12. Februar 2017

Jeder, der Rebel Without a Cause gesehen hat, kennt das unergründlich traurige Gesicht dieses zerbrechlichen Jungen, der das Bild Alan Ladds in seinem Spind wie seinen Augapfel hütet und zu Jim Stark (James Dean) aufschaut wie ein getretener Hund, der sich nach Liebe sehnt. Mit der Rolle des Außenseiters Plato wurde Sal Mineo, damals 16 Jahre jung, unsterblich. Am 10. Januar 2019 wäre der kleine Mann aus der Brox 80 Jahre alt geworden. Da er, obwohl Rebel Without a Cause noch immer ein Begriff ist, langsam in Vergessenheit gerät, widme ich ihm heute, an seinem Todestag, ein winziges Portrait.

Sal Mineo.

Sal Mineo.

Der Sohn italienischer Einwanderer hieß eigentlich Salvatore Mineo Jr. Und wurde zur Schauspielschule »verdonnert«, nachdem er im Alter von zehn Jahren beim Stehlen erwischt wurde. Noch vor seinem 16. Lebensjahr spielte er am Broadway den kindlichen Prinzen in »The King and I« an der Seite von Yul Brynner und Gertrude Lawrence, und der Sprung nach Hollywood war nur eine Frage der Zeit. — Sein Filmdebüt gab er neben Tony Curtis in »Six Bridges to Cross« (Regie: Joseph Pevney). Rebel Without a Cause war sein dritter Film. Das Dean-Vehikel, das eine ganze Generation prägte, bescherte dem Teenager Sal seine erste Oscarnominierung und einen Platz in der ersten Reihe von Hollywoods stars to come. Es folgten in rascher Folge großartige Filme wie »Somebody Up There Likes Me« (Regie: Robert Wise) mit Paul Newman, Giant mit Liz Taylor, Rock Hudson und wieder James Dean, die Musikfilme »Rock, Pretty Baby« (Regie: Richard Bartlett) und »Dino« (Regie: Thomas Carr) sowie »The Young Don’t Cry« (Regie: Alfred L. Werker) und die Titelrolle in »The Gene Krupa Story« (Regie: Don Weis). Er besang erste Schallplatten, trat in Radioshows auf und spielte regelmäßig im Fernsehen. 1960, im Alter von 21 Jahren, wurde er ein zweites Mal für den Oscar vorgeschlagen — für seine unvergessliche Leistung in Otto Premingers 210-Minuten-Epos »Exodus«. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mineo den Zenit seines Ruhms bereits überschritten, ohne es zu wissen.

Mineo war bekannt für seinen frechen Humor — obschon er stets als schwermütiger, trauriger, belasteter junger Mann besetzt wurde. Er liebte das Partyleben, er wechselte häufig die Frauen, hing mit den Hell’s Angels herum und hörte Rock’n’Roll. Er war das, was man im Englischen easy-going nennt. Nach der unschönen Trennung von der englischen Schauspielerin Jill Haworth — sie war 1966 die erste Sally Bowles der Theatergeschichte — bemerkte Sal, dass er schwul war. Anders als viele andere entschied er sich, offen damit umzugehen. Jahrzehnte, bevor es salonfähig wurde, sprach Sal Mineo über seine Sexualität und besiegelte damit das verfrühte Ende seiner Filmkarriere. Zwar gelang es ihm immer mal wieder, eine Nebenrolle in einer B- oder C-Movie-Produktion wie beispielsweise »Krakatoa, East of Java« (Regie: Bernard L. Kowalski) an Land zu ziehen, aber wirklich Fuß fasste er nie wieder. Den letzten Auftritt in einer Kinoproduktion bildete 1971 die winzige Rolle des Dr. Milo in »Escape from the Planet of the Apes« (Regie: Don Taylor). Da er seinen recht bescheidenen Lebensstil durch die regelmäßige Beschäftigung beim Fernsehen jedoch weiterhin unterhalten konnte, schien er sich damit arrangiert zu haben. In seinen letzten Interviews jedenfalls wirkte er keineswegs unglücklich oder gar bitter; es schien, als habe er seinen Platz gefunden und akzeptiert.
1975 entschied sich der inzwischen 36jährige, wieder Theater zu spielen. Zusammen mit Keir Dullea bereitete er in Los Angeles das Kriminalstück »P.S. Your Cat Is Dead« vor. Er kam gerade von der Probe, als er am 12. Februar 1976 vor seiner Haustür von einem Fremden überfallen und ermordet wurde. Aufgrund seines Lebensstils ermittelte die Polizei lange ergebnislos im Schwulenmillieu. Dann ruhte der Fall, bis kein Geringerer als John Lennon eine Belohnung zur Ergreifung des Mörders aussetzte. Die Sache kam wieder ins Rollen, und 1979 wurde ein Mann namens Lionel Ray Williams gefasst, der den Mord an Sal Mineo gestand. Schwulenhass war nicht das Motiv gewesen. Viel profaner: Raubmord. Williams, der keinen Schimmer hatte, wer Sal Mineo war, hatte es auf die paar Dollar abgesehen, die dieser bei sich trug. Er stach ihm ins Herz. Mineo verblutete noch am Tatort. Er wurde 37. Williams wurde nach einer zehnjährigen Haftstrafe 1990 auf Bewährung entlassen. — 2002 erschien das Buch »Sal Mineo: His Life, Murder, and Mystery« von H. Paul Jeffers. Ein lesenswerter Schmöker, gut recherchiert und flockig geschrieben. Die Chronik eines der traurigsten Niedergänge Hollywoods. Mein besonderer Mineo-Filmtipp: »Who Killed Teddy Bear?« (Regie: Joseph Cates), den ich hier eines Tages ganz sicher auch noch vorstellen werde.

André

Advertisements

One thought on “12. Februar 2017

  1. Pingback: 13. Februar 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s