15. Februar 2017

In Vorbereitung auf meine Rolle in Antonys Film im Eiltempo »Die 120 Tage von Sodom« gelesen, allerdings in der Übersetzung von Dr. Martin Isenbiel. Die französische Fassung habe ich mir nicht zugetraut. Meine Drehtage sind Ende März mit Biño, wir filmen in der Rue de Charenton. Noch bin ich nicht nervös, obwohl Antony mir telefonisch seine Intentionen bereits erklärt hat und die Bilder drastisch sein werden. Victor Toussaint ist als Cutter wieder mit dabei, Manu, Thomas, Hervé spielen mit, Matthew Allen produziert. Es ist wie ein weihnachtliches Heimkommen zur Familie, nur ohne Zwang und Druck. Dass Antony vehement fordert und dabei auch hart sein kann, weiß ich, aber ich weiß auch, dass ich ihm vorbehaltlos vertrauen kann. Drei Tage am Set von »Frig«, das bedeutet mir mehr als eine größere Rolle bei irgendwem sonst.

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Ian und ich hatten uns auf einen üblen Film eingestellt — schließlich freut man sich manchmal über einen gekonnt schlechten, unterhaltsamen Film —, aber dass »Fifty Shades Darker« (Regie: James Foley) so mies war, hatten wir beide nicht erwartet. Die handwerkliche und inszenatorische Sorgfalt des ersten Teils war plattem product placement und einer dramaturgisch unzusammenhängenden Collage von Szenen gewichen, die in ihrer Gesamtheit nicht einmal für einen Softporno reichten. Wir haben das beste daraus gemacht, indem wir reichlich lachten und kommentierten. Erst im Nachhinein kam der Ärger über die verpassten Chancen, die an Idiotie grenzenden Dialoge, das Verpuffenlassen von ansprechend aufgebauten Spannungsmomenten. Die Sexszenen waren phantasielos in Szene gesetzt, beinahe plump, aber unglücklicherweise nicht einmal unfreiwillig komisch. Johnson und Dornan waren süß und schlugen sich gut durch das hundsmiserable Seifenopern-Skript, welches sich haltlos in den selbst aufgenommenen Fäden verhedderte. Aufgeworfene Fragen blieben in der Luft hängen und baumelten dort bis zum Abspann. Etwaige Konflikte wurden grundsätzlich off camera gelöst — Schnitt! —, und die nächste Sequenz wurde mit einem erklärenden Dialog eingeleitet, die wohl uneleganteste und unfilmischste Herangehensweise, die man sich vorstellen kann. Dabei wäre es kein Problem gewesen, die Szenen entsprechend aufzulösen. Für den Zuschauer wäre es allemal unterhaltsamer gewesen. Zum Beispiel jene Szene, in der Dakota Johnson von ihrem Boss (Eric Johnson) im Büro bedrängt wird. Sie tritt ihm in den Spaßbereich und flüchtet heulend aus dem Büro und direkt in Jamie Dornans Arme. Schnitt. In der folgenden Szene erzählt Christian/Dornan seiner Anastasia/Johnson (und dem Zuschauer), dass der böse Boss entlassen wurde. Solche Augenblicke gibt es zuhauf. Es war ein Schock, Kim Basinger zu sehen. Zu viele misslungene chirurgische Eingriffe haben ihr schönes Gesicht zu einer gruseligen Wachsmaske werden lassen. Ihre an und für sich facettenreich-gebrochene Figur taucht dreimal auf, wuchtig und doch nur flüchtig, um dann unmotiviert zu verschwinden. Dornan stellt abschließend klar, dass er sie nicht wiedersehen wird, seine Anwälte würden am nächsten Morgen sämtliche Geschäftsbeziehungen mit der Basinger-Figur kappen. So wird alles, was aufregend gewesen wäre, außerhalb des Films geregelt, während wir Zuschauer mit den, na ja, sagen wir mal überflüssigen Zwischenmomenten malträtiert und gelangweilt werden. Nein, das war nichts. Die beiden Momente, die mir am besten gefielen, waren Referenzen an »Sliver« (Regie: Phillip Noyce) und »Working Girl« (Regie: Mike Nichols). (Meine Besprechung des ersten Teils habe ich bereits vor einigen Wochen geschrieben, er wird im Frühjahr hier zu lesen sein.) Immerhin freuten wir uns, im Abspann lesen zu dürfen, dass Hubert Burczek, einer meiner Lieblingsschauspieler, bei »Fifty Shades Darker« einen Synchronjob hatte.

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Noch sieben lange Arbeitstag im Büro, bis ich in den »Urlaub« gehen kann, der ein Arbeitsurlaub werden wird: schreiben und schauspielern. Richtigen Urlaub gibt es hoffentlich im Sommer. Gill hat uns nach Donzy eingeladen. Alexandre bezieht gerade mit Simoné ein gemeinsames Nest außerhalb von Paris. Angelika und Anna wohnen jetzt an der Schlei. Es wird Zeit, dass ich mir wieder ein Auto zulege. Kommt gut in den Mittwoch,

André

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2 thoughts on “15. Februar 2017

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