14. Dezember 2016

Milow heißt der getigerte Kater meiner Nachbarin, der ungefähr zeitgleich mit mir in dieses Haus zog. Gestern, am 13., war es genau zwei Jahre her. Die Nachbarin hat zwei Katzentüren für ihn eingebaut — eine in ihre Wohnungstür, eine zweite unten, wo es zum Garten hinterm Haus geht. So geht Milow im Hause ein und aus, und ich glaube, dass er alles in allem ein glücklicher Kater ist. Ein vertrauensvolles, schmusiges, entspanntes Tier. Bei den Briefkästen hat besagte Nachbarin ihm eine gebrauchte Kinderkarre hingestellt. Darin liegt er meistens, wenn Chelito und ich morgens das Haus verlassen. Wenn ich die Karre passiere, maunzt Milow kurz und streckt mir sein Köpfchen entgegen, woraufhin ich kurz stehenbleibe und ihn streichle. Einmal, ich wohnte etwa ein halbes Jahr hier, stand meine Wohnungstüre offen, und er machte einen kurzen Inspektionsgang. Chelito traute seinen Augen nicht, als Milow sein Körbchen streifte und in Richtung Fenster schlich. Er ließ sich problemlos auf den Arm nehmen und wieder nach draußen tragen. Seither begrüßt er mich fast jeden Morgen, und ein paar Male hatte ich auch ein »Präsent« von ihm auf meiner Fußmatte liegen: eine tote Maus. Milow ist fester Bestandteil dieser Hausgemeinschaft. Die zweite Katze, die sein Frauchen vor gut einem Jahr anschaffte, sieht man kaum, sie scheint die Wohnung nur selten zu verlassen; ich kenne nicht einmal ihren Namen. — Laura war der Name meiner Katze, die ich seinerzeit von einer Hildesheimer Bekannten übernommen hatte. Sie war auch getigert, ziemlich klein und anhänglich. Sie hatte bereits gut und gerne acht Jahre auf dem Buckel, als sie bei mir in der Friedelstraße einzog. Nach Markus’ Tod musste ich sie leider abgeben, weil ich beruflich zu viel unterwegs war und ihr nicht mehr das geben konnte, was sie brauchte und was auch jedem Haustier zusteht. Der Kontakt zur Katzensitterin brach unmittelbar, nachdem sie Laura bekommen hatte, ab, und so kann ich nur hoffen, dass die Süße einen schönen Lebensabend verbringen konnte.
Seit meinem vierten Lebensjahr war ich eigentlich nie ohne Haustier gewesen, und wenn, dann war ich wirklich unglücklich. Haustiere geben uns so viel Kraft, es sollte sie auf Krankenschein geben. Chelito ist seit Oktober 2007 bei mir, und es treibt mir heute noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, dass man ihn seinerzeit von einer Tötungsstation hatte befreien müssen. Ich gebe mein Bestes, um sein Leben angenehm zu gestalten, und er begleitet mich überall hin. Als ich beruflich noch pendeln musste, schlief er brav auf Grisus Rückbank; wenn ich müde oder krank bin, kuschelt er sich an mich ran und passt auf mich auf; wenn ich im Büro bin, wartet er geduldig auf den Feierabend. Er ist ein sehr lieber Hund, hat einen guten Charakter. Nie würde er jemandem etwas tun, was ihm und mir die Freiheit gibt, ihn ohne Leine laufen lassen zu können. Er ist nun elf oder zwölf Jahre alt, fast schon ganz weiß, und ich hoffe, dass er noch lange bei mir bleiben wird.

Chelito 2015 im Görlitzer Park.

Chelito 2015 im Görlitzer Park.

Am Sonntag traf ich mich mit Connie im Qadmous, einem libanesischen Restaurant im Friedrichshain. Die Preisklasse war etwas gehoben, aber das Essen köstlich, die Atmosphäre schön gemütlich und die Bedienung erste Sahne. Connie und ich hatten uns zuletzt vor Paris gesehen, danach hatten es unsere Zeitpläne nicht zugelassen. Wir sprachen über das merkwürdige Verhalten mancher Männer — also eines im Speziellen —, über die wachsende Kommunikationsunfähigkeit im Zeitalter der Kommunikation, über Woody Allen (kenne ich), »The Walking Dead« (kennt sie), der Übersättigung Berlins und unsere gelegentlich Ausbruchs- oder Fluchtgedanken, über unsere Familien und das Hadern mit den eigenen Ansprüchen. Wir redeten fünf Stunden. Mein Adventsgeschenk von ihr: Trinkschokolade von Rausch. Oh Mann, ich habe selten einen so leckeren Kakao getrunken! Kann ich nur allerwärmstens empfehlen!
Die freien Tage rasen nur so an mir vorbei. Ivy Levan und Kate Bush höre ich zwischen Tür und Angel, Christian Ritter und Patrick Salmen gucke ich mir an, während ich das Abendessen vorbereite, und zwischendrin schreibe ich Ideen nieder, lese Ians ersten Drehbuchentwurf, setze mich einmal mehr mit der Hausverwaltung auseinander, bewerbe mich bei einem Filmmagazin als Autor und schlage mich mit dem Hermes-Versand herum. Immerhin kam die DVD-Box mit den Ercoli-Filmen an — zwei vergleichsweise unbekannte gialli, auf die ich mich schon ewig gefreut hatte. Die deutsche DVD-Veröffentlichung wurde in letzter Minute um anderthalb Jahre verschoben — die beiden Filme sollen im Dezember 2017 erscheinen —, also habe ich mir die Box von Arrow Video aus England bestellt. Allein die vielen Extras und das dicke, informationsreiche Booklet waren es mir wert. Ein weiterer Film, auf den ich sehr gespannt bin, ist Robert Altmans vergessenes Frühwerk »That Cold Day in the Park« (1969, mit Sandy Dennis). Aber der Silberling dürfe erst im Januar hier eintreffen.
Vorgestern war wieder Kinotag. Diesmal guckten Ian und ich uns »Office Christmas Party« (Regie: Josh Gordon, Will Speck) an. Leider synchronisiert. Eine schrille, zum Schreien witzige Variante von Charles Dickens’ »Christmas Carol« — mit Jennifer Aniston als postmodernem Scrooge. Wir haben uns vor Lachen gekugelt! Ich sage nur: Kate McKinnon Superstar! Für die Frau hat sich 2016 richtig gelohnt: ein Emmy, vier richtig große Filme und jetzt schon legendäre Talkshow-Auftritte. Vielleicht der erste offen lesbische Mainstream-Star in Hollywood? Schauen wir mal. Auf jeden Fall ist sie ein comical genius, ein Riesentalent. Außerdem freue ich mich immer, wenn ich T.J. Miller sehe. Der Film war ein Hochgenuss!
Oh, dass die Nominierungen für die Golden Globes draußen sind, habt Ihr mitgekriegt? Streep, Grant und Helberg sind nominiert, »Elle« (Regie: Paul Verhoeven) auch, »La La Land« (Regie: Damien Chazelle) und »Manchester by the Sea« (Regie: Kenneth Lonergan) ebenso. Spannende Sache. Eigentlich aufregender als die Oscars, aber gut, ich will jetzt nicht schon wieder damit anfangen. Es ist spät, ich habe jetzt Lust, im Traumland Rollschuh zu laufen. Kommt Ihr gut in diesen Mittwoch,

André

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