1. März 2017

War heute Vormittag beim Gärtner und habe ein paar neue Topfpflanzen besorgt. Zwei meiner Lieblinge haben die Wochen zwischen Heizungsluft und Dunkelheit nicht überstanden. Nun habe ich mit etwas frischer Blumenerde ein- und umgetopft und hoffe, dass die Neuankömmlinge sich bei mir wohlfühlen und gedeihen werden. Die nackte Wandfläche in der Küche habe ich mit einigen Fotos und Postern geschmückt — Sandra Bernhard, Helena, Tippi, Chelito, »Bd. Voltaire« —, damit es auch dort etwas heimeliger ist. Fast alle, die mir in Berlin wichtig und teuer sind, werden nächste Woche zu meiner Party kommen. Unglücklicherweise kenne ich mittlerweile mehr Menschen in Paris als in Berlin, der Großteil meiner Freunde lebt in Belgien, England, Schottland, Frankreich und der Schweiz verteilt. Für die Berliner Freunde gingen Ende Januar schriftliche Einladungen heraus, und bis auf zwei, drei Ausnahmen haben alle zugesagt.

City Lights.

City Lights.

Man kann es zwar mitnichten Urlaub nennen — dazu habe ich zu viele Termine —, aber seit Montag habe ich frei von der Kanzlei. Der Chef hatte mich noch für den Sonntag einbestellt, wir haben die Fristen bis Mitte April bearbeitet, so dass die Angestellten während seines (und meines) Urlaubs etwas Luft haben.
Vorgestern waren wir bei David und Klaus zum Abendessen eingeladen. (Das letzte Mal hatten wir uns am 1. Oktober 2015 gesehen.) Ein gemeinsamer Freund, ein bemerkenswerter, interessanter Mann aus Köln, hatte das Treffen angeregt, und wir saßen noch bis ein Uhr nachts gemütlich beisammen und haben uns unterhalten, u. a. über die Frage, welche die Quintessenz aller Religionen bildet: »Was macht glücklich?« Vielleicht das Loslassen, das Abstreifen alles Überflüssigen. Ganz sicher die Selbstakzeptanz, die so schwer zu erreichen ist. Das Annehmen auch der negativen Seiten. Patti Smith sagte bei ihrem Konzert 2010: »We are all angels, and we’re all assholes.« Klar. Das Leben in den Extremen — Exzess oder Askese — macht ganz bestimmt nicht glücklich. Perfektionismus ebenso wenig: »We’re not meant to be perfect«, sagte Jane Fonda in einem Interview, »we’re meant to be complete. […] It took me so long to accept that good enough is good enough.« — Gestern besuchten wir Gunnar und Benni, die inzwischen verheiratet sind. Bei unserem letzten Treffen im Sommer 2016 waren sie es noch nicht gewesen. Wir haben köstlich gegessen und uns dann »La rupture« (Regie: Claude Chabrol) angeschaut. Gunnar meinte, dies sei einer der ganz, ganz wenigen Chabrol-Filme, die man gucken könne. Recht hatte er. Ein grell überzeichnetes Märchen, Gut gegen Böse, die rechtschaffene Mutter aus der Mittelschicht gegen eine emotional verrohte, amoralische, vor Geld strotzende Bourgeoisie. — Heute: Lange Telefonate, Mittagsstunde mit Chelito im Arm, ein wenig Schreib- und Recherchearbeit. Zum Ausklang des Tages werde ich mir einen Giallo von Sergio Martino sowie einen Thriller mit Anthony Hopkins und Colin Farrell gönnen.

Die Oscars packen mich schon lange nicht mehr richtig, insofern rutschte der Gletscher mal wieder unbemerkt an mir vorüber. Emma Stone bekam ihren Goldjungen, obwohl er rechtmäßig Isabelle Huppert zugestanden hätte, und Viola Davis bekam ihn für eine Nebenrolle, die eigentlich eine Hauptrolle war. Selbiges gilt auch für Mahershala Ali, dessen Hauptrolle von der Academy kurzerhand zu einer Nebenrolle gemacht wurde, damit eben auch mal ein Afro-Amerikaner gewinnen darf. Ich will mich nicht echauffieren, Hauptsache ist, dass alle glücklich sind. Viel erschütternder finde ich die neuesten Nachrichten über den mittlerweile komplett kontaminierten Pazifik — Stichwort: Fukushima. Nur wenige Magazine, die überhaupt darüber berichten. Den meisten ist es nicht mehr als eine Randnotiz wert. Ich verstehe schon, wie der Eindruck einer »Lügenpresse« entstehen kann, und vermisse vor allem Einsatz, Lösungsvorschläge, flächendeckende Aufklärung.

Heute vor 15 Jahren.

Heute vor 15 Jahren.

Und sonst? Die Tage sind spürbar länger geworden, die Sonnenstrahlen schmecken nach Frühling, man möchte optimistischer sein. Einen guten Start in den März,

André

Advertisements

4 thoughts on “1. März 2017

  1. Pingback: 11. März 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  2. Pingback: 18. März 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  3. Pingback: June 1, 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  4. Pingback: Filmtipp #546: Der Satan mit dem Skalpell | Vivàsvan Pictures / André Schneider

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s