25. Januar 2017

»La La Land« (Regie: Damien Chazelle) verbindet die beiden Dinge, die ich auf der Welt am meisten liebe: Film und Jazz. Der Soundtrack hat einen hohen Suchtfaktor — schön eingängig, ohrwurmig —, die Farben sind grell und almodovaresk und die Choreographien so mitreißend, dass man am liebsten mitmachen möchte. Die Aufmachung ist altmodisch genug, um nostalgisch zu wirken, und gleichzeitig am Puls der Zeit, um das jüngere Publikum zu begeistern. Emma Stone und Ryan Gosling sind fotogen und haben star appeal. »La La Land« ist, ähnlich wie When Harry Met Sally, ein instant classic, für den sich das Kinoticket lohnt, auch wenn man ansonsten kein leidenschaftlicher Musical-Fan ist. Mein zweiter Kinoausflug 2017 war »Why Him?« (Regie: John Hamburg), der freilich nicht die Größe von »La La Land« hatte, aber doch eine witzige, ganz vom Improvisationstalent ihrer Darsteller lebende Komödie war. Megan Mullally, Bryan Cranston und James Franco hielten den Laden für gut zwei Stunden am laufen, es gab ein paar richtig gute Lacher.
In der Nacht von Montag auf Dienstag konnte ich endlich »Bd. Voltaire« schauen. Um die Laufzeit des Films auf unter zwei Stunden zu bekommen, hatte Alexandre etwa 40 Minuten herausschneiden müssen. Erwischt hat es auch viele meiner Szenen, so dass ich im fertigen Film nur noch marginal dabei bin, ungefähr 17 Minuten insgesamt. Mir gefällt die Atmosphäre von »Bd. Voltaire«, sein behäbiges Tempo und die traumwandlerische Dynamik, die etwas Meditatives hat. Die Musik ist exzellent. Es ist ein sehr warmer Film, der das Leben und die Liebe feiert. Das offene Ende — am Freitag, dem 13. November 2015 besuchen fünf der sechs Freunde das Konzert im Bataclan — verleiht »Bd. Voltaire« eine dramatische Dimension, die sich erst nach dem Abspann voll entfaltet. Ein guter Film. Ungünstigerweise findet unser Verleih ihn nicht sehr kommerziell. Grund sei die Bildgestaltung. Die Leute wollen keine schwarzweißen Filme mehr sehen. Quatsch! »Quand je ne dors pas« (Regie: Tommy Weber) kam 2015 in die Kinos und war ein Renner. »Verfolgt« (Regie: Angelina Maccarone), »Verzweiflung« (Regie: Marcus Lauterbach), »Die Unberührbare« (Regie: Oskar Roehler) — alles Produktionen der letzten 20 Jahre, die sehr wohl ihr Publikum gefunden haben. Für »Bd. Voltaire« mache ich mir da auch keine Sorgen. Aber die Finanzierung künftiger Projekte durch unseren Verleih wackelt. Was bedeutet, dass ich gegebenenfalls wieder bei Null anfangen muss. Vielleicht wäre das gar nicht das Schlechteste, böte es doch die Chance für einen Neuanfang. Andererseits gewöhnt man sich an den Luxus und das Privileg, dass da ein Verleih ist, der einen betreut und die Filme auf den Markt bringt, an denen man so lange gearbeitet hat. Immerhin: sechs meiner Filme sind nun in Frankreich auf DVD erschienen. Das verdanke ich meinem Verleih. Drei Filme — One Deep Breath, Sur les traces de ma mère und »Bd. Voltaire« — konnten überhaupt nur dank der großzügigen Vorauszahlungen von Optimale produziert werden.

Dreharbeiten zum "herzwärts"-Clip, 2008.

Dreharbeiten zum “herzwärts”-Clip, 2008.

Die Überarbeitung meines Blogs war ein hartes Stück Arbeit, aber auch wichtig. Es war wie ein virtueller Frühjahrsputz, sehr befreiend und reinigend. Ich las mich durch uralte Einträge und konnte meine eigene Entwicklung — als Mensch, als Autor — noch einmal nachvollziehen. Das Tagebuchschreiben ist eine spannende Reise durch und zu sich selbst. Ob das einem zwangsläufig wertvolle Erkenntnisse bringt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall aber schärft es die Wahrnehmung, was das eigene Denken und Handeln angeht. Das Schreiben ist für mich eine Notwendigkeit. Es wendet die Not, ist lebens- und überlebenswichtig. Gerade in Zeiten des Kummers bewahrt mich das Schreiben davor, in der Tunke meines Selbstmitleids zu ersaufen. Zwar wünschte ich mir zuweilen, andere Ventile zu haben — ich würde so schrecklich gern gut zeichnen oder laut Musik machen können —, aber alles in allem ist das Schreiben schon in Ordnung. Ich liebe einsame Tätigkeiten. Es ist in gewisser Weise ein wenig wie das Schwimmen, wo ich gleichmäßig und ganz für mich meine Bahnen ziehe. Da bin ich bei mir, in meinem Kopf, in meinen Gedanken, und genüge mir. In diesen Stunden rast die Zeit nur so, mir graust es dann vor dem Abend, der Müdigkeit, dem Schlafe. Neulich hatte ich mal wieder einen langen Schreibtag, der sich bis spät in die Nacht erstreckte, wie damals, Ende 1999, als nur für mich und die Uni da zu sein hatte. — In zwei Monaten habe ich ein paar Drehtage in Paris. Sollte ich abgesehen davon 2017 keinen Film mehr zustande kriegen, widme ich mich eben wieder mehr dem Schreiben. Da halte ich allein die Zügel in der Hand. Mir fehlen die Abende im A-Trane oder im Quasimodo; gerade las ich meine Notizen zu Konzerten von Ofrin, Bruce Guthro oder Yamil Borges. Auch Peter Cincotti sah ich erstmals im Quasimodo. Ich würde auch gerne wieder schöne, alte Filme gucken, aus den 1950ern und 1960ern. Helena besuchen. Und im März meinen Geburtstag richtig ausufernd feiern.

Ich spiele mit dem Gedanken, Der Mann im Keller und Ende. vom Markt zu nehmen. Die Bücher wurden schon lange nicht mehr bestellt, und ich zahle jährlich horrende Summen an den Verlag, damit die Daten weiterhin gespeichert werden. Die Feuerblume wird regelmäßig geordert, meine anderen Bücher interessieren niemanden; von Sie7en wurden im letzten halben Jahr zwei Exemplare verkauft, Aus der Umarmung des Wassers ging im Dezember 2016 einmal raus. Wer sich also meine Frühwerke noch besorgen möchte, sollte sich beeilen, sonst ist es bald zu spät. Gruß,

André

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3 thoughts on “25. Januar 2017

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