf — als Dieb, der sich mit einem gestohlenen Schlüssel in die Zimmer der betuchten Gäste schleicht — und wirkt seltsam unterfordert. Richard Conte (La encadenada), der Mann mit den längsten Ohrläppchen — oder besser: Ohrlappen! — der Filmgeschichte, ist als schmieriger, korrupter Hoteldetektiv mit dabei, Merle Oberon und Michael Rennie verströmen Rasse und Klasse, während Carmen McRae dazu verdonnert wird, in der Hotelbar am Klavier zu hocken. Als Gast wäre sie als Farbige im St. Gregory nicht willkommen; ein Handlungsstrang streift den Rassismus in New Orleans, 1967 ein brandaktuelles Thema. Alfred Ryder, einer der Ex-Männer Kim Stanleys, ist in einer seiner vielen Nebenrollen zu bewundern. Die weibliche Hauptrolle ging an Catherine Spaak (Cat O’ Nine Tails), damals 22 Jahre jung und weiß Gott nicht mehr als schmückendes Beiwerk: Sie stellt eine Art Konkubine aus Paris dar, die mit Kevin McCarthy unterwegs ist und mit ihren weiblichen Reizen Rod Taylor so lange becircen soll, bis dieser das strauchelnde Hotel seinem Konkurrenten überlässt. Klingt alles ein wenig langatmig, oder? Das ist es auch, deswegen spielt ein defekter Fahrstuhl auch noch eine nicht unerhebliche Rolle im Handlungsverlauf.

»Hotel« war mit seinem Einspielergebnis von damals rund drei Millionen US-Dollar zwar nicht gerade schlecht besucht, aber es war mitnichten der Erfolg, den es gebraucht hätte, um die vier Millionen Dollar Produktionskosten wieder einzuspielen. Darüber hinaus zerfetzte die Kritik das marode Filmchen in der Luft. Aaron Spelling nahm sich 1983 des Romans noch einmal an und schuf daraus eine um Längen berühmtere TV-Serie, die fünf Staffeln lang das Publikum bestens unterhielt. Er verlegte das Hotel in das ungleich hippere San Francisco und ließ die größten Stars der Traumfabrik als Gäste einchecken, von Elizabeth Taylor über Joan Fontaine, Jean Simmons, Martin Landau, Liberace, Stewart Granger, Ken Howard und Tippi Hedren bis hin zu Martin Balsam und Alec Baldwin.

André Schneider

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