Filmtipp #440: Schnee, der auf Zedern fällt

Schnee, der auf Zedern fällt

Originaltitel: Snow Falling on Cedars; Regie: Scott Hicks; Drehbuch: Ronald Bass, Scott Hicks; Kamera: Robert Richardson; Musik: James Newton Howard; Darsteller: Ethan Hawke, Yûki Kudô [Youki Kudoh], Max von Sydow, James Cromwell, Richard Jenkins. USA 1999.

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An der rauen Küste des Pazifiks wird im Bundesstaat Washington des Jahres 1954 die Leiche eines ertrunkenen Fischers (Daniel van Bargen) gefunden. Aufgrund einer Kopfverletzung geht die Polizei von einem Mord aus und verhaftet den Japaner Kazuo Miyamoto (Rick Yune in seinem ersten Film), einen Kollegen des Toten. Ishmael Chambers (Ethan Hawke), seines Zeichens Gerichtsreporter, soll über das Verfahren berichten. Dabei trifft er seine Jugendliebe wieder: Hatsue (bildschön: Yûki Kudô) ist mittlerweile mit Miyamoto verheiratet. Aus Liebe zu ihr erklärt sich Ishmael bereit, bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen, stößt jedoch auf wenig Unterstützung — zu stark sind die rassistischen Vorurteile und Animositäten…

Der 1994 erschienene Roman von David Guterson war ein Liebling der Kritiker gewesen — er gewann u. a. den renommierten Faulkner Award — und war zu einem weltweiten Bestseller geworden, der in nicht weniger als 30 Sprachen übersetzt worden war. Universal ließ sich die Verfilmung 36 Millionen Dollar kosten und betraute Scott Hicks, der unlängst für »Shine« (1996) zwei Oscarnominierungen eingeheimst hatte, mit der Regie. Hicks und sein Team drehten hauptsächlich in Vancouver und Umgebung, einige Außenaufnahmen entstanden auf Whidbey Island im Staate Washington. Dem Kamermann Robert Richardson gelangen Bilder von so außergewöhnlich zarter Schönheit, dass die Kritiker ins Schwärmen gerieten und den damals 44jährigen mit Preisen nur so überhäuften: Neben Nominierungen für den Oscar, den Satellite Award und den ASC-Award gab es Auszeichnungen in Chicago, Dallas, Las Vegas und Florida. Seine umjubelte Weltpremiere feierte Scotts stimmungsvolle Romanverfilmung im September 1999 in Toronto, Anfang 2000 startete der Film in den USA. Ein großer Kassenerfolg wurde er nicht. Das »Lexikon des Internationalen Films« urteilte: »Im gleichberechtigten Nebeneinander von Gegenwart und Vergangenheit evoziert der Film Schmerz und Schönheit zugleich, indem er jenseits romantischer Klischees von der Tragik dieser einzigartigen Liebe erzählt. Außergewöhnlich behutsam inszeniert und eindrucksvoll gespielt.«
In späteren Jahren beklagte sich Ethan Hawke, dass »Snow Falling on Cedars« schauspielerisch keine gute Erfahrung für ihn gewesen sei. Dabei bringen er sowie das gesamte Ensemble von Sam Shepard und James Rebhorn über Max Wright, Jan Rubeš und Eric Thal bis hin zu Celia Weston, Max von Sydow und Yûki Kudô formidable Leistungen in einem Film, der ästhetisch so fesselnd und aufwühlend ist, dass man in dieser Schönheit verharren und vergehen möchte.

André Schneider

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